Archiv für November 2018

Da wird man doch allein vom Schauen dieser DVD mit dem heilausstrahlenden Ayurveda-Doktor halb gesund! Siehe Review von stefe.

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Mario Götze, ein Bundesligafußballer von Weltformat, über den ein Film zu machen sich durchaus lohnt, nicht nur für den Fan – vielleicht auch unter dem Aspekt, wie Deutschland – hier am Beispiel des Fußballes – mit Sondertalenten umgeht.

Siehe Review von stefe.

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Der bildstärkste Film kommt heute von einem Katholiken aus Dänemark. Lebenskampf und -erfüllung eines Modeschöpfers. Lebensreise eine Jungen aus Indien nach Paris. Expedition in den Dschungel des Amazonas zum Lebendbeweis zweier Indigener. Verspielte Erbschaft in Paraguay. Ein Name auf einer falschen Liste mit fatalen Folgen. Das Fernsehen macht aus einer spannenden Biographie Betulichkeit, versucht sich ohne Geschick an einem Spielfilm über einen Dilettantenknast und verwechselt seinen Grundauftrag mit einem Dokuausbildungsauftrag.

Kino
THE HOUSE THAT JACK BUILT
Lars von Trier eingesperrt in die Zwangsjacke eines Kokons christlich-abendländischer Bildwelten aus dem Widerspruch zwischen dem Tier im Menschen, das töten will, und dem Lamm, das zivilisatorischen Anspruch auf Hochkultur symbolisiert.

ALEXANDER MCCQUEEN
Ist der Modeschöpfer Opfer seines Talentes und Erfolges geworden?

DIE UNGLAUBLICHE REISE DES FAKIRS
Was ein Ikea-Katalog in einem Jungen aus einem Armenviertel in Indien alles auslösen kann.

PIRIPKURA – DIE SUCHE NACH DEN LETZTEN IHRES VOLKES
Sie sind Cousins und brauchen für ihr Überleben im Amazonasdschungel nur Feuer und ein Beil.

LAS HEREDERAS – DIE ERBINNEN
Abgesang auf das Zweiklassensystem (und die Funktion der Frau darin als Erbin oder Hausangestellte) in Lateinamerika?

PEPPERMINT: ANGEL OF VENGEANCE
Ein gründlich vorbereiteter Rachefeldzug. Der Film gibt der Selbstjustiz recht.

TV
LEBENSLINIEN: MICHAEL SCHANZE – HEUTE HÄTT‘ ICH ZEIT FÜR MICH
Wie kann man so einen spannenden Lebensweg so langweilig präsentieren?

SIEBEN STUNDEN
Ein Grimmepreisträger überfordert sich mit einer Geschichte aus einem Knast, der von Knalltüten geleitet wird (Buch- wie Besetzungsproblem).

FRÜHER ODER SPÄTER
Von Fernsehgremien und Förderfunktionären gehyptes Dokumäuschen in aussterbendem Dorf.

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Nachdem Lars von Trier (Nymphomaniac Teil 1, Melancholia)
seinen Helden Jack (Matt Dillon traut sich das!) in roter Mönchskutte hat in die Hölle fallen lassen – verdient hat er es mehr als nach katholischem Glauben – schickt er ihm auf den Tonspur zynisch, spöttisch, grinsend Hit the Road Jack hinterher.

Verdient hat Jack den Fall in die Hölle, denn er ist ein durchgeknallter Psychopath und Serienmörder. Interessanterweise kein einspuriger, der immer dasselbe Vorgehen pflegt. Das zeigt, dass es Lars von Trier nicht um eine realistische Schilderung geht oder um eine Fallstudie, gar um den Versuch, verstehen zu wollen, was in so einem manischen Täter vor sich geht, was die Gründe sind.

Jack steht in ständigem Kontakt mit Verge (Bruno Ganz). Auch diese Figur ist kein realistischer Psychiater – die Berufsbezeichnung drängt sich voreilig auf wegen Ganz‘ Glanz-Rolle in Der Trafikant als Sigmund Freud. Auch hier hat sich Ganz wohltuend von seinem Manierismus in Stimme und Gestik verabschiedet und macht so einen kompetenten Eindruck.

