Schweren Herzens schreibe ich diese Zeilen, denn ich muss von einer Freundin Abschied nehmen. Julia Edenhofer ist am Samstag, den 29.12.2018 verstorben.

Julia Edenhofer 2014 am Stachus

Julia Edenhofer 2014 am Stachus

Ich lernte Julia im Kino kennen, da wir beide bevorzugten, bei Pressevorführungen in der letzten Reihe zu sitzen. Das genaue Datum weiß ich genauso wenig wie das genaue Jahr, aber damals hatte sie noch ein Büro im Bayerischen Rundfunk, war aber schon eine Weile nicht mehr am Moderieren. Ihr Jobtitel war „Redakteurin Leichte Musik“. Dass Sie ein Moderatoren-Urgestein von Bayern 3 war, aus einer Zeit, zu der ich noch gar nicht geboren war, hatte ich zunächst gar nicht auf dem Schirm, ich kannte sie nur durch ihre Kinobesuche.

In unserer letzten Reihe, und streckenweise auch der vorletzten, im Gabriel Kino hinten links bildete sich ein kleines, eingeschworenes Grüppchen aus befreundeten Kollegen, von der Julia ein Teil war. Wir lästerten gerne ein wenig (oft ein wenig zu laut) über offensichtliche Mängel in den jeweiligen Filmen, lachten viel und herzlich, hielten uns gegenseitig unsere Stammplätze frei, brachten einander Kaffee mit oder gingen auch mal auswärts einen trinken, nahmen alles nicht ganz so ernst, es war eine Freude. Als die Panik der Filmverleiher aufkam, die Journalisten würden im Kino mitfilmen, um das verwackelte Video dann online zu teilen, begannen diese, die Taschen der Besucher zu durchwühlen und das Publikum während der Vorführung mit Nachtsichtgeräten auf solche Umtriebe hin zu kontrollieren. Das fanden wir besonders bizarr, denn wir waren hauptsächlich damit beschäftigt, einander selbstgemachte Marmeladen mitzubringen und Kochrezepte für diese auszutauschen sowie uns gegenseitig Bücher zu leihen.

Julia setzte mit steigendem Alter und zwangsweise zunehmenden Gebrechen tapfer gegen die Policy der Filmverleiher durch, dass sie trotz Garderobenpflicht und Sicherheitskontrolle stets ihr „Gehwagerl“ mit in den Saal nehmen durfte an ihren Platz in der letzten Reihe ganz links, so dass sie sämtliche medizinischen Helferlein stets griffbereit hatte, sollte mal was sein.

Oft lud Julia mich zum Sushi-Essen ein, denn Sushi war zu ihrer Leib- und Magenspeise avanciert (sie bevorzugte Sashimi und Nigiri, ich Maki), da es für sie stets bekömmlich war. Ich war meist eingeladen, denn, seien wir ehrlich, für freie Filmkritiker wächst das Geld nicht gerade auf den Bäumen. Oder wir gingen ins Thu, bei ihr zuhause um die Ecke, und schlemmten thailändisch.

Auch nach ihrem gesundheitsbedingten Ausscheiden aus den Münchner Pressevorführungen vor einigen Jahren hielten wir uns die Treue. Ich besuchte sie immer wieder, andere auch, sie buk eifrig und leidenschaftlich Kuchen für den Katzenflohmarkt und für ein Unternehmen in ihrem Wohnhaus. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, habe ich noch eine ganze Tüte von Weihnachtsplätzchen, sicher 10 verschiedene Sorten, in der Küche, die sie vor zwei Wochen noch gebacken hat. Mitte Dezember saßen wir noch zu dritt im Garbo in München, wo sie uns anläßlich ihres 72. Geburtstags mit zwei massiven, großartigen Bistecca Fiorentina konfrontierte, die wir trotz mächtigen Hungers nicht bezwangen (sie bekam die Reste mit nach Hause).

Es gibt noch eine ganze Menge privater Geschichten, die ich hier erzählen könnte, doch ich lasse das, denn die gehören in den Bereich der Freundschaft und nicht in den Bereich des öffentlichen Interesses.

Ihren letzten Wunsch, nämlich Schloss Linderhof noch einmal zu besuchen, und zwar im Frühling, wenn auch die Pavillons gut zu besichtigen sind und die Gärten in voller Blüte stehen, wird sie nun nicht mehr erfüllt bekommen. Aber ich könnte mir vorstellen, mit gemeinsamen Freunden einen Ausflug dorthin zu ihrem Gedenken zu organisieren im Frühjahr.

Julia starb friedlich und nach nur sehr kurzem akuten Leid im Krankenhaus Rechts der Isar in München in den späten Abendstunden des 29. Dezember 2018.

Sobald ich mehr weiß über einen etwaigen Beerdigungstermin (sie hat sich über ihre Wünsche bedeckt gehalten und dies wohl in ihrem Testament verfügt), findet Ihr ihn hier, sofern er veröffentlicht werden darf.

Julia in der Wikipedia

Julia beim BR (1), Julia beim BR (2),

und neulich gab es noch ein Interview mit Thomas Gottschalk (in der SZ?), in dem er kurz auf Julia Bezug nahm. Doch das ist derzeit nicht online zu finden.

Die Bestattung findet am 31.1.2019 um 9 Uhr am Münchner Nordfriedhof statt.

Eine Antwort zu “Julia Edenhofer: 1946 – 2018”
  1. Rudy Tjio sagt:

    Ein echter Verlust, Good Bye

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