Killing God – Liebe Deinen Nächsten

Gott zu töten ist wie Zeit töten, das könnte ein Schluss sein, der vielleicht aus diesem Film zu ziehen wäre.

Bierernst oder verbiestert sollte niemand an diesen Film von Caye Casas und Albert Pintó rangehen, eine Message erwarten besser auch nicht. Sich auf eine Farce aus Verzweiflung über die Sinnlosigkeit des Lebens einzustellen, über die Nichtigkeit des Seins, könnte hilfreicher sein.

An wie einem dünnen Faden das Leben hängt, wie es Spiel unsichtbarer Mächte ist, ein Spiel, makaber, wer wieso stirbt und wer nicht, wenn wann stirbt und wer dann doch nicht; wie der Mensch sich doch viel zu wichtig nimmt. Wobei der Film sein Spiel mit dem Leben ernst nimmt.

Der Film dürfte aus jenem Existenzsicht-Tiegel stammen, in welchen auch ein Film über russisches Roulette am besten reinpasst.

Die Stärke des Filmes ist einwandfrei die leinwandaffine Malerei, das Gemäldehafte mit seiner Neigung zum entfernt Comichaft-Übertriebenen aus dem Nahbereich von Stereotypen (die Fette, der Rundliche, der Zwerg).

Der Radikalzwerg (Emilio Gavira) spielt Gott. Er taucht auf bei einem Vater, Eduardo (Boris Ruiz), der mit seinen zwei Söhnen Sanit (David Pareja) und Carlos (Eduardo Anuna) und dessen leinwandfüllend-dicken Frau Ana (Itzlar Castro) sich in einem hochkotzprotzherrschaftlichen Anwesen auf dem Lande zum Essen treffen.

Sie füllen die Zeit mit Dauerdialogen, die farcehaft Themen wie Liebe, Seitensprung, Ehe, Eifersucht, Kinderzeugen, Depression behandeln.

Carlos ist eifersüchtig auf seine Frau, weil diese von ihrem Chef andauernd SMS erhält, dass die Nacht mit ihr die schönste gewesen sein. Den Satz kann Carlos nicht oft genug wiederholen, am liebsten beim Hantieren mit dem Küchenmesser. Solche Bilder sprechen für sich oder gar nicht.

Der Gott-Zwerg trifft ein, prophezeit den Tod von zweien der Anwesenden, zwei würden überleben, das sei wichtig für die Menschheit. Die Entscheidung, wen es trifft, müssen die Betroffenen selber fällen. Jeder darf einen Zettel ausfüllen mit einem Namen, der überleben soll.

Klar, das ist Humbug-Spielerei, woher die Faszination davon kommt, das ist mir nicht klar. Es sieht so schon bitter aus für die Zukunft der Menschheit, für die Bildung neuer Generationen, wenn sich ein Depressiver, ein Unfruchtbarer und ein herzkranker Greis und dazu noch eine Übermatrone von Frau, die auch nicht mehr die Jüngste ist, dafür bewerben.

Es gibt auch Mordversuche mit Schlaftabletten oder mit dem Schwert (huch, „wir sind echte Mörder“ – es gibt sie eben aller Absurdität zum Trotz doch noch, die Hemmschwelle zum Töten).

Ausgestopfte Jagdtrophäen glotzen von den Wänden, während die Kamera sich gezielt und unzimperlich am Geschehen orientiert.

Die experimentelle Musikuntermalung tendiert zum spöttischen Ausrutscher, betont damit die Farce-Idee, dass es sich um eine absurde Spielerei mit der unerklärlichen Begründung der menschlichen Existenz und deren Berechtigung handle. Ein tieferer Sinn ist aus der Veranstaltung nicht herauszulesen. Grotesk um des Grotesken willen oder weil das menschliche Leben von Natur aus grotesk ist?

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