Bohemian Rhapsody

Üppige britische Süßspeise,

aber darauf verstehen sich die Briten, auf emotional-emphatisches Erzählen, egal, dass Bryan Singer, der Regisseur, aus den USA kommt, und der Drehbuchautor Anthony McCarten (Die dunkelste Stunde, Die Entdeckung der Unendlichkeit) aus Neuseeland stammt, das waren schon zwei sehr britische Stoffe, und der Protagonist, der Freddie Mercury spielt, Rami Malek, ägyptischer Abstammung ist; so ein Mix, Brexit hin oder her, ist ja auch typisch britisch (Malek war kürzlich als Louis Dega in Papillon zu sehen).

Singer und McCarten nehmen sich für ihr Biopic den Lebensabschnitt des Leadsängers von Queen von 1970, kurz vor Gründung der Band, bis zum großen und berühmten Live Aid Konzert 1985 im Wembley-Stadion in London vor.

Der thematische Rahmen ist der Rat zur guten Lebensführung des Vaters (der Musik ausschließt) bis zur Versöhnung anlässlich dieses Konzertes, mit dem Mercury Gutes getan hat.

Die Vorstellung des etwa 24-jährigen Mercury, der noch ganz anders heißt, ist knapp. Er strotzt vor dem Gefühl von Talent, das er in sich spürt, grandios spielt Malek diese vor Selbstbewusstsein schier platzende und sich nichts bieten lassende, schon gar nicht Kompromissbereitschaft zeigende Arroganz, obwohl er noch nie aufgetreten ist, sondern nur Texte geschrieben hat.

Mit seinem exaltiert-exotischen Look besucht er Konzerte. Anschließend treibt er sich Backstage herum. Bis der Drehbuchautor das Glück walten lässt. Einer Band ist der Lead-Sänger abhanden gekommen – die Chance für Mercury!

Aus der Band wird schnell „die Familie“. Der Künstlername Freddie Mercury wird definitiv. Erst tingeln sie. Es ist ein wagemutiger Entscheid, ein Album aufzunehmen, das war damals teuer. Sie geben den Bandbus an Zahlung. So kommen sie ins Radio.

Der Rest dürfte Geschichte sein. Und allerspätestens mit dem Refrain „Wir sind die Champions“ hat jeder sie gekannt.

Der Film erzählt chronologisch mit viel Musik direkt oder auch mal im Hintergrund. Die Probenarbeit, Diskussionen, die Auseinandersetzungen um den künstlerischen Wagemut (Inspiration durch die Oper) und mit den Managern, Tournee, Liebe von Freddie zu Mary (Lucy Boynton), Heirat, die Entdeckung der Männer, das versteckte Doppelleben; das Outing seiner Frau gegenüber, die er aber als Frau behalten möchte.

Freddies Katzenliebe wird üppig bebildert. Und wie es sich für eine exzellente Süßspeise gehört, wird auch das Bittere nicht ausgespart, in diesem Fall die aufkommende und tödliche Krankheit AIDS, aber nur so weit bis zum Mercury-Statement, er habe keine Lust, auch nur eine Sekunde in die Opferrolle zu schlüpfen, und er wolle die Zeit zum Musikmachen nutzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.