Night School

Ein Beitrag zu einem ernsten Problem in unseren sich immer mehr spaltenden Gesellschaften, die zunehmend, sowohl in den USA als auch bei uns, in Arm und Reich auseinanderdriften und wo sich die Bildungschancen für die unteren Schichten verkleinern.

Ein Mittel dagegen können Abendkurse sein, kann die Abendschule sein. Dieses Problems nimmt sich in seinem neuen Film Kevin Hart an, der mit mehreren anderen das Drehbuch geschrieben hat und in der Regie von Malcolm D. Lee auch die Hauptrolle des Teddy Walker spielt.

Teddy ist ein Looser-Typ, der über die Abendschule aus seiner Welt aus Vorgemache und Lügengespinsten und auch aus der Abhängigkeit von seiner erfolgreichen Freundin Lisa (Megalyn Echikunwoke) sich zu befreien sucht (allein, ihm sind die Lernbegabungen nicht haufenweise mitgegeben).

Die Methode der Erzählung ist sitcomhaft. Diese beherrschen das Team und das Ensemble aus dem Effeff. Das fällt einem extrem auf, wenn man aus dem Kinosaal kommt und dann laufen im Kinofoyer Ausschnitte aus dem deutschen Film „Der Vorname“. Wie viel steifer doch bei uns Kino gemacht wird. Und mit welchem Temperament und auch welcher Herzlichkeit (die entsprechendes Zuschlagen nicht ausschließt) die Amis das machen. Wie sie gezielt mit Übertreibungen arbeiten, mal lustiger, mal weniger lustig, mal anspruchsvoller, mal weniger.

Wie sie aber auch ein viel pointierteres Auge für das Zusammenstellen eines Castes haben, hier besonders die Klasse, mit der Teddy seinen Schulabschluss nachholen möchte.

Zur Comedy gehört spezielle Würze. Die liefert ein Nebenschauplatz, das ist „Christian Chicken“, ein christlicher Schnellimbiss. Wird selbstverständlich alles verarscht.

Nach all den Irrungen und Wirrungen seines Weiterbildungsversuches wird Teddy eine Rede halten, die nicht zu weit entfernt ist von einem christlichen Bekenntnis, er outet öffentlich seine Lügereien, mit denen er sich bislang wichtig machen wollte. Insofern auch ein Katharsisfilm.

Als Gegenpol zu solcher Reinheit bedarf es wiederum des Schamhaar-Gags in einem Restaurant. Teddy fummelt einige von den seinigen auf ein Stück Nachtisch, um sich zu beschweren. Woraufhin der Restaurantchef den Kellner feuert und für die Rechnung, die Teddy für den ganzen Tisch nie hätte bezahlen können, aufkommt.

Die Sitcomlogik fordert zwingend, dass Teddy dem Kellner wieder begegnet. Der will sich nach seinem Rausschmiß nämlich auch auf der Abendschule weiterbilden lassen.

Sitcom heißt nicht, Charaktere entwickeln, Probleme step by step und nachvollziehbar lösen, Sitcom heißt, sich auf Extremsituationen im Zusammenhang mit so einer Weiterbildung drauf setzen und weißgottnichtwas alles noch drauf zu tun. Für einen Lacher gehen wir auch über eine Leiche.

Heißt aber auch, dass nie Bösartigkeit aufkommt, dass die Gemeinsamkeit des Sichlustigmachens wichtiger ist, auch wichtiger als alle Handlungslogik (augenzwinkernd sind wir doch alle Lebensdilettanten). Was aber wiederum die Grenzen des Erfolges schnell eingrenzen kann, je sorgloser damit umgegangen wird. Wobei gerade diese Sorglosigkeit an plotmäßiger Dreistigkeit, je mehr sie auf die Spitze getrieben wird, zusätzliche Attraktivität verleihen kann. Hier sind wir irgendwo im besseren Mittelfeld.

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