Mary Poppins‘ Rückkehr

Stürzt Euch in Schale,

kleidet Euch festlich für diesen erfrischend-traditionellen Kinobesuch, der alles erfüllt, was ein Musical- oder ein Theaterbesuch einem bieten können, mit dem feinen Unterschied, dass das Geschehen auf die Leinwand projiziert wird.

Das Thema ist zudem brandaktuell: der Verlust der Wohnung steht in unserer Zeit der sich täglich mehr erhitzenden Immobilien- und Mietpreise für viele Menschen bedrohlich bevor.

Die Familie Banks ist mit ihren drei Kindern kurz vorm Rauswurf aus ihrem Londoner Haus. Sie müssen innert einer Woche das Geld für nicht bezahlte Mieten aufbringen oder den Beweis, dass sie im Besitz von Anteilen an der pfändenden Bank sind. Denn Michaels (Ben Wishaw) Vater war Mitbesitzer.

Michael sucht krampfhaft nach diesen Papieren. Unterstützt wird er von seiner Schwester Jane (Emily Mortimer). In die Aufregung hinein bringen die Kinder vom Spielen mit einem alten löchrigen Drachen eine Überraschung mit nach Hause: mit dem Drachen steigt Mary Poppins (die perfekte Emily Blunt) vom Himmel. Sie kehrt zurück. Denn sie war schon das Kindermädchen von Michael und Jane.

Die einführende Figur ist der Laternenanzünder (am Abend) und Laternenauslöscher (am Morgen) Jack (Lin Manuel Miranda). Der ist mit dem Rad und einer Leiter durch das trübe London von 1930 unterwegs.

Aufhellend wirkt da die Erscheinung von Mary. Die führt die drei Kinder von Jack und damit die Zuschauer in bunt-magische Welten, unterhaltsam und lebensbejahend, nie aggressiv, oft singend und tanzend, wie die Welt des Musicals ist.

Wie eine chinesische Vase mit einer Kutsche drauf zu Bruch geht, mit welch fantastischer Story die wieder repariert wird und welch magischer Ausflug damit verbunden ist! Dieser Ausflug ist auch ein Ausflug in das Genre des Animationsfilmes, wird so zur Re-Animation einer chinesischen Vase.

Regisseur Rob Marshall (Into the Woods) besinnt sich nach dem Drehbuch von David Magee (Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger) auf die Urmusical-Qualitäten: Frische des Gesangs, Glaubwürdigkeit von Tanzeinlagen, die teils ins Akrobatische gehen, wohldosiert die Computeranimation und herrlich unbeschwerte Bilder, die keine allzu komplizierten Filmtricks sind, wenn am Schluss die Mannschaft an Luftballons in die Höhe schwebt.

Davor hat Meryl Streep als skurrile Topsy bestens unterhalten und die Lampenanzünder haben mit ihren Fahrrädern halsbrecherische Nummern durch London aufgeführt bis zu zirkusreifer Artistik, wenn sie die Turmuhr des Big Ben erklettern, weil zum Erreichen des glücklichen Finales noch ein paar Minuten fehlen.

Es dominiert das exzellente Performer-Handwerk über die Tricksereien am Computer, das macht die Sache quicklebendig-munter. Hier soll keiner mäkeln nach dem Motto von Mary Poppins „Don’t spoil it with too many questions“.

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