Sieben Stunden (ARD, Mittwoch, 28. November 2018, 20.15 Uhr)

Knastdilettantentruppe.

In welch dilettantische Knasttruppe sind wir hier geraten. Da kann die Gefängnispsychologin Hanna Rautenberg (Bibiana Beglau) sieben Stunden vom unheilbaren Sexualtäter Peter Petrowski (Till Firit) vergewaltigt werden – und keiner greift ein.

Es gibt zwar Telefonate und ganz tänzerisch rückt eine SEK-Einheit an. Aber Peter darf Hanna antun, was er will. Das sieht der Zuschauer nicht direkt. Peter malt Strichmännchen an die Wand oder ein Richter liest vor.

Generell ist die Brutalität der Vergewaltigung vom psychologischen Gutachter (Christian Heiner Wolf) in einem der wenigen souveränen Auftritte in diesem Melodram von Christian Görlitz zu erfahren. Görlitz, der Grimmepreisträger, möchte hier wohl die Grimmequalitäten vergessen lassen, er hat mit Pim Richter auch das Drehbuch geschrieben, „frei“ nach dem Buch „Sieben Stunden im April“ von Susanne Preusker.

„Frei“ das heißt, dass der Film nur so strotzt vor Unplausibilitäten. Erst spielen die Knastis in ihrer Therapiestunde und die Gurkentruppe von Knastleitung schauspielerisch dermaßen aufgekratzt, dass man glaubt, sie haben eine Extragage erhalten (der Grund dürfte der sein, eine emotionale Fallhöhe zu konstruieren).

Dann kann der Film empirisch überhaupt nicht nachvollziehbar machen, dass die Geiselnahme 7 Stunden gedauert haben soll. Sie ist zeitlich durch die fragmentarisch-hektische Erzählweise nicht plausibel und somit auch nicht das Martyrium des Opfers. So ist auch Empathie nicht möglich. Die posttraumatischen Anfälle des Opfers – die Geiselnahme ist vor Mitte des Filmes beendet – wirken theatral gewollt oder kleinmädchenhaft aus dem Schauspielerärmel geschüttelt, theoretisch ist damit ablesbar, was gemeint ist.

Ebenso irritierend ist, dass das Opfer nach der Befreiung und Behandlung im Krankenhaus zu Hause noch das Wasser in der Badewanne blutrot färbt. Hier ist offenbar nicht nur der Knast ein Dilettantenhaufen, das Krankenhaus muss ein ebensolcher sein, eine Patientin in dem Zustand zu entlassen.

Auch die Besetzung der Figuren scheint konfus genug passiert zu sein (Daniela Tolkien handelte offenbar aus einem Missverständnis des Buches und des darin wirkenden Dilettantismus).

Thomas Loibl als Stephan hat nicht die Bandbreite, die die rasend schnelle Hochzeit nach der Vergewaltigung aushalten müsste. Er scheint mehr auf Zuckerwatten-Balsam abonniert. Die Psychologin, die ihrerseits wiederum das Psychologinnenopfer betreut, ist schon von den dämlichen Texten her kaum zu spielen, aber auch die Besetzung gibt die Psychologin gar nicht erst her, noch weniger in der völlig zusammenhangslosen Szene bei der Einfahrt in ein Einkaufszentrum, wobei die Handlung nie einen Einkauf als nötig erscheinen lässt.

Und offenbar hat, das ist die späte Einsicht, auch die Psychologin selbst einen gravierenden Fehler gemacht, wie sie bei der Durchsicht von Gruppentherapiestunden auf DVD selber feststellt. Sie wird teuer für ihre Naivität bezahlen. Naive sollten keine Psychologen werden, schon gar nicht im Knast, das ist vielleicht die Moral von der Geschichte und die zweite: und sich nicht in einem schlecht überwachten Kanst, der von lauter Flaschen geführt wird, anstellen lassen.

Vielleicht sollte in der Fernsehredaktion mal ein Revirement stattfinden, es sind immer die gleichen Namen, die verantwortlich seien, egal was das Fernsehen absondert, die scheinen einfach alles abzusegnen.

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