Wildhexe

Die Dänen, lässig und unaufgeregt in Ungarn, verschaffen sich den Überblick über die Irrungen und Wirrungen zwischen Kindsein und Erwachsenwerden mit rasendem Drohnenflug über das waldig-grüne Ungarn, das den mystischen Wald für diesen Übergang darstellt.

Sie montieren mit leichter Hand die Symolbilder für diese drastische Veränderung im heranwachsenden Menschen mit Schluchten und Nebel und Dunkelheit, Wald und wilder Weg (da muss sie durch), Undurchdringlichkeit und Orientierungslosigkeit und Hexen- und Zauberbrimborium.

Das Mädchen Clara (Gerda Lie Kaas) ist rothaarig, so müssen werdende Hexen und Wildhexen (das sind Übergangshexen) sein. Und sie muss allein da durch, durch diese Kämpfe und Überwindungen, speziell im Kampf gegen die Chimera (May Simón Lifschitz), durch diesen elementaren Veränderungskosmos des Coming-of-Age. Und das trotz Wildhexenfreund, das ist Oskar (Alber Werner Ronhard), der auch ein schwarzer Kater sein kann, der immer im unpassenden Moment den Schulweg kreuzt.

Dazu gehört die Wildhexenfreundin Kahla (Vera Mi Fernandez Bachmann). Sie ist die Tochter von Isa (Sonja Richter). Das ist eine Tante der Mutter von Clara, von Mille (Signe Egholm Olsen), von der Clara noch nie etwas gehört hat und die im Wald ein Wildhexentraining anbietet.

Denn die Mutter stellt sich ahnungslos und überfordert mit dem, was mit Clara plötzlich los ist. Sie tut so, als stimme mit Clara etwas nicht, Clara wird das Gefühl vermittelt, sie sei anders als die anderen. Fieber wird diagnostiziert und ein merkwürdiges Heilgebräu verabreicht.

Diese Leerstelle am Ende der Kindheit, die so anfällig oder aufnahmefähig für Magie und Hexerei macht, ist ein Universalmoment, der die Kinder offen und anfällig werden lässt für die Sprache der Tiere, von Katzen, Eulen und Chinchillas (so einen befreit sie in der Schule), Feuerechse, Rabe, Bär und Vogelschwärmen, für die Mystik und Symbolik der Natur und Lügen (von denen es offenbar in dieser Altersstufe wimmelt) können sie förmlich riechen. Hypersensibilität.

Die Filmemacher, das ist Kaspar Munk als Regisseur, der mit Poul Berg und Bo Hr. Hansen das Drehbuch nach den Bestsellern von Lene Kaaberbol geschrieben hat, ist in der dänischen Filmkultur verwurzelt. Das bedeutet auch exzellente Arbeit mit den Darstellern, die ihren Rollen mit nordischem Ernst Glaubwürdigkeit und Faszination verschaffen. Die Musik lässt auf ihre Weise die Doppelbödigkeit des Hexenzustandes manifest werden.

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