Der Trafikant

Eine Geschichte

unter Millionen aus der Zeit des Dritten Reiches aus Österreich.

Die Geschichte von Franz Huchel (Simon Morzé) aus dem Salzkammergut, den alle wegen seiner unverdorbenen Jugend und dem interessierten Geist nur Burschi nennen.

Seine Mutter schickt ihn vom Land, wo er gerne in ein Wasserfass untertaucht und träumt, nach Wien zum Trafikanten Otto Trsnjek (Johannes Krisch). Denn der Gönner der Mutter ist bei einem Gewitter im See ertrunken. So kann sie den Sohn nicht mehr ernähren.

In Wien wird er sich das erste Mal in ein Mädchen verlieben, in das böhmische Luder Anezka (Emma Drogunova) und auch den Dr. Sigmund Freud (Bruno Ganz) lernt er in der Trafik kennen. Der besorgt sich hier seine Zigarren. Franz ist elektrisiert von Dr. Freud und seiner Wissenschaft. Es entwickelt sich eine Freundschaft.

Nikolaus Leytner hat mit Klaus Richter das Drehbuch geschrieben und die exzellente Regie geführt, vor allem die Schauspielerregie ist hervorzuheben. Das zeigt sich allein bei Bruno Ganz, der wie eins zu eins mit dem Doktor Freud wird, von minimalen Manierismus-Relikten in den Fingern abgesehen.

Es ist die Verfilmung des Romans von Robert Seethaler.

Leytner geht in angenehmem Erzähltempo Schritt für Schritt voran, den Entwicklungen und Wegen des Protagonisten folgend, auch dieser brilliert in seiner Regie. Es scheint ein Schuss Theaterarbeit in die Filmarbeit eingegangen zu sein. So glänzen denn alle Schauspieler im Sinne der Erzählung vor einer uneitlen, handlungszentrierten Kamera, die eine dezidierte Zuschauerposition einnimmt.

Es sind schöne, ruhige Bilder. Die Erzählung erstreckt sich bis zum Anschluss Österreichs. Sigmund Freund entkommt den Nazis.

Franz will sich nicht vereinnahmen lassen. Er verarbeitet vieles von seinem Leben in Träumen. Auch die entwickeln in Leytners Inszenierung und vor der Kamera von Hermann Dunzendorfer eine eigene Dynamik.

Der Film ist zwar überwiegend als Studioproduktion erkennbar, so wie beim Theater der Bühnenrahmen erhalten bleibt, und trägt somit zur Konzentration auf die eindrückliche Geschichte bei, die ganz auf das Fundushafte, was deutschen Nazifilmen oft anhängt, verzichtet.

Wobei es vielleicht eine Konzession an den Koproduzenten Degeto ist, dass das Spinnensymbol (und auch das der Motte oder des Schmetterlings sowie das der Glasscherbe, mit der Franz Licht reflektiert) zu häufig eingesetzt wird.

Gute Frage von Freud an den gequälten Franz: Anezka oder Libido?
Von mir aus gesehen hat der Film alles für einen gepflegten Matineefilm.

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