Ein deutscher Themenfilm

zum Thema Konsum und wie viel braucht der Mensch.

Drehbuch und Regie stammen von Florian David Fitz. Wäre er doch noch einmal oder zweimal übers Drehbuch gegangen oder hätte es einem kritischen Geist vorgelegt. Wie viel mehr wäre zu gewinnen gewesen, sind doch er (als Paul) und sein Mitprotagonist Matthias Schweighöfer (als Toni) nicht nur begabt, sondern durchaus auch attraktiv auf der Leinwand.

Die beiden Stars geben sich mit billig zufrieden: dem überwiegend angepeilten weiblichen Publikum machen sie schon vom Filmplakat herab Nacktavancen. Und im Film noch mehr. Dabei halten sie – da kommt ihre Kaffeekränzchenmoral zum Tragen – immer ihre Hände vors Gemächt. Das erinnert an Nudistenzeitschriften in der alten Bundesepublik: da waren über die Geschlechtsteile in den Auslagen gerne die Preisetiketts geklebt. Damals nannte man das Schund. Sind solche Maröttchen ein Hinweis auf ein Revival des 50er-Jahre-Käseglocken-Kinos? Jungstars à la recherche du temps de l‘ Oma?

Auch Fitzchens Drehbuchrezept ist bescheiden zu nennen. Hauptsächlich scheint er unter Drehbuchschreiben zu verstehen: Witze aneinanderreihen , die in verschiedene Szenen aufgelöst werden (die eigenen Penisse als notorische Witzmagnete).

Ein dünner Plot wird anskizziert. Paul und Toni betreiben ein Start-up. Sie haben die App „Anna“ entwickelt. Sie schließen eine Wettbewerb (das wird nicht sauber nachvollziehbar eingeführt), wer es 100 Tage aushalte mit nichts am ersten Tag, also: leerer Raum, nichts anzuziehen und nichts zu essen. Jeden Tag darf nur ein Ding, ein Gegenstand dazukommen. 100 Dinge also bis zum hundertsten Tag.

Richtig ausgetüftelt wurde die Idee nicht. Immerhin machen sie dankenswerter Weise bald schon Sprünge, vergessen das Zählen, das fällt ihnen bei Tag 99 wieder ein.

Fitz merkt, dass 100 Tage lang Witze erfinden, nicht tragfähig ist, so mixt er denn, je länger und müder der Film wird, noch einige Melo-Stellen darunter, ein paar Schnipsel vorgeblich ernsthafter Gespräche (über das Glück oder das Loch in der Seele und über das Hase/Igel-Prinzip in der Freundschaft), es muss etwas fürs Gemüt in den Witzchenfilm.

Das macht er so locker, als ob er das aus einer Tube Mayonnaise ohne weitere Gedanken ins Drehbuch drückt. Und schon ist wieder ein Film fertig, den über Deutschland hinaus kaum jemanden interessieren dürfte, weil er am Elementaren des Kinos, dem Drehbuch oder der Geschichte, die erzählt werden soll, notleidend ist.

Die Macher setzen auf falsche Energien: mordsviel Energie investieren sie in hart-zackig-schnelle Schnitte von grellen Situationen und in den Ehrgeiz, Schnellsprechvirtuosität zu entwickeln, sie produzieren selbstbewusst die Energie aus ihrem schauspielerischen Karrierehoch, statt diese und das Temperament in den Charakter und den sich daraus entwickelnden Konflikten zu suchen, die eine schlüssige und weit über den Sprachraum hinaus auf Interesse stoßende Geschichte ergeben könnten.

Für die Witzchenteile wirken die beiden Protagonisten inzwischen deutlich zu alt. Bei der krankhaft kettenrauchenden Hannelore Elsner, die Pauls Mutter spielt (als ob sie diejenige von Rudolph Mooshammer wäre), gibt es pausenlos Anschlussprobleme mit der Länge der Zigarettenkippen, was, wenn die Geschichte gut wäre, nicht weiter ins Gewicht fallen täte.

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