Archiv für 10. Dezember 2018

Verlogen durch und durch.

Dieser reine Marketingfilm von Daniela Agostini, die mit Kimmo Wiemann auch das Hochglanzdrehbuch geschrieben hat, ist nicht ganz so verlogen wie die Magdalena-Neuner-PR-Werbesendung von neulich.
Denn Christian Neureuther legt die Motivation, an so einer Sendung teilzunehmen, geradeheraus offen, „Die Öffentlichkeit ist wichtig, letztlich haben wir daraus unser Berufsmodell gemacht (also direkte PR, 45 Minuten lang, d. Red.) … Ich brauch‘ ja auch die Öffentlichkeit, um unseren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wir sind im Fernsehen, in den Medien, dadurch bekommen wir wieder Werbeverträge. Das gehört unweigerlich miteinander zusammen, das ist in allen Bereichen der Werbung und des Marketings eine der Grundregeln.“

Spätestens bei dieser Aussage hätten bei der zuständigen BR-Redakteurin Sonja Hachenberger alle Alarmglocken schrillen müssen – aber vielleicht leidet sie unter Perzeptionseinschränkungen; sie sollte sich mal durchchecken lassen, und der BR-Chef Ulrich Wilhelm, das ist derjenige mit dem hübschen Kanzlerinnengehalt auf Zwangsgebührenzahlerskosten, hätte einschreiten müssen: für private PR ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht zu haben. Das ist gegen seinen Grundauftrag.

Es wird gesagt, dass Neureuther und Mittermaier Koch- und Fitnessbücher schreiben. Die wollen verkauft werden. Die verkaufen sich besser, wenn die Autoren ab und an im Fernsehen sind. Insofern ist so eine Sendung eine direkte, geldwerte Werbemaßnahme.

Diese Doku der offenbar blind verehrenden und vollkommen unkritischen Daniela Agostini zeichnet ein makellos schönes und gleichzeitg selbstoffenbarend verlogenes Bild der angestaubten Werbeikonen Mittermaier und Neureuther.

Schöne Kindheitsbilder, die beiden Altgold-Senioren kramen in ihren intimsten Fotoalben und Super-8-Filmchen und gar in den Liebesbriefen und verschleudern diese für ihre 45-Minuten-PR-Sendung, die ihnen der BR gewährt. Gleichzeitig beteuern sie treuherzig, sie wollen die Privatsphäre schützen. So verlogen.

Sie lassen sich filmen, wie sie in ihrem Haus ganz privat Apfelstrudel essen und behaupten im selben Satz, sie wollen die Öffentlichkeit aus ihrem Privatleben raushalten. So verlogen.

Gleichzeitig vermarkten sie ihre vorgebliche Normalität. Wie abnormal viel sie damit verdienen, wie viel so eine 45-minütige PR-Sendung für sie Geldwert hat mit dem Verschreddern ihres Privatlebens, das sagen sie nicht. So verlogen.

Wie abnormal luxuriös sie für ihre PR-Auftritte reisen, wie abnormal luxuriös sie für ihre PR-Auftritte untergebracht und behandelt werden, das verschweigen sie. So verlogen.

Leute, die solche reinen (und noch dazu billigen) PR-Sendungen produzieren, haben am öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts verloren, Tschüss also Frau Agostini, Tschüss also Frau Redakteurin Hechenberger, Tschüss also Herr Wilhelm. Wenn Ihr schon so gut in Vermarktung seid, dann findet Ihr in der Privatwirtschaft bestimmt lukrativere Jobs. Wenn Herr Wilhelm schon nicht fähig ist, solche chronisch werbeanfälligen Sendungen (wie zB auch Gernstl) aus dem Programm zu nehmen, sollte er wenigstens Anstand genug haben, seinen Hut zu nehmen; da er sich mit dem Verbleib der Sendungen als skrupelloser PR-Mensch erweist, dürften ihm in der Werbeindustrie einträgliche Jobs winken.

Dazu noch gezielt eingesetze, direkte Produktwerbung. Für die Skibrille uvex – beide Goldsenioren tragen sie und tun, als ob es ihnen nicht auffalle, so verlogen. Dazu wird extra eine Skifahrt mit anschließendem Interview inszeniert, damit dieser Markenname penetrant auf den öffentlich-rechtlichen Bildschirm kommt, zehntausende von Euros an Werbegeld spart und gleich in der folgenden Sommerszene trägt der kalt kalkulierende Neureuther dasselbe Logo nochmal, diesmal auf seinem Sommerkäppi, während seine holde Gattin ganz ungeniert ein Markenlogo auf dem weißen Sommerhemdchen vor der Kamera auffährt. Dass diese Szenen nicht rausgeschnitten worden sind, zeigt, dass Redakteurin Frau Hachenberger entweder perzeptionseingeschränkt ist oder hintenrum irgendwie profitiert von der Produktpräsentation, meines Erachtens ein schwerer Verstoß gegen das Werbeverbot in den Öffentlich-Rechtlichen. Denn es handelt sich ja um gezielt inszenierte Szenen.

Zur Erinnerung: für solche Sendungen müssen Hunderttausende von Haushalten Abstriche am knappen Haushaltsbudget machen, um die Zwangsgebühr zu entrichten. Ist das den abgehobenen – ach so normalen, wahrscheinlich ganz normale Spießer, die Neureuthers und Mittermaiers, die einem geschenkten Werbegaul nicht ins Maul schauen – noch nie in den Sinn gekommen? Ist deren Kopf auch schon so malträtiert von der ewigen Prostitution für Industrieprodukte? Und dann behaupten sie noch, die ganzen Goldmedaillen bedeuten ihnen nichts, ha ha, das ist der Gipfel der Verlogenheit, da kriegste einen Lachanfall, nicht mal den Zusammenhang zwischen ihrem wunderschönen Werbegeschäft und den Goldmedaillen scheinen die Naivlinge zu schnallen (sie noch eher) – oder sie sind auch nur ganz normal verlogen – wie so viele.

Ha ha, sie stellen sich ins Rampenlicht und behaupten, ganz normale Menschen zu sein. Sind sie eben längst nicht mehr. Nur verlogener. Staubfänger-Promis, die nichts Neues zu berichten haben, außer, dass sie ihre vorgebliche Normalität zum Geschäft gemacht haben. Und der BR bietet ihnen, vermutlich sogar gegen Aufwandsentschädigung, eine dreiviertel Stunde lang eine Gratiswerbefläche.

So hat das Format Lebenslinien keine Existenzberechtigung mehr im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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