Juliet Naked

Aus dem Nähkästchen.

Wenn Künstler Filme über das Künstlertum machen. Agnes Jaoui in Frankreich kann das fabelhaft, das hat sie jüngst mit Champagner & Macarons bewiesen.

Hier verfilmt der gut im Fernsehen beschäftigte Jesse Peretz ein Drehbuch von Evgenia Peretz (Our Idiot Brother) und von Jim Taylor (Downsizing); die wiederum hatten einen Roman des Erfolgsautors Nick Hornby zur Vorlage. Von Nick Hornby wiederum wird ein Buch nach dem anderen verfilmt (About a Boy, Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten, A Long Way Down, High Fidelity).

Hier interessiert die Filmemacher am Künstlertum einerseits das Fantum, andererseits Privatleben und Schaffenskrise eines Rockstars. Und führt die beiden Seiten zusammen.

Duncan (Chris O‘ Dowd) ist Fan von Tucker Crowe (Ethan Hawke). Duncan betreibt einen Internetkanal, in welchem ein kleiner Kreis männlicher Fans sich über ihren Star austauscht und vor allem Mutmaßungen darüber anstellt, was mit ihm geschehen sei, denn von ihm wurde jahrelang nichts mehr gehört, sind keine neuen Songs erschienen. Der letzte Song von Tucker war über eine Juliet.

Duncan lebt im britischen Küstenstädchen Sandcliff. Er ist liiert mit Annie (Rose Byrne). Diese arbeitet im Rathaus und kuratiert gerade eine Ausstellung über Sandcliff im Jahre 1984. Auch das ein Hinweis auf die diesem Film innewohnende Nostalgie. Diese gilt auch im Hinblick auf Musik, auf Sehnsucht nach früheren Zeiten der Rockmusik, so wie Tucker einer der Vertreter war.

Eines Tages meldet Tucker sich bei Duncan. Die Nachricht gerät an Annie, die für gewöhnlich Duncans Post öffnet. Das sind Informationen für den Zuschauer, die alltagsnah geschildert werden, so wie auch das Einkaufen, Kochen, Szenen zuhause oder bei der Arbeit im Rathaus oder auch, wie Annie ein per Post zugeschicktes neues Kleid probiert (selbstverständlich geschmacklos), das Problem leerer Batterien oder ein in eine konservierende Flüssigkeit eingelegtes Haifischauge.

Der Film schmiegt sich kuschelig an den Provinzalltag an, will für den Zuschauer augenzwinkernd eine vertraute Wohligkeit herstellen. Auch Künstler sind gar nicht so anders.

Wobei die Familienverhältnisse von Tucker unübersichtlich sind, so viele Frauen, so viele Kinder. Ein Töchterchen wohnt in London. Die besucht er, weil sie schwanger ist. Er überquert den Atlanktik und erleidet in London einen Herzinfarkt, was Spitalszenen zur Folge hat.

So treffen die Welten zusammen, Fanwelt und Künstlerwelt und verwickeln sich in London und Sandcliff ineinander. Und sind doch gar nicht so verschieden.

Die Schauspieler spielen engagiert enthusiastisch auf, allen voran Rose Byrne, die viel über ihre rege Gesichtsmimik mitteilt und damit auch die anderen Darsteller ansteckt. Was auch wiederum zu einem heimeligen Gruppengefühl beiträgt. Ganz so weit, wie die Drehbuchautoren mit der Bewertung der neuen Platte von Tucker gehen, würde ich meine Bewertung des Filmes nicht treiben: „süßliche, blutleere Nichtigkeit“.

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