American Dream.

Während unsere Medien das Amerikabild von Tag zu Tag mehr versauen mit chronischer Publizierung von Bildern dieses Twitter-Präsidenten, erinnert der Film von Betsy West und Julie Cohen an das, was Amerika groß gemacht hat und auch groß halten kann, daran, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind, einer der wesentliche Grundsätze der amerikanischen Verfassung.

Verkörpert wird diese Haltung von der Protagonistin, von der „notorischen RGB“, von Ruth Bader Ginsburg. Sie ist 83, Richterin auf Lebenszeit am amerikanischen Supreme Court und, das muss man sich mal vorstellen, inzwischen eine richtige Popikone, von der es sogar Merchandising-Artikel gibt: Tassen, T-Shirts und Tattoos!

Gleichzeitig hat sie – und das macht den Film noch grandioser – eine wunderbare Leinwandpräsenz wie eine Leinwandgöttin, also noch eine weitere Ausformung des American Dream, der hier wahr wird.

Sie selbst hat mit ihrem Lebenswerk zu dessen Erhalt und Durchsetzung beigetragen. Nachdem in den 60ern die Black-Panther-Bewegung die Equal Rights einforderte, war sie in den 70ern eine der führenden Anwältinnen, die gleiche Rechte für Frauen einklagten. Denn die Gesetzeslage war ziemlich schief, dass die Frau dem Manne untergeordnet sei und anderer, anachronistischer Altmüll, der nicht zur Verfassung passte. Sie brachte mehrere Fälle bis vor den Supreme Court und gewann fünf von dem halben Dutzend.

Großes Kino ist auch die Liebesgeschichte zu Marty, den sie als Student kennengelernt hat. Eine Szene zum Abheben, wie er sie und im Gegenschnitt sie ihn in einem Super-8-Film, der die Beziehung in leichter Schwebe hält, anschaut. Marty und Ruth waren fast 60 Jahre zusammen. Er hat sie mit seinem Humor gestützt. Sie haben sich in den Karriereprioritäten abgewechselt.

Die Dokumentaristinnen machen aus dem Material, das sie haben, einen unterhaltsamen und gut konsumierbaren Film bei aller Ernsthaftigkeit der Problematik des Kampfes für die Gleichberechtigung der Frau.

Zur Erinnerung: in unserem Rückwärtsland Deutschland verdienen Frauen immer noch in erschreckend vielen Fällen weniger als Männer bei gleicher Tätigkeit!

Für dieses spannende Bild von RBG sorgen Ausschnitte aus Gerichtsverhandlungen, Hearings, Amtseid, Bilder der Schauplätze bei Archivaufnahmen von Argumentationen, Bekannten, Kindern und Kindeskindern, Fans, Bewunderern, Kollegen und Kolleginnen, Journalisten, Biographen, Präsidenten, Ausschnitte aus Talkshows inklusive einer arg überzeichneten Rollenparodie, von Opernbesuchen bis hin zu einer Sprechrolle in einer Oper.

RBG hat eine umfangreiche Kragensammlung für die Richterinnenauftritte, wobei sie zum Vortrag einer abweichenden Meinung einen ganz speziellen, dunklen Kragen trägt; den dürfte sie in Zukunft öfter brauchen nach der umstrittenen Ernennung von Kavanaugh.

2 Antworten zu “RGB – Ein Leben für die Gerechtigkeit”
  1. Dale A. Sullivan sagt:

    Lieber St, gut geschrieben, ich erblasse, weil ich nichts darüber wusste, weilchen Einfluss diese herrliche weibliche Person bietet.
    Nicht-gläubig sende ich ein KOTAU und danke. More Power to people who think free

  2. Stefe sagt:

    Danke Dale,
    tja, selbst an Festtagen kann man dazu lernen (wenn man das Richtige liest) –
    den Aufruf kann ich nur unterstützen!

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