Psychiater oder Tiefenpsychologe mag ein Aspekt der Figur Verge sein; er ist aber mehr: er ist ein Kulturventilator, der reflektiert über die Wahrheit des Foto-Negativs, über das Keulen von Krähen, über Serienmörders Putzfimmel, über die Relation von Zerfall und Reifung des Weines – jedoch geht es nicht über die Mündigkeit des Menschen, über Selbstverantwortlichkeit in diesem katholischen Weltbild, was sich an den Sünden der Menschen und an der Hölle erbaut. Nicht des Mörders Motivation interessiert, auch nicht eine allfällige Heilung. Verge erinnert Jack nur ab und an daran, dass er doch ein Haus bauen wollte.

Auf diesen Hausbau referiert der Titel des Filmes. Er ist vielleicht doppelt zu interpretieren. Einmal ganz konkret: Jack hat sich ein Grundstück an einem unverbauten See in einer leicht bergigen Landschaft ohne Nachbarn gekauft. Hier gibt es verschiedene Hausbauansätze. Aber er reißt die unfertigen Rohbauten immer wieder ein, fertig wird das Gebäude nie.

Andererseits bietet das Bauvorhaben Anlass zu architekturtheoretischen Erörterungen, die Gotik und die Statik (oder die Stabilität eines Weltbildes – Lars von Triers? – das seine Statik in der Gotik sucht).

Weiter mit der Hausbau-Idee kommt Jack mit seiner Tötkunst, da baut er sich am Schluss aus den Leichen ein kunstvolles Haus wie ein Iglu, wie ein Kathedralenportal – darüber müsste wohl stehen „Lasst alle Hoffnung fahren“ wie beim Eingang zu Dantes Inferno.

Lars von Trier wird das wortwörtlich bebildern. Wie es denn wie immer bei von Triers Bildwerk wimmelt von Anspielungen, von Zitaten und Querverweisen zur Kunst, zu seinem eigenen Werk. Er kommt mir vor wie ein Gefangener, ein abendländisch katholisch Geprägter dazu, der in einem Verlies sitzt und sein Kopf ist vollgepfropft mit der abendländisch-religiösen Ikonographie und er bemalt die Wände, die für ihn Leinwände sind, meisterlich. Er ist ein Meister in der Bildbeschaffung und deren Montage, er scheint zu platzen vor Ideen, Bildern, Einfällen, die in seinem Kopf rumtoben wie wild.

Allein, wozu benutzt Lars von Trier sein Bildwerk? Um uns zu erzählen, dass im Menschen ein Tier steckt, dass er eingesponnen sei in den Kokon jener abendländischen Bilder, die das Tier in uns zivilisieren wollen. Kunst als Kompensation? Er zitiert das Raubtier und das Lamm mehrfach.

Seinen Film hat Lars von Trier strukturiert mittels 5 Vorfällen, die innert 12 Jahren passiert seien, 5 Mordfälle, die als Ansatz eines ABCs für Mordmethoden dienen könnten, als Vorwand, ein paar Brutalitäten gezielt dem Zuschauer vor Augen zu führen.

Wie der Papa auf die eigenen Kinder schießt, die auf ungeschützter Lichtung rennen. Wie dieser Papa, der der Serientäter ist, es nicht nur auf Frauen – ohne festes Beutemuster – abgesehen hat, nein, wie auch Männer daran glauben müssen mit der speziellen Idee des full-metal-cartridge, wie er einmal fast den Fehler macht und sich verliebt und wie das Komplikationen nach sich zieht, die Blondine Simple (Riley Keough) ist aber auch zu naiv hinter ihren molligen Brüsten (und just eine davon wird er bald der Polizei unter den Scheibenwischer klemmen, das Bild bringt von Trier zweimal); wie Jack (und wohl auch von Trier) der Nervenkitzel allmählich abhanden kommt und er immer offener und direkter seine Morde begeht, bis zu dem Fall, dass er eine verpackte Leiche an einem Strick hinter seinem Auto herzieht, ein blutige Spur hinterlassend, doch ein enormer Platzregen verwischt alle Spuren. Das interpretiert Jack als ein Einsehen des Gottes, das ihn direkt gläubig machen könnte.

Wie großartig Lars von Trier inszeniert, zeigt schon der erste Vorfall. Hier hat Lady 1 (Uma Thurman) eine Panne in einem verlassenen Waldstück. Jack kommt angefahren. Er analysiert haarscharf, dass ihr Wagenheber kaputt sein. Und lässt sich von ihr um Hilfe bitten.

