Ein politanalytischer Film.

Die Machtmechanismen sind überall dieselben ohne Rücksicht auf die Hautfarbe, bei Schwarzen wie bei Weißen, die Politmechanismen zum Erringen und Erhalt der Macht kennen keine Farbgrenzen.

Steve McQueen, der mit Gillian Flynn auch das Drehbuch nach dem Roman von Lynda La Plante geschrieben hat, exerziert uns diese Lektion am Fallbeispiel der Stadtratswahlen im 18. Bezirk von Chicago so vor, dass jeder Zuschauer als Politstudent mitschreiben kann.

Jamal Manning (Brian Tyree Henry) fordert den jüngsten Sproß der weißen Politikerdynastie (seit sechs Generationen), Jack Mulligan (Colin Farrell), heraus.

Da so eine Politlektion eine ziemlich trockene Angelegenheit ist, versucht McQueen sie aufzupeppen. Er fängt mit mehreren Fäden der Geschichte an, rasch ineinandergeschnitten, sowohl übliche, blutige Actionszenen als auch Dialgoszenen. Er versucht es mit Schockschnitten, von Knutsch-Geräusch eines Kusses schneidet er auf ein Actiongeräusch, das wirkt ab und an etwas bemüht, ja anfängerhaft, was verwundert bei einem Regisseur, der den Kinogeher mit Shame oder zuletzt mit 12 Years a Slave beglückt und für sich eingenommen hat.

Weiter im Sinne der Belebung des Studienstoffes gibt es Tote, Ganoven im Auftrag von Mulligan, die für diesen Gelder beschaffen und transportieren. Der Mulligan-Clan steckt tief im Korruptionssumpf, zuletzt wegen der „Green Line“, wo viele Gelder versickert sind.

Die schauderhafte Schießerei und die Explosionen in einem Lagerhaus, das von der Polizei gestürmt wird, hinterlässt drei Witwen. Sie sind die Titelgeberinnen. Jetzt kommt die schwarze Korruption ins Spiel. Der Anführer der Getöteten, Harry (Liam Neeson), habe dem schwarzen Kandidaten zwei Milllionen Dollar vernichtet. So erpresst Manning dessen Witwe Veronica (Viola Davis). Sie soll das Geld in zwei Wochen beschaffen. Dazu engagiert sie die beiden anderen Witwen. Das ist das Movie, das Laien-Gangster zeigt, die nur einen einzigen Coup landen wollen.

Veronica sucht, überzeugt und engagiert die beiden anderen Witwen, das sind Linda (Michelle Rodriguez) und Alice (Elizabeth Debicki). Alle sind blutige Laien. Aber sie haben Spuren.

Dieser Krimi wird von Steve McQueen nach allen Regeln der Kunst entwickelt und auch vorgeführt. Mir manchmal zu fingerzeigig dick. Wenn Linda auf einer Waffenmesse die illegale Polin spielt und einer fetten Weißen mit Kind vorjammert, wie Frauen in solcher Situation sich wehren müssen und auf volles Verständnis bei der Weißen stößt, und diese sofort für sie drei Knarren kauft.

Das ist das Merkwürdige an diesem Film, dass – vielleicht auch durch die leicht schwerblütige Inszenierungsart von McQueen – das Thesenhafte, das ihm ein wichtiges Anliegen ist – die Szenen oft übertheatral wirken, den Figuren keinerlei Untertext abverlangt wird. Sie sollen ja lediglich eine politische These illustrieren helfen. Vielleicht war das McQueen durchaus bewusst, weshalb er die Tonspur am liebsten zum Treiben benutzt.

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