Augen im Hut.

Das charakterisiert den Herrscher der Eiswelt, ein opernhafter Schneemann mit Karottennase: die Augen im Zylinder und eine pinguin-pantomimenhafte Gestik mit seinen schwarzen Scherenschnitthänden, die ihr Echo in seinem Assistenten, einem eloquenten, stilisierten Pinguin finden. Arktos heißt er und möchte alle Drachen vernichten, weil deren Feuer eine für ihn gefährliche Waffe ist.

Dieser Film in der Regie von Sven Unterwaldt Jr. (Schatz, nimm Du sie, Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft) nach dem Drehbuch von mindestens 8 Drehbuchköchen, die zum Verderbnis des Breis, zu einer umstandskrämerischen Erzählung angestellt worden sind. Nach der ursprünglichen Idee von Peter Maffay ist eine Mischung aus Kleinkinderanimationsfilm und der Ambition einer großen Oper oder eines großen Rockmusicals geworden.

Der Film fängt nicht wie ein Märchen an, nicht in der Art von „Es war einmal“, eher librettohaft gibt es eine Exposition in wenigen Sätzen über die beiden Reiche, das Eisland und das Grünland. Dieses wird in den kräftigsten Farben, fast wie ein stilisiertes Opernbühnenbild geschildert. Wie überhaupt sowohl von Inszenierung und Story her das Schablonenenhafte einer Oper auffällt, auch die Zeichnung der Figuren.

Es geht um das Überleben des letzten Drachens „Tabaluga“. Alle anderen wurden von Arktos in Eis eingefroren. Das Ei mit Tabaluga drin wird gerettet und vom Raben Kolk in wenigen Sekunden ausgebrütet und Tabaluga ist auf der Welt. Leidet aber aus nicht näheren eruierbaren Gründen an Minderwertigkeitsgefühlen, er sei kein richtiger Drache (woher weiß er, was ein richtiger Drache ist, da es doch keinen außer ihm mehr gibt), könne kein Feuer speien und nicht fliegen; wie ihm sowieso die Artgenossen, die ein Wesen zum Aufwachsen braucht, abgehen.

Er wird umgeben von einem Maikäferchen, einem Eisbären mit Clownsnase und von Eisprinzessin Lilli. Sie erzählt ihm, sein Feuer könne er im Eisland holen. Das ist eine Falle. Aus ihr wird Tabaluga gerade so entkommen.

Dann entdecken die beiden ungleichen Wesen Lili und Tabluga die Liebe zueinander, auch das mehr ein Symbol für die Liebe schlechthin als konkret nachvollziehbar – ein Song besingt das Glück, die Leinwand färbt sich herzrot, der Akt geht zu Ende.

Im letzten Akt rumort es gewaltig im Eisland. Arktos tobt, dass der Drache entkommen sei. Er verbreitet die Mär, dieser habe Lilli entführt und schickt seine entindividualisierte Eisbärenarmee. Diese hat auch die Funktion eines Operchores. Eine solche übernehmen situationsgebunden auch andere Tiere.

Eine weissagerische Wasserschnecke weist Tabaluga darauf hin, dass er sein Feuer selber finden müsse, dass er damit auch sich selber findet. So ist er motiviert für den entscheidenden Kampf mit Arktos, den er mit seinen Freunden und seiner Liebe gewinnen wird.

Die deutsche Sprachbearbeitung ist kein Hörvergnügen. Es sind Profistimmen, teils arg chargiert. Aber sie bleiben opernhaft steril oder trauen sich nicht, den Opernduktus der Angelegenheit voll auszuspielen. So bleibt es etwas Halbes. Besser wäre gewesen, man hätte sich getraut, begeisterte Laien zu gewinnen, um der leicht angestaubt wirkenden Chose Frische zu verleihen.

Das Drehbuch scheint, bis auf den Grundriss der Reise zur Selbstfindung, eine aus dem riesigen Tabaluga-Arsenal unter Zuhilfenahme des Zusfallsprinzipes zusammengeschustertes Potpourri.

Für eine gewise Alterklasse von Buben gibt es ein paar erfolgssichere Slapstickeinlagen. Am Schluss wird die Freundschaft besungen, um die es offenbar gegangen ist.

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