Um diesen Wagenheber rankt sich nun die Annäherung zwischen Opfer und Täter. Wobei lustigerweise das Opfer intutitiv selbst davon anfängt, dass es wohl riskant sei, zu einem fremden Mann in den Wagen zu steigen (er wolle sie zum Mechaniker Sonny bringen, bietet er ihr an, der den Wagenheber reparieren könne), er könnte ja ein Serienmörder sein.

Am Serienmörder ist wohl weniger der Vorgang des Tötens interessant als die Annäherung zwischen Opfer und Täter. Die Männer, die er im Gefrierraum gefangen hält, wärmt er mit Decken, damit sie das Ausrichten des Gewehres auf ihre Köpfe, durch die alle die eine Kugel gehen soll, ganz wach mitbekommen – und er ihre Angst.

Die Wagenhebergeschichte, das Teil ist natürlich rot, dehnt Lars von Trier ziemlich aus, wie er es auch bei andern Geschichten hält, bis das Gerät endlich da landet, wo es tödlich ist. Auch bei Lady 2 (Siobhan Fallon Hogan) schwätzt Jack erst als Polizist (der x Ausreden findet, warum er kein Badge dabei habe), der dann aber, da er nicht weiterkommt als Versicherungsvertreter endlos lang mit der frischen Witwe quasselt, bis sie ihn reinlässt. Da entsteht zwischenzeitlich der Eindruck von Schauspielerimprovisationsübungen, die offenbar nur der Dehnung der Spannung bis zum (in diesem Falle) Erwürgen dient.

Es ist wieder einmal eine zwiespältige Sache mit diesem Lars von Trier. Einerseits dieser Bildermeister. Allein das Bild der Überfahrt in den Hades mit Verge und Jack in der Kutte und die halbnackten Titanen aus der abendländischen Malerei, würdig einer jeden großen Gemäldesammlung.

Lars von Trier doziert einmal mehr, dass der Mensch eine Bestie ist – und dass sich das anbietet für die Herstellung übelster Bildwelten. Eine Bestie, die sich in einem Kanon hochkultureller Bilder als zivilisiert darstellen möchte. Der Künstler als der Dompteur der dem Menschen innewohnenden Bestie mittels bestialischer Bildwelten.

Der Epilog ist überschrieben mit Katabasis. Wäre von Trier weniger hochkulturell, wenn er statt „Hit the Road Jack“ den Song „Von nun an geht’s bergab“ Jack in den Ungtergrund hinterherschicken würde?

Lars von Trier steht auch wunderbar für den Widerspruch zwischen Hochkultur und der Erkenntnis, dass im Menschen ein wildes Tier, ein Tiger steckt. Und dass die Religion das mit den Begriffen Sünde und Erlösung zu meistern versucht. Ihm bleiben die elysischen Felder versperrt, so unser wütend brachialer Bildprediger. Vor fünfhundert Jahren wäre von Trier wohl Kirchenmaler geworden. Beste Gotik? Und wie wäre er zur Renaissance gestanden?

Als Zuschauer sehe ich mich nicht auf Augenhöhe ernst genommen (bei aller Bewunderung für sein Talent von Bildherstellung und Montage); eher sehe ich mich in die Position eines Psychoanalytikers gedrängt, der zu verstehen sucht, was mit so einem Menschen wie Lars von Trier los ist. Warum er offenbar zum Glücklichsein nicht geboren ist – falls er das überhaupt will. Das mit der fehlenden Augenhöhe zum Zuschauer ist auch durch den Stil seines künstlerischen Dozierens, der Kanzelpredigt über das Böse im Menschen gegeben, die immer von oben herab kommt.

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Dünner Schutz.

Sie brauchen nur ein Beil und Feuer. Und den Amazonas. Sie, das sind Pakyi und Timandua, die beiden letzten im Dschungel Überlebenden des Piripkura-Stammes.

Aber auf den Amazonas ist der Rest der Rindfleisch-vertilgenden Menschheit scharf. Und die Holzindustrie dazu. Brandrodungen. Freimachen des Landes für die Rinderzucht, für den Sojaanbau. Das nimmt Pakyi und Timandua den Lebensraum. Sie haben Massacker an ihrem Stamm überlebt. Eine Verwandte, Rita, lebt in der Panorama-Siedlung Rondonia.

