Das Gedächtnis ist eine identitätsstiftende Angelegenheit.

In diesem Film von Mark Palansky, der mit Mike Vukadinovich auch das Drehbuch geschrieben hat, geht es nicht um das kollektive Gedächtnis, das in Archiven aufbewahrt und in Museen und Instituten gepflegt wird, hier geht es um das individuelle Gedächtnis und zwar weit über das hinaus, was jemand in Fotoalben, auf Video oder in Texten festgehalten hat.

Wobei das Kino ein idealer Ort für eine Art des Gedächtnisses ist – und also auch für einen Film, der von dem Thema handelt. Es geht um das totale Gedächtnis eines Menschen, um „die reine, ungefilterte Wahrheit“.

Das glaubt Gordon Dunn (Martin Donovan) entwickelt zu haben. Das ist ein Gerät ähnlich wie ein Laptop. Dazu gibt es eine Art Chip. Der ist wie ein Stück Glasscheibe, so durchsichtig und oben am undurchsichtigen Haltegriff ist der Name eingraviert, dessen Gedächtnis hier gespeichert und über die Maschie ablesbar ist. Dazu bedarf es eines speziell entwickelten Kopfhörers.

Gordon betreibt das als Geschäft mit der Firma Cortex. Die wird am Schluss den Rememory 2.0 „launchen“. Bis dahin ist Gordon Dunn allerdings tot. Sein Tod ein Rätsel. Er ist keines natürlichen Todes gestorben. Es gibt zwar Einschüsse an der Wand seines eleganten und geräumigen Büros. Aber an der Leiche finden sich keine Spuren. Das Musterexemplar der Gedächtnismaschine, die der Schlüssel zu allem sein könnte, also auch zur Rekonstruktion der Tat, ist verschwunden.

Die Polizei ist überfordert und zeigt wenig Interesse.

Es gibt aber verschiedene Individuen, die aus verschiedenen Gründen hinter dem Apparat her sind, sei es aus enttäuschter Liebe oder weil Gordon individuelle Gedächtnisausschnitte für seine großen, öffentlichen Präsentationen missbraucht hat oder von Seiten weiterer „troubled“ people.

Palansky nutzt diesen Kriminalfall anhand der üblichen Puzzlearbeit speziell von Sam Bloom, der als persönlich Betroffener die detektivische Fleißarbeit mit den Puzzleteilen aus Gedächtnis-Chips erledigt, um die Idee eines totalen Gedächtnisses zu ventilieren, was ist der Mensch anderes, als die Summe der Erinnerungen, und was ist mit Erinnerungen, die wir vergessen haben, ohne dies allerdings radikalphilosophisch zu vertiefen. Wobei die Frage nicht angeschnitten wird, wie weit eine ständige Totalpräsenz aller Erinnerungen den Menschen noch lebensfähig macht oder ob dazu nicht eben partielle Gedächtnisverluste absolut nötig sind.

Die Erinnerung ist, das behaupten manche Bildfolgen, nichts als ein wüster Haufen von willkürlich (oder scheinbar willkürlich) aneinandergeschnittener Bilder und Szenen.

Sam hat selbst ein tragisches Erlebnis mit seinem Bruder Dash (Matt Ellis) zu verarbeiten. Involviert ist Wendy (Evelyne Brochu), die Geliebte von Dunn, seine Ehefrau Carolyn (Julia Ormond) und noch eine weitere, posthume Rolle von Anton Yelchin als Schweißer Todd.

Mit diesem exzellenten Ensemble und aus all den anderen Parametern mixt Palansky einen anregenden und packenden SciFi-Mystery-Memory-Thriller und dem entsprechend verhalten unterlegten Sound.

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