In freundlichem Lichte.

Kein radikal-fundamentaler Einblick in die Welt des Tanzes, aber für Aficionados zeigt dieser Film plastisch die Schattierungen, Hell- und Dunkelseiten des Tanzglanzes.

Es geht um das Abschiednehmen von Karrieren, die den physiologischen Grenzen der Tänzer und Tänzerinnen geschuldet sind; kein Mensch kann ein Leben lang Hochleistungssport treiben. Ein solcher ist der Tanz. Er verlangt radikale Hingabe, lässt kaum Zeit, sich Gedanken über das Darnach zu machen. Mit 40 spätestens kommt generell der Zeitpunkt des Abschiedes.

Florian und Jörg Richter haben sich in ihrem tanzfreundlichen Essay (Redaktion ORF: Karin Veitl, Redaktion BR: Armin Kratzert), einige noch aktive oder ehemalige Spitzentänzer vor allem der Wiener und der Münchner Staatsoper vorgeknöpft.

Vom jungen Talent, das seine Jugendenergie zu 100 Prozent in den Tanz investiert bis zum ehemaligen Spitzentänzer, der eine Ballettschule gegründet hat, ein anderer arbeitet längst als Physiotherapeut für Tänzer.

Dazwischen ein aktiver Tänzer, der bereits Choreographien entwickelt und sich so eine Karriere nach dem aktiven Tanz absichert oder eine Tänzerin, die nebenher noch Abitur gemacht hat und inzwischen Senioranalystin bei einer alternativen Investmentfirma ist. Oder eine der wenigen Glücklichen, die eine staatliche Pension erhält.

Einen Tänzer begleiten sie bei seinem letzten aktiven Auftritt. Der weiß noch nicht, was morgen sein wird. Er ist zuversichtlich, in den Nebengefilden von Tanz und Theater Beschäftigung zu finden und seine Erfahrung einzubringen.

Themen wie Tanz und Hochleistungssport, Tanz und Radikalität, Tanz und Familie, Tanz und Arbeitsbedingungen, Tanz und Verletzungsgefahr, Tanz und Schmerz kommen in den Porträts zur Sprache.

In mildem Lichte werden Einblicke in einige Tänzer- und Tänzerinnenschicksale gegeben. So schlimme Sachen wie in Bolschoi-Babylon werden nicht gezeigt. Es gäbe sicher auch tristere Stories zu erzählen, von ehemaligen Tänzern, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie wenig Begabten Ballettunterricht erteilen oder die als Sozialfälle enden. Im trüben November sind solche Geschichten, die garantiert zu finden wären, eher weniger gefragt.

Zwischendrin gibt es Ausschnitte aus modernen und klassischen Tanzchoreographien und Hinter-den-Kulissen-Impressionen.

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