Das tut weh,

wenn Leyla Hussein vor interessierten Männern und Frauen an einem weit überdimensionierten Vagina-Modell verschiedene Varianten weiblicher Beschneidung mit Schere und anderem derbem Handwerkszeugs vorführt. Da dürfte sich im Kino noch in jedem Gesicht der Abscheu, der Schmerz widerspiegeln oder manche gar nicht mehr hinschauen wollen. Wer das gesehen hat, wird nie wieder für weibliche Genitalverstümmelung sein und sie schon gar nicht seinen Kindern angedeihen lassen wollen.

Leyla Hussein ist eine von 5 Aktivistinnen, die Barbara Miller in ihrer Dokumentation, die viel Wert auf leinwandattraktive Fotografie legt, ruhig eineinandergeschnitten präsentiert in einer Art Survey über den Stand der weiblichen Emanzipation an den fünf ausgewählten Beispielen.

Deborah Feldman ist Autorin, Mutter von einem Kind. Sie ist in der streng chassidischen Gemeinde New Yorks aufgewachsen. Der Blick auf sie wirft sozusagen einen ergänzenden Blick auf den Film Menashe, der in der Gemeinde in Brooklyn gedreht worden ist, aus der Sicht einer Frau und wie sie letztlich als reine Gebärmaschine behandelt und zwangsverheiratet wird. Das ist auch auch ihr passiert. Aber sie hat sich davon befreit, ist mit Kind nach Berlin umgezogen und hat sogar das Sorgerecht für ihr Kind erstritten, obwohl die Gesetzeslage in den USA das gar nicht vorsieht.

Rokudenashiko aus Japan versteht nicht, dass im japanischen Schintoismus der Penis als überdimensioniertes Symbol verehrt und in Prozessionen durch die Straßen gezogen wird und dass dabei selbst kleine Kinder Penislutscher schlecken und dass gleichzeitig die Darstellung einer Vagina tabu und sogar gesetzlich verboten ist. Deshalb macht sie aus Vaginaabdrücken Kunst. Und kommt vor Gericht. Das Boot, das sie nach den Maßen ihrer Vagina geformt hat, wird akzeptiert, dass sie aber deren 3D-Maße ins Internet stellt, ist ein Gesetzesverstoß, eine 3D-Unzüchtigkeit. Anmerkung: In „Das große Buch des kleinen Horrors“ von Peter Vogel (Rezension geht am 11. 11. 11.11 Uhr online) ist ein japanischer Film aufgeführt, „Kiseichû: Kirâ Pusshî“, in dem ein Vaginamonster vorkommt; der Film stammt von 2004.

Doris Wagner wollte als Nonne ein gottesfürchtiges, enthaltsames Leben führen. Im Vatikan wurde sie von einem Geistlichen, der immer noch in Amt und Würde ist, vergewaltigt. Sie hat sich aus den Fängen der Kirche und ihrer abgestandenen Moral befreit, lebt heute ein selbstbestimmtes Familienleben und kämpft gegen die Verlogenheit der römischen Kirche.

Vithika Yadav in Indien sträubte sich gegen die Zwangsheirat, entschied sich für ihre Liebe, einen Piloten. Sie kämpft gegen die Missachtung der Frau als beliebiges Lust- und Vergewaltigungsobjekt in der indischen Gesellschaft mit einer Plattform im Internet, die die Themen anspricht und diskutiert.

Der Film fängt mit einer peppigen Bildmontage aus Reklamebildern mit sexy dargestellten Frauenkörpern an. Gemeinsam ist den Beiträgen, dass es es sich um Themen von globaler Bedeutung handelt, dass Frauen sich dagegen wehren, dass ihre Sexualität von Männern beherrscht wird, dass Frauen als Antithese von Spiritualität gesehen und als Eigentum betrachtet werden.

Dass Frauen auch Macht über Männer ausüben können, wird im Film „Frühes Versprechen“ zu sehen sein, der am 27. Dezember seinen deutschen Kinostart hat, über einen Mann, der von seiner Mutter nicht loskommt.

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