Mein Stottern

Dass Stottern fürs Kino ergiebig sein kann, hat 2010 der Film The King’s Speech über den britischen König George gezeigt, der diese Behinderung überwinden muss und dann eine ganz wichtige Rede hält. Dieser erfolgreiche Spielfilm war direkt der Anlass für Petra Nickel und Birgit Gohlke, einen filmischen Erkundungsbericht zu dem Thema in Angriff zu nehmen.

Sie haben das Projekt über mehrere Jahre verfolgt. Protagonistin und Sucherin ist Brigit Gohlke, die selbst vom Stottern betroffen ist – auch sie wird am Ende, da schließt sich der Kreis zum Spielfilmvorbild, im Tonstudio mit Bravour einen Text (zum Thema) sprechen.

Es fängt mit familiären Problemen an. Birigt ist schwanger und überlegt mit ihrem Mann, wie sie das Kind nennen sollen. Denn es muss ein Name sein, bei dem eine Mutter oder ein Vater nicht steckenbleiben, wenn sie ihn rufen.

Nickel und Gohlke machen einen weiten Tour d‘ Horizon zu Menschen, die vom Stottern betroffen sind und befragen sie, wie sie damit umgehen, wie sie die Diskriminierung in der Jugend erlebt und bewältigt haben, mit welchen Methoden, sie versuchen, das Leiden, das eine Gehirngeschichte sei, zu vertuschen.

Das sind Tricks des Nichtssagens, des Benutzens von weniger schwierigen Wörtern, der Prolongation.

Es gibt Stottertherapeuten. Beim Singen im Chor oder Solo passiert es praktisch nicht. Es gibt berühmte Leute, die betroffen sind, Bruce Willis wird erwähnt und Marilyn Monroe. Es ist etwas zu erfahren über das Gefühl der Entblößung, was solche Menschen erleben, wenn sie in der Öffentlichkeit vor einem Plenum direkt angesprochen werden.

Dann gibt es den Schauspieler, der für eine Szene das Stottern üben muss.

Der Haupttenor im Umgang mit diesem Defekt ist der, dass man dazu stehen soll, dass das Offenlegen des Stotterns der beste Weg sei, das Ablegen der Vertuschungspraktiken.

Wer bis zur Pubertät das Stottern nicht abgelegt hat, der wird es nie; aber er kann eine deutliche Reduktion der Stotterereignisse erreichen durch Üben, durch Training.

Interessant ist die Statistik, die sagt, von den erwachsenen Stotterern seien fünfmal so viele Männer wie Frauen, insgesamt etwa ein Prozent der Bevölkerung. Das wären in einem Land wie der Bundesrepublik