Früher oder später (BR, Mittwoch, 28. November 2018, 22.45 Uhr)

Der Film hat beim Nachwuchspreis „First Steps“ den „No Fear Award“ für den Produzenten gewonnen, für die logistische Leistung, die hinter dem Film gestanden habe, drei Jahre lang in einem aussterbenden Dorf zu filmen. Der Preis sagt also nichts aus über die Qualität dieses Dokumentarfilmes von Pauline Roennenberg, die mit Britta Schwem auch das Drehbuch geschrieben hat. Der Preis ist offenbar ein Logistikpreis. Man sollte einen solchen direkt fest verankern in der schwindligen Filmpreiswelt.

Der Film selbst ist ein Zusammenschnitt verschiedenster Impressionen aus dem Dorf; Hauptakteure sind ein Bauerneherpaar, die auch als Bestatter arbeiten und eine Veganer-Kommune, die ein Hotel gekauft hat. Die Bestatterei ermöglicht verschiedene Abdankungsaufnahmen, Aushub eines Grabes, Ministranten, Leichenschmaus, wild zusammengewürfelt und mit einer Gerd-Baumann-Versöhnlich-Stimm-Musiksauce übergossen.

Die Manier ist die eines aufdringlichen Dokumäuschens, etwas verschusselt und zerfleddert, vielleicht mit eher unklarer, unausgereifter Doku-Haltung oder im Sinne, „holt Euch attraktive Motive“. Der Film ist eine Koproduktion von HFF und BR. Man fragt sich, was die wohl an dieser Hochschule über Dokumentation lernen.

Es heißt zwar, Schönsee, das ist der Name des Bauernortes, stirbt – aber so einen aussterbenden Eindruck stellt der Film gar nicht her; da ist das Stadtauge zu begeistert vom Land.

Innerhalb des geschützten Biotopes einer Filmausbildungsstätte mag so ein Film viele aufmunternde Komplimente verdienen, grad weil er weit entfernt von einer ausgereiften Dokuhaltung ist. Aber ein zwangsfinanziertes öffentlich-rechtliches Fernsehen sollte die Finger davon lassen. Filmausbildung hat zulasten des Steuerbudgets zu gehen und darf nicht aus dem unfair finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkkuchen bezahlt werden, der zu Lasten einkommensschwacher Haushalte geht, obwohl es sich doch bei diesem öffentlich-rechtlichen Rundfunk um ein demokratisches Gemeinschaftswerk handeln sollte. Darüber könnten gedankenreiche Studenten mal einen Film machen.

Den Doku-Beginners ist dringend zu empfehlen, Frederik Wiseman zu studieren, zuletzt im Kino mit Ex Libris – Die New York Public Library.

Schlimmer als der Film ist der Hype, den manche Leute drumherum machen; das ist den Begabungen der Studentinnen gegenüber ziemlich fies.
Der FFF-Förderpreis Dokumentarfilm am DOK.fest München (Jury: Barbara Bauer, Margrit Schreiber-Brunner, Georg Tschurtschenthaler).

Man müsste die Leute rügen, die solchen Filmen Preise verleihen oder sie ins Fernsehen bringen, hier sind es vom BR Natalie Lambsdorff, Mathias Lebrand und Carlos Gerstenhauer.

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