Lebenslinien: Michael Schanze – Heut hätt‘ ich Zeit für mich (BR, Montag, 26. November 2018, 22.00 Uhr)

Dem Plot „Leben des Michael Schanze“ fehlt es nicht an aufregenden Wendungen und Höhepunkten.

In geborgener Familie am Starnberger See aufgewachsen. Der Vater ist der Held des älteren Sohnes Michael; Vater stammt aus einer Linie von Selbstmordverwandten; ist beim BR Orchesterleiter, nimmt sich das Leben, wie Michael zehn ist. Ein diffiziles Alter. Einsamkeit im Internat. Dann kümmert er sich um den kranken jüngeren Bruder. Die Familie wird in Starnberg gemobbt wegen dem Selbstmördervater (eine Todsünde von der Kirche aus gesehen). Mit 16 gründet Michael eine Band. Raketenhafter Aufstieg im Fernsehen als Schlagerstar, Showmaster und Composer. Wunsch nach Gründung der perfekten Familie; das wird es für die Gazetten. Innerlich zerbröselt die Familie wegen dem Showleben. Dann plötzlich ohne Not Rückzug aus dem Showbusiness. Jetzt Theaterschauspieler und Komponist von Musicals, mit neuer Lebensgefährtin.

Aber muss so ein aufregendes und vielseitiges Leben wieder (Regie: Christoph Simon, Redaktion: Sonja Hachenberger) so betulich und im eigenen Fernsehsaft köchelnd, nostalgisch, zubereitet werden?

Braucht es dazu wieder diese unsäglichen Ortsbegehungen von Wirkstätten, Schule, Steg am Starnberger See, muss dazu die Band von vor 50 Jahren nochmal zusammenkommen?

Wäre es nicht spannender, mehr nachzufragen, wenigstens einen Kommentar zur minutiösen Sammlung seiner sämtlichen Sendungen auf Video im Keller oder wie das mit der eigenen Vorzeigefamilie war? Das Verhältnis des Stars zu seinem flüchtigen „Fernseh-Werk“, das er alles in Kassetten peinlich säuberlich im Keller sammelt?

Michael Schanze verlangt einem Respekt ab, indem er diese Lebenslinien, ganz offensichtlich nicht fürs „Branding“ nutzt. Aber gerade daraus hätten die Fernsehmacher doch viel mehr machen können, dem Menschen ernsthaft nachspüren.

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