Eine experimentelle Träumerei in Form einer frei nacherfundenen Biographie in 5 Kapiteln und mit einem Epilog über einen königlichen Träumer, der sich einen unversehrten Zustand von Natur und Mensch herbeisehnt nach all den Verwüstungen, die der Kolonialismus im engeren und die Herrsch- und Zerstörungssucht des Menschen im weiteren Sinne angerichtet hat und auch immer noch anrichtet; nie wurde mehr Amazonas zerstört als heute.

Der Träumer, der sich als König ohne Land und Einfluss aber mit Visionen sieht, ist ein Franzose, Orllie-Antoine de Tounens (Rodrigo Lisboa), ein Anwalt vom Lande. Er träumt davon, die indigenen Völker im Süden Lateinamerikas zu vereinen und so gegen den Kolonialismus zu schützen.

Von zwei Reisen ist die Rede. Die erste – wie auch andere Teile des Filmes – werden in Found-Footage-Manier (und fakehistorisierendem Material mit fabelhaft knirschenden Zelluloidspielen inklusiver visionärer Bilder des Königs als Wasserspender und naturmystischen Improvisationen) präsentiert, was etwas Verwegenes hat.

Die aktuelle Reise spielt 1858 abenteuerfilmhaft, der Franzose zu Pferd mit Bart und breitkrempigem Hut. Er wird begleitet vom Einheimischen Rosales (Claudio Riveros) als Führer und Pfadfinder.

Die Begegnung mit den Einheimischen verläuft zwiespältig. Denn der Chef Manil der Indigenen, der ihn eingeladen hat, ist inzwischen verstorben. So könnte es gefährlich werden. Rosales jedoch arbeitet mit der chilenischen Regierung zusammen. So wird Tounens verhaftet, in einen Kerker geführt, verhört.

Die Gerichtsszenen in dem Keller inszeniert Niles Atallah als theatralische Farce mit Masken, eine schlaglichthaft groteske Wirkung erzielend.

Der Film kann gelesen werden als fantasievoller Aufruf zum Respekt der indigenen Völker und vor der Natur. Wobei dem Visionär schier der Verstand abhanden kömmen möchte – auch das in einer eindrucksvollen Bildsequenz – angesichts all der Apokalypsen, die der Mensch auf Erden anstellt.

Und während Sie diesen Text gelesen haben, dürfte im Amazonasgebiet schon wieder die Fläche von einem Fußballfeld gerodet worden sein.

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