25 KM/H

Kino für den Vereinsabend.

Ein Super-8-Zusammenschnitt von Bubenfreuden zweier Brüder im Schwarzwald leitet den Film energievoll ein; die Gebrüder Schneider sind es, die Gebrüder Christian und Georg.

In der Erwachsenenvariante 30 Jahre später werden sie dargestellt von Lars Eidinger und Bjarne Mädel. Eine auf den ersten Blick schön gegensätzliche Paarung.

Georg ist Schreiner geworden und im Schwarzwald geblieben. Christian ist ein Business-Man, der um die Welt düst und ständig am Handy hängt.

Der Tod des Vaters ruft Christian nach 30 Jahren wieder nach Hause. Wegen einer blöden Bahnschranke kommt er auch noch zu spät. Die Beerdigung wird kurz abgehandelt.

Dann sind die Brüder unter sich. Erinnerungen kommen hoch. Christian stöbert auf dem Dachboden. Mehr aus dramaturgischen Gründen als aus innerem Need. Sie finden einen Plan, den die beiden als Halbwüchsige gemacht hatten, mit dem Moped an die Ostsee zu fahren und dort ins Meer zu pinkeln.

Der Alkohol und ein weiterer dramturgischer Geistesblitz lässt die beiden sich entscheiden, das Abenteuer jetzt und hier nachzuholen, noch in den schwarzen Anzügen mit Krawatten von der Trauerfeier.

Mitten in der Nacht fahren sie los mit Gejuchze. Auch hier mehr dem Buch als dem inneren Triebe gehorchend.

Es folgt ein behagliches, sympathisches Roadmovie durch Deutschland. Immer fällt dem Autor Oliver Ziegenbald (Mein Blind Date mit dem Leben, Kundschafter des Friedens, Becks letzter Sommer, Frau Müller muss weg!, Russendisko, Friendship!) wieder etwas Nettes ein, auch Elementares, in Berlin gibt es nämlich eine Frau, die ein Kind von Christian hat.

Das Hauptmotto, das die Jungs sich damals vorgenommen hatten, war: Saufen, Frauen, beim Griechen die ganze Speisekarte durchfressen und am Timmendorfer Strand in die Ostsee pinkeln.

Den Plan erfüllen sie drehbuch- wie planmäßig.

Regisseur Markus Goller (Simpel, Alles ist Liebe, Frau Ella, Eine ganz heiße Nummer, Friendship!) inszeniert ganz ordentlich, ohne übergroße Kinoambition. Er hat ja prima Schauspieler durchs Band. Und den beiden nicht mehr ganz jungen Protagonisten macht es Spaß, wieder zu kicken, zu flirten, Tischtennis zu spielen oder die verzockten Mopeds in einer Laubenkolonie wieder zu entführen bis sie von einem Stadtindianer gejagt werden; sie versprühen Urlaubs- und Drehpausenlaune.

Vielleicht hat sich das Autor/Regie-Duo an seinem großen Erfolg Friendship orientiert, den als Rezept genommen. Wobei dort im Hintergrund die DDR und auch das Vaterthema spannungserzeugend mitgespielt haben. Zwischen Friedrich Mücke und Matthias Schweighöfer hatte die Chemie hervorragend gestimmt.

Hier kommen vor allem bei Eidinger die Entertainerqualitäten (wie er britischen Slang nachzuahmen versucht) zum Tragen und weniger die Bruderchemie. Insofern ist dieser Film deutlich gemütlicher geworden, aber die Qualitäten für einen Vereinsunterhaltungsabend hat er allemal, beispielsweise das Spiel mit dem Rückwärtssprechen von Texten oder der Steptanz und zwischendrin mal ein ernsthaftes Gespräch über die Liebe, das Leben und den Vater.

Der Ehrgeiz der Filmemacher zielt nicht über die bundesdeutschen Filmsubventionsgrenzen hinaus.

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