Immerhin gibt es ein Gesetz in Brasilien, das Amazonas-Teile so lange unter Schutz stellt, wie Indigene dort nachzuweisen sind (falls der neue Präsident das nicht wegräumt). Ein dünner Schutz für den Regenwald, der offenbar nicht schnell genug vernichtet werden kann, unserem Teak-Möbel- und Rindfleisch-Hunger sei dank.

Jair Cando ist 1989 bei einer Funai-Expedition auf die beiden Amazonas-Ureinwohner gestoßen. Auf Grund der Gesetzeslage muss das Landnutzungsverbot alle zwei Jahre erneuert werden. Das ist nicht nur ein bürokratischer Aufwand, das geht nur, wenn die Existenz der beiden Ureinwohner in dem Gebiet nachgewiesen wird.

Dazu macht sich Jair immer wieder mit kleinen Expeditionen auf den Weg, die letzten 5 Tage müssen sie zu Fuß durch den Dschungel gehen, um Lebenszeichen von den Beiden zu finden und womöglich sie selbst. Das gelingt nicht immer.

Auf zwei solcher Expeditionen nimmt Jaire die Dokumentarfilmer Mariana Oliva, Renata Terra und Bruno Jorge mit. Der Film ist die Montage dieses Materials. Er ist somit eine gründlichere Variante, die auch tiefer hineindringt, von An den Rändern der Welt.

An so einem dünnen Faden hängt der Schutz des Amazonas. Können Sie mir bittschön sagen, wo das nächste Steak-House ist?

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Ein Film, dem man mit einem ganzen Strauß von Kategorien versehen könnte:

Präventiv-Movie, Road-Movie, Migrations-Movie, Indien-Europa-Movie, Fantasy-Movie, Liebesfilm, Kinotraumfilm, Emanzipationsfilm, Ikea-Werbefilm, Menschenrechtsfilm, Biopic und und und.

Die Ausgangslage ist die Überlegung, dass alle Menschen gleich geboren sind und alle gleiche Chancen haben sollen; dass aber vom ersten Moment an nach der Geburt die Verhältnisse anfangen, sich zu unterscheiden in privilegiertere und weniger privilegierte; so weit der Input eines Menschenrechtsfilmes.

Der Film ist aber auch ein Biopic von Aja (Dhanush), so weit er sein Leben erzählt. Das tut er in der Rahmenhandlung. Hier will er drei Jugendlichen, die eben zu vier Jahren Knast verdonnert worden sind, seine unglaubliche Geschichte erzählen, das macht er im Sinne eines Präventivfilmes mit der Moral, lieber lernen und zur Schule gehen als in den Knast, auch im Sinne eines Aufmunterungsfilmes.

Er erzählt von seinem Leben als Kind auf der Straße, der nicht weiß wer sein Vater ist (könnte so weit auch ein Waisenknabenfilm sein) und der von Paris träumt. Das hat er schnell kapiert, dass er dafür Geld braucht. Mit Freunden spielt er auf der Straße Fakir und Magier. Mit der Zeit wird das Nebengeschäft, nämlich die Taschendiebstähle während der Vorführungen, deutlich einträglicher.

Nach dem Tod seiner Mutter will er aussteigen (also auch ein Aussteigerfilm) und nach Paris fliegen. Das tut er mit einem gefälschten Pass, einem gefälschten 100-Euro-Schein und der Asche seiner Mutter, die in Paris begraben werden wollte.

Seine Träume von Paris wurden von einem Ikea-Katalog (die Firma heißt im Film aber anders) angestachelt. So geht er in Paris als erstes in dieses Möbelhaus, das wird sehr breit gezeigt, also auch ein Ikea-Werbefilm.

Hier lernt er Marie (Erin Moriarty) kennen, daraus wird der Anteil Liebesfilm.

Und da deren Mitbewohnerin Rose (Sarah-Jeanne Labrosse) vom Lesbentum träumt, ist es selbstverständlich auch ein LGBT-Movie.

Durch unglückliche Umstände gerät Aja allerdings wieder en route und hat es auf dem Weg nach England mit illegalen Migranten zu tun, womit auch der Anspruch eines Migrationsfilmes erfüllt wird. Dieses Thema wird ihn noch über Spanien, Rom, Libyen verfolgen.

In Rom trifft er auf die Schauspielerin Nelly (Bérénice Bejo), die in ihm den Autoren entdeckt, womit auch das Genre Hollywood-Traum-Movie bedient wäre.

Und da Aja ständig unterwegs ist, ist es selbstverständlich auch ein Road-Movie, wobei einige Fortbewegungsmittel auch dem Fantasy-Genre zugerechnet werden dürften.

Schließlichen kommen Tänze und Singen vor, womit auch vom Musical-Film was abgeschnitten worden wäre.

Ken Scott (Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft) hat diese charmante Mixtur an Inhalten und Arten nach dem Drehbuch von Luc Bossi, Jon Goldman + 3 nach dem Roman von Romain Puértolas wie eine Buchillustration schön der Reihe nach verfilmt, mit den Zwischenschnitten nach Indien und Rückblenden auf Ajas Kindheit.

In der Erzählung selbst nennt Aja seine Geschichte außerdem: eine Tragödie.

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Eine mitreißende Doku über den exzentrischen britischen Modedesigner Alexander McQueen.

Peter Ettedgui hat nicht nur das Buch geschrieben, sondern als Koregisseur von Ian Bonhôte mitgewirkt.

Die Dokumentaristen hatten umfängliches Material direkt von McQueen, der sich 2010 mit 41 Jahren das Leben nahm und damit die Achterbahn seines Lebens beendet hat.

Sie haben den Film nach Tonbandaufnahmen, in denen McQueen über sich selbst spricht, in Kapitel eingeteilt. Sie gehen chronologisch vor und entwickeln aus einem cleveren Zusammenschnitt von Bildern verschiedenster Herkunft einen Sog, wie dieses Leben ihn selbst vorgegeben hat.

Es gibt private Videoaufnahmen, öffentliche Archivaufnahmen und dazu viele Statements von Mitarbeitern, Models, Mitarbeitern, Verwandten, Mutter, Bruder, Lebenspartnern und, ganz wichtig, von der exzentrischen Isabella Blow, die wesentlich an der Formung seiner Kunstfigur als Modedesigner beteiligt war, zumindest feedbackend und fördernd.

McQueen stammt aus dem Londoner East-End, einer einfachen Gegend. Hungern mussten er und seine Geschwister nicht. Aus irgend einem Grund entschied er sich für eine Schneiderlehre. Der Beruf faszinierte ihn sofort. Er war Feuer und Flamme. Vor allem hatte er ein besonderes Talent dafür, war schnell und konnte Aufgaben lösen, an denen andere scheiterten.

Er war wissbegierig, wollte alles über das Handwerk lernen. Seine raketenhafte Karriere wird nachgezeichnet über Rom, London, Paris. Bis er die eigenen Shows veranstaltet für sein Label in London und für Givenchy in Paris.

Es waren dann 14 Kollektionen pro Jahr. Zu viel – Alkohol, Tabletten und auch noch HIV haben ihn gesundheitlich mitgenommen, führten zu Depressionen.

Und immer schwebte die dunkle Seite mit, Missbrauch in der Kindheit. Für ihn ist Mode persönlicher Ausdruck von Leidenschaft, verbunden mit Vorbildern aus der Malerei und der Mythologie. Schmerzhafte und dunkle Elemente schwingen essentiell mit. So schafft er Aufmerksamkeit. Die Showausschnitte sind die Höhepunkte dieser elektrisierenden Dokumentation.

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Knips ihn aus.

Kinematographisch lustvoll exponiert Pierre Morel nach dem Drehbuch von Chad St. John, warum Riley North (Jennifer Garner, die das ganz uneitel und hochkonzentriert durchzieht) nicht anders kann, als zum Mittel der Selbstjustiz zu greifen.

Der Anlass ist saublöd, dass ihr Familienglück zerstört wird. Ihr Mann Chris (Jeff Hephner) hatte sich schon für kleinere krumme Dinge mit einem Kumpel eingelassen. Jetzt hat dieser wieder versucht, ihn zu überreden. Aber Chris hat abgesagt, wollte das Risiko im Hinblick auf Frau und Kind nicht mehr eingehen.

Mit der Kommunikation dieser Absage muss etwas schief gelaufen sein. Sein Name steht immer noch auf der Ausknips-Liste des großen Kartells. Noch schmerzhafter für die bald schon hinterbliebene Witwe ist, dass der Neid einer schnöseligen Neureichen-Mamma, dazu führt, dass der Geburtstag ihres Töchterchens Carly ins Wasser fällt.

Statt einer Party gehen die Northens (so der Familienname) auf den Rummel, denn die Schnöselmamma hat aus Eifersucht eine Konkurrenzparty veranstaltet und die kleinen Gäste abgeworben. Beim Verlassen des Rummels passiert die Schießerei. Riley überlebt, liegt einige Zeit im Koma, kann sich aber genau an die Todesschützen im Auto erinnern.

Dann erfährt sie, dass es keine Gerechtigkeit gibt, dass Polizei, Anwälte, Gericht alle unter einer Decke stecken und kein Interesse an der Aufklärung des Falles haben.

Diese Ausgangslage schildert der Film ganz in der Nähe der Protagonistin, setzt Mittel von schnellem Schnitt, aber auch verwischten Eindrücken, ein, die an Aquarellzeichnungen erinnern, so dass der Zuschauer richtiggehend heiß gemacht wird auf die Rache.

Die setzt fünf Jahre später ein und ist unerbittlich. Zwischendrin wird kurz erzählt, wie Riley sich darauf vorbereitet hat, wie sie sich Informationsvorteile verschafft und wie sich getarnt hat. Riley geht gnadenlos vor. Sie ist die Hauptattraktion mit diesem ernsten, fokussierten Gesicht, das sich vor keiner Verdreckung und Verwundung drückt, für keinen Schmutz zu schön ist. Selbstverständlich wird der Film sie frei sprechen. Rache ist süß wie Pfefferminze.

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Der Film hat beim Nachwuchspreis „First Steps“ den „No Fear Award“ für den Produzenten gewonnen, für die logistische Leistung, die hinter dem Film gestanden habe, drei Jahre lang in einem aussterbenden Dorf zu filmen. Der Preis sagt also nichts aus über die Qualität dieses Dokumentarfilmes von Pauline Roennenberg, die mit Britta Schwem auch das Drehbuch geschrieben hat. Der Preis ist offenbar ein Logistikpreis. Man sollte einen solchen direkt fest verankern in der schwindligen Filmpreiswelt.

Der Film selbst ist ein Zusammenschnitt verschiedenster Impressionen aus dem Dorf; Hauptakteure sind ein Bauerneherpaar, die auch als Bestatter arbeiten und eine Veganer-Kommune, die ein Hotel gekauft hat. Die Bestatterei ermöglicht verschiedene Abdankungsaufnahmen, Aushub eines Grabes, Ministranten, Leichenschmaus, wild zusammengewürfelt und mit einer Gerd-Baumann-Versöhnlich-Stimm-Musiksauce übergossen.

Die Manier ist die eines aufdringlichen Dokumäuschens, etwas verschusselt und zerfleddert, vielleicht mit eher unklarer, unausgereifter Doku-Haltung oder im Sinne, „holt Euch attraktive Motive“. Der Film ist eine Koproduktion von HFF und BR. Man fragt sich, was die wohl an dieser Hochschule über Dokumentation lernen.

Es heißt zwar, Schönsee, das ist der Name des Bauernortes, stirbt – aber so einen aussterbenden Eindruck stellt der Film gar nicht her; da ist das Stadtauge zu begeistert vom Land.

Innerhalb des geschützten Biotopes einer Filmausbildungsstätte mag so ein Film viele aufmunternde Komplimente verdienen, grad weil er weit entfernt von einer ausgereiften Dokuhaltung ist. Aber ein zwangsfinanziertes öffentlich-rechtliches Fernsehen sollte die Finger davon lassen. Filmausbildung hat zulasten des Steuerbudgets zu gehen und darf nicht aus dem unfair finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkkuchen bezahlt werden, der zu Lasten einkommensschwacher Haushalte geht, obwohl es sich doch bei diesem öffentlich-rechtlichen Rundfunk um ein demokratisches Gemeinschaftswerk handeln sollte. Darüber könnten gedankenreiche Studenten mal einen Film machen.

Den Doku-Beginners ist dringend zu empfehlen, Frederik Wiseman zu studieren, zuletzt im Kino mit Ex Libris – Die New York Public Library.

Schlimmer als der Film ist der Hype, den manche Leute drumherum machen; das ist den Begabungen der Studentinnen gegenüber ziemlich fies.
Der FFF-Förderpreis Dokumentarfilm am DOK.fest München (Jury: Barbara Bauer, Margrit Schreiber-Brunner, Georg Tschurtschenthaler).

Man müsste die Leute rügen, die solchen Filmen Preise verleihen oder sie ins Fernsehen bringen, hier sind es vom BR Natalie Lambsdorff, Mathias Lebrand und Carlos Gerstenhauer.

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Knastdilettantentruppe.

In welch dilettantische Knasttruppe sind wir hier geraten. Da kann die Gefängnispsychologin Hanna Rautenberg (Bibiana Beglau) sieben Stunden vom unheilbaren Sexualtäter Peter Petrowski (Till Firit) vergewaltigt werden – und keiner greift ein.

Es gibt zwar Telefonate und ganz tänzerisch rückt eine SEK-Einheit an. Aber Peter darf Hanna antun, was er will. Das sieht der Zuschauer nicht direkt. Peter malt Strichmännchen an die Wand oder ein Richter liest vor.

Generell ist die Brutalität der Vergewaltigung vom psychologischen Gutachter (Christian Heiner Wolf) in einem der wenigen souveränen Auftritte in diesem Melodram von Christian Görlitz zu erfahren. Görlitz, der Grimmepreisträger, möchte hier wohl die Grimmequalitäten vergessen lassen, er hat mit Pim Richter auch das Drehbuch geschrieben, „frei“ nach dem Buch „Sieben Stunden im April“ von Susanne Preusker.

„Frei“ das heißt, dass der Film nur so strotzt vor Unplausibilitäten. Erst spielen die Knastis in ihrer Therapiestunde und die Gurkentruppe von Knastleitung schauspielerisch dermaßen aufgekratzt, dass man glaubt, sie haben eine Extragage erhalten (der Grund dürfte der sein, eine emotionale Fallhöhe zu konstruieren).

Dann kann der Film empirisch überhaupt nicht nachvollziehbar machen, dass die Geiselnahme 7 Stunden gedauert haben soll. Sie ist zeitlich durch die fragmentarisch-hektische Erzählweise nicht plausibel und somit auch nicht das Martyrium des Opfers. So ist auch Empathie nicht möglich. Die posttraumatischen Anfälle des Opfers – die Geiselnahme ist vor Mitte des Filmes beendet – wirken theatral gewollt oder kleinmädchenhaft aus dem Schauspielerärmel geschüttelt, theoretisch ist damit ablesbar, was gemeint ist.

Ebenso irritierend ist, dass das Opfer nach der Befreiung und Behandlung im Krankenhaus zu Hause noch das Wasser in der Badewanne blutrot färbt. Hier ist offenbar nicht nur der Knast ein Dilettantenhaufen, das Krankenhaus muss ein ebensolcher sein, eine Patientin in dem Zustand zu entlassen.

Auch die Besetzung der Figuren scheint konfus genug passiert zu sein (Daniela Tolkien handelte offenbar aus einem Missverständnis des Buches und des darin wirkenden Dilettantismus).

Thomas Loibl als Stephan hat nicht die Bandbreite, die die rasend schnelle Hochzeit nach der Vergewaltigung aushalten müsste. Er scheint mehr auf Zuckerwatten-Balsam abonniert. Die Psychologin, die ihrerseits wiederum das Psychologinnenopfer betreut, ist schon von den dämlichen Texten her kaum zu spielen, aber auch die Besetzung gibt die Psychologin gar nicht erst her, noch weniger in der völlig zusammenhangslosen Szene bei der Einfahrt in ein Einkaufszentrum, wobei die Handlung nie einen Einkauf als nötig erscheinen lässt.

Und offenbar hat, das ist die späte Einsicht, auch die Psychologin selbst einen gravierenden Fehler gemacht, wie sie bei der Durchsicht von Gruppentherapiestunden auf DVD selber feststellt. Sie wird teuer für ihre Naivität bezahlen. Naive sollten keine Psychologen werden, schon gar nicht im Knast, das ist vielleicht die Moral von der Geschichte und die zweite: und sich nicht in einem schlecht überwachten Kanst, der von lauter Flaschen geführt wird, anstellen lassen.

Vielleicht sollte in der Fernsehredaktion mal ein Revirement stattfinden, es sind immer die gleichen Namen, die verantwortlich seien, egal was das Fernsehen absondert, die scheinen einfach alles abzusegnen.

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