Archiv für 18. Dezember 2018

Gschaftlhuber-TV-Ware.

Mit einem Papstwort voraus („Christmas celebrations are often full of sound. It would be good for us to make room for silence, to hear the voice of Love.“ Papst Franziskus), nebelt Hannes M. Schalle seine Gschaftlhuber-Sendung gleich mit Weihrauch ein, damit ja keiner was dagegen sagen mag. Heilig, Heilig. Still ist die Nacht und verschwiegen soll der Kritiker sein. Und der Redakteur ist eh schwer von Begriff.

Für den Kritiker war vorab vom BR eine noch nicht fertige Kopie der Sendung zu sehen. Da stehen vier Menschen in Trachten vorm Green-Screen und singen „Stille Nacht“. Das wird selbstverständlich noch ein süß-feierliches Backgroundmotiv hineinmontiert. Es gibt auch noch keine eingeblendeten Namen, so dass man nicht weiß, was für ein Onkel vor welch überladenem Dekor mäßig spannend und aus welchem Buch über die Entstehung des Liedes „Stille Nacht“ vorliest.

Von da hüpft der Bildersalat in die USA zu Bing Crosby, der das Lied erst berühmt gemacht habe. Dazwischen gibt es Reenactment-Szenen aus der Geschichte des Weihnachtsliedes. Oder es ist nur die Angabe zu lesen, dass hier die Trinity-Church eingeblendet werde. Das dürfte in der Sendung ein weiterer Video-Schnipsel von einer der vielen Aufführungsausschnitte sein.

Es ist eine unübersichtliche Beliebigkeit an illustrierendem Material, das teils aus Archiven flüchtig zusammengestöbert worden sein dürfte, teils neu aufgenommen und das wenig Klarheit über den Weg des Liedes zu seiner Berühmtheit erbringt.

Dann quasselt wieder irgendwer irgendwas über das Lied. Andere singen wieder. Die Montage der Bilder und der Tonspur dazu ist eher Demontage.

Was an Reenactment zu sehen ist, scheint mehr aufgesagt denn inszeniert. Dann quasselt wieder eine Frau in vornehmer Umgebung. Was sind das für Fernsehredakteure, die so eine Kuddelmuddel-Quassel-Bildsalat-Sendung zur Finanzierung frei geben?

Dann wieder Ausschnitte aus einem Musical mit wild tanzenden Engeln. Die Montage-Reihenfolge dürfte endgültig sein, einen erhellenden Leitgedanken einzufügen ein Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht war der verantwortliche BR-Redakteur Ulrich Gambke schon vom Franziskus-Wort (das in der Endfassung bestimmt auf Deutsch vorliegen dürfte) so eingenebelt, dass ihm jedes kritische Urteil bei der Freigabe der Zwangsgebührengelder für solchen Dokumentar-Dilettantismus abgegangen sein muss. Da hat jeder Christklindl-Markt mehr Struktur und Spannung.

Wie man den Weg eines Liedes um die Welt aufregend gestalten kann, hat You’ll never walk alone gezeigt. Drunter möchte man es eigentlich nicht mehr haben. Aber die hatten sich halt auch Mühe gegeben und nicht so schnell schnell was hinwursteln wollen.

Ein moderner Dokumentarist sollte wenigstens deutlich machen, nach welchen Kriterien er vorgegangen ist und wie er seine Protagonisten gefunden hat. Hier scheint das oberste Auswahlkriterium gewesen zu sein, ein paar schöne Reisen zu machen auf Zwangsgebührenzahlerskosten in die USA, nach Paris, nach London, nach Jerusalem und und.

Und dann noch die abgelutschte und schwächst möglich inszenierte Story von den 1.-Weltkriegssoldaten, die mit dem Lied einen weihnachtlichen Waffenstillstand feiern.

Vermutung: hier hat ein Gschaftlhuber die Chance gewittert, bequem an Zwangsgebührengelder zu kommen. Die Zwangsgebührenzahler bleiben hierbei die Dummen, die in die Röhre schauen und sich fragen, ob das Fernsehen sie für nicht ganz dicht hält.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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