„Könntest Du mir mal einen kleinen Gefallen tun?“ – die Frage ist hinterhältig, weil sie nicht offenlegt, worum es geht und weil man schlecht „einen kleinen Gefallen“ abschlagen kann.

Wie hinterhältig das sein kann, schildert Paul Feig nach dem Drehbuch von Jessica Schwarzer nach dem Erstlingsroman der Vorschullehrerin aus Chicago, Darcey Bell.

Feig inszeniert das Dialogstück in schwindelerregendem Tempo, dass man ganz schnell Zweifel am Rätsel Mensch bekommen kann, was ist der Mensch und wo ist ihm überhaupt zu glauben?

Wie rasant er inszenieren kann, hat Feig schon bei Brautalarm oder bei Spy – Susan Cooper Undercover bewiesen.

Feigs Protagonistin Stephanie Smothers (Anna Kendrick mit ihrer bewährt distanzierend-zackigen Mimik) ist auch so jemand, die niemandem einen Gefallen abschlagen kann. Sie betreibt den Video-Blog „Hi, Moms! With Stephanie“. Sie nimmt ihre Beiträge zuhause am Küchentisch auf, so simpel wie es geht. Sie spricht ihre Zuschauerinnen immer mit „Hi Moms“ an.

Sie selbst ist Witwe (dazu gibt es Geschichten, die diesen an sich bemitleidenswerten Befund in ein anderes Licht tauchen) und sie hat ihren kleinen Buben Miles (Joshua Satine). In der Schule freundet dieser sich mit Nicky (Ian Ho) an, zwei frische, muntere Buben.

Die Mutter von Nicky stammt aus einer anderen Welt. Emily (Blake Lively) ist Werbedirektorin bei der Dennis Nylon Holding. Sie ist eine extravagante Frau, wohnt mit Sean in einem mondän-feudalen Bungalow, mehr Design, weniger Geschmack. Er sei ein Bestseller-Autor, der vor Jahren einen Bestseller geschrieben hat und seither nichts mehr.

Sie habe sich, derlei Dinge und mehr sind zu erfahren, nachdem sich Emily und Stephanie über die Kinder angefreundet haben, richtiggehend an den Erfolgsautor herangemacht.

Es gibt Rückblendeszenen, wie der Bub gezeugt worden sein dürfte, ganz schnell in der Flugzeug-Toilette.

Der kleine Gefallen besteht darin, ob Stephanie den kleinen Nick für ein paar Tage bei sich aufnehmen könnne, da Emily geschäftlich nach Miami verreise.

Und Emily ward nimmer gesehen.

Aus dem kleinen Gefallen entwickeln sich neue Familienkonstellationen. Es wird eine Leiche gefunden, die Emily sein muss. Aber sie ist nicht aus der Welt. Wie von einem Phantom tauchen Spuren von ihr auf. Die Menschen reden viel. Stephanie fängt das Recherchieren an.

Es ist zum Verzweifeln, was die Menschen alles erzählen und wie sie handeln, dass ein richtiger Mystery-Psycho-Thriller draus wird. Feig schildert diese Menschen und deren Behauptungen heutig und macht krass bewusst, wie wenig wir generell über unsere Mitmenschen wissen und dass unter schönen Oberflächen Unerwartetes und Schlimmeres zu finden sein kann.

Feig lässt es auch, besonders mit dem Musikeinsatz, gerne offen, ob es sich hier nun um eine Komödie oder doch um eine Tragödie, um eine Frotzelei oder um ernsthafte Seinsrecherche handelt.

Zur Frischheit trägt bestimmt auch bei, dass der Roman, der die Drehbuchvorlage lieferte, ein Erstling ist. So dass der Mensch unvoreingenommen in die Fallen tappt, die so ein kleiner Gefallen verdecken kann.

Zu dieser gefährlichen Naivität der Grundlage passt, dass Stephanie außerhalb von New York in Warfield wohnt, wo so etwas desto weniger zu erwarten wäre. Und zur Frischheit der Performance trägt sicher auch bei, dass Feig oder die Autorin in keiner Sekunde versuchen, zu psychologisieren. Dass die Texte mehr wie von einem Magier wie in einem Verwirrspiel vor unseren Augen jongliert werden.

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