Den Titel als Leitmotiv für die Erkundung des ehemals populären Münchner OBs Christian Ude von München und seiner Frau Edith von Welser-Ude.

Matti Bauer hat unter der redaktionellen Obhut von Zwangsgebührentreuhänder Christian Baudissin das Paar vor die Kamera geholt und wollte wissen, was die beiden zusammenhält, denn der Titel behauptet, sie seien ein unmögliches Paar.

Ein Paar. Das Paar am Paar scheint allerdings gar nicht so unmöglich zu sein. Denn das zentral Verbindende, das bestätigt der Mann denn auf Nachfrage des Dokumentaristen auch, sei die Paarung; er sagt es nicht wörtlich so, meint aber eindeutig den Sex.

Der Sex (auch wenn das Wort nicht vorkommt), kann ein Paar ganz schön zusammenhalten. Auch wenn sonst vieles dagegen spricht. Hier die enorme intellektuelle Diskrepanz; sie ist ihm intellektuell in keiner Weise gewachsen.

Die unterschiedliche Sozialisierung, er nach dem Krieg geboren, sie hatte noch die Trümmer und Bombardierungen erlebt. Sie hatte einen strengen Vater. Er einen fördernden. Diese Differenzen stellt der Film allerdings nicht bewusst heraus, weil er offenbar sein Thema doch immer wieder aus den Augen verliert.

Andererseits versucht Bauer gewisse, chronische Fallen des Fernsehformates „Lebenslinien“ zu meiden. Indem er nicht ausgiebig und nicht explizit Werbung für Udes Bücher und seine Kabarettprogramme macht, diese werden gar nicht, jene nur pauschal erwähnt. Und auch ihre Fotogeschichten werden als Vergangenheit angeführt.

Allerdings bleibt dann nicht mehr viel übrig, wenn auf den üblichen Öffentlichkeitsbohei der beiden verzichtet werden soll; ganz ohne Schwabing und Mykonos und ganz ohne Katzen geht es dann aber doch nicht. Da offenbar der Sex das Paar zusammenhält und man den anständigerweise nicht zeigen will, bleibt somit nicht mehr viel und schon gar nichts Neues.

Seine Mission, OB von München zu werden, die hat er mehr als erfüllt und längst hinter sich. Jetzt wirkt er momentweise wie ein Schwabinger Spießer, wenn er über die Verdichtung im Viertel klagt, als ob er nichts damit zu tun habe, obwohl doch unter ihm als OB der soziale Wohnungsbau in München arg vernachlässigt wurde.

Ein anderes Problem, warum der Film so leer und dürftig scheint, das ist des Ex-OBs Sprechweise, déformation professionelle, immer alles deutlich aussprechen, so dass der hinterste in einer Versammlung das versteht. Das war ein Markenzeichen. Das ist wirkungsvoll für öffentliche Auftritte. In einer Dokumentation, die dem Paarungsverhalten eines solchen Subjektes auf den Grund gehen will, wirkt es allerdings unfreiwillig komisch, so, als ob er zu einem spontanen (auch erotischen) Satz, zu einer spontanen, persönlichen Äußerung überhaupt nicht fähig sei (das könnte skurrile Schrägfantasien zum Thema Paar in Gang setzen).

Als ob sein Glanz nur darin bestanden habe, in seiner Funktion im Zentrum zu sein, sozusagen durch seine Umgebung, seinen Hofstaat definiert zu werden. Wenn dieser nun wegfällt, so bleibt wenig übrig.

Die Schwäche an Matt Bauers Dokumentation ist allerdings, dass er diese Dinge nicht herausarbeitet und bis auf die eine Nachfrage nach dem, was sie zusammengehalten habe (sie hätten es heftig getan und dazwischen etwas Politik gemacht, meint der Ex-OB), nicht weiterbohrt. So entsteht eine Doku, die auf alles Vorzeigbare der Beiden verzichtet, was allerdings eh schon x-fach durch die Blätter- und Flimmerwelt gegangen ist, so dass nichts übrig bleibt, als das Bemühen, keine formatbedingten, bekannten Fehler zu machen.

Sie wollen, was löblich ist, nicht die x-fach bekannte Homestory nochmal in allen Farben wiederholen (tun sie dann doch mit der Biorepetition von ihr mit den sechs Kindern und der wilden Ehe mit einem jungen Rechtsanwalt). Andererseits zeigen sie, dass sie für eine andere Homestory, die Überraschenderes, Erstaunlicheres, Tiefgründigeres zu bieten hätte, zu festgefahren in ihrem eigenen Öffentlichkeitsbild von sich selbst gefangen sind. Die Komik ist in diesem Falle unfreiwillig.

Bei der ersten Szene im Rathaussaal, da passiert etwas zwischen den beiden. Sie behaupten, sich da überhaupt das erste Mal begegnet zu sein, mit unterschiedlichen Erinnerungen allerdings. Wenn Baur diesem knisternden Dokupfad hartnäckig und konsequent gefolgt wäre, vielleicht hätte er dann auch nicht abgedroschene Dinge zutage gefördert, mit einem lebendigeren, aus der Promireserve gelockten Ude, einem lebendigeren Paar des Zuschauers Geist gefesselt und nicht nur mit zwei müden Promilemuren.

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