Die unglaubliche Reise des Fakirs

Ein Film, dem man mit einem ganzen Strauß von Kategorien versehen könnte:

Präventiv-Movie, Road-Movie, Migrations-Movie, Indien-Europa-Movie, Fantasy-Movie, Liebesfilm, Kinotraumfilm, Emanzipationsfilm, Ikea-Werbefilm, Menschenrechtsfilm, Biopic und und und.

Die Ausgangslage ist die Überlegung, dass alle Menschen gleich geboren sind und alle gleiche Chancen haben sollen; dass aber vom ersten Moment an nach der Geburt die Verhältnisse anfangen, sich zu unterscheiden in privilegiertere und weniger privilegierte; so weit der Input eines Menschenrechtsfilmes.

Der Film ist aber auch ein Biopic von Aja (Dhanush), so weit er sein Leben erzählt. Das tut er in der Rahmenhandlung. Hier will er drei Jugendlichen, die eben zu vier Jahren Knast verdonnert worden sind, seine unglaubliche Geschichte erzählen, das macht er im Sinne eines Präventivfilmes mit der Moral, lieber lernen und zur Schule gehen als in den Knast, auch im Sinne eines Aufmunterungsfilmes.

Er erzählt von seinem Leben als Kind auf der Straße, der nicht weiß wer sein Vater ist (könnte so weit auch ein Waisenknabenfilm sein) und der von Paris träumt. Das hat er schnell kapiert, dass er dafür Geld braucht. Mit Freunden spielt er auf der Straße Fakir und Magier. Mit der Zeit wird das Nebengeschäft, nämlich die Taschendiebstähle während der Vorführungen, deutlich einträglicher.

Nach dem Tod seiner Mutter will er aussteigen (also auch ein Aussteigerfilm) und nach Paris fliegen. Das tut er mit einem gefälschten Pass, einem gefälschten 100-Euro-Schein und der Asche seiner Mutter, die in Paris begraben werden wollte.

Seine Träume von Paris wurden von einem Ikea-Katalog (die Firma heißt im Film aber anders) angestachelt. So geht er in Paris als erstes in dieses Möbelhaus, das wird sehr breit gezeigt, also auch ein Ikea-Werbefilm.

Hier lernt er Marie (Erin Moriarty) kennen, daraus wird der Anteil Liebesfilm.

Und da deren Mitbewohnerin Rose (Sarah-Jeanne Labrosse) vom Lesbentum träumt, ist es selbstverständlich auch ein LGBT-Movie.

Durch unglückliche Umstände gerät Aja allerdings wieder en route und hat es auf dem Weg nach England mit illegalen Migranten zu tun, womit auch der Anspruch eines Migrationsfilmes erfüllt wird. Dieses Thema wird ihn noch über Spanien, Rom, Libyen verfolgen.

In Rom trifft er auf die Schauspielerin Nelly (Bérénice Bejo), die in ihm den Autoren entdeckt, womit auch das Genre Hollywood-Traum-Movie bedient wäre.

Und da Aja ständig unterwegs ist, ist es selbstverständlich auch ein Road-Movie, wobei einige Fortbewegungsmittel auch dem Fantasy-Genre zugerechnet werden dürften.

Schließlichen kommen Tänze und Singen vor, womit auch vom Musical-Film was abgeschnitten worden wäre.

Ken Scott (Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft) hat diese charmante Mixtur an Inhalten und Arten nach dem Drehbuch von Luc Bossi, Jon Goldman + 3 nach dem Roman von Romain Puértolas wie eine Buchillustration schön der Reihe nach verfilmt, mit den Zwischenschnitten nach Indien und Rückblenden auf Ajas Kindheit.

In der Erzählung selbst nennt Aja seine Geschichte außerdem: eine Tragödie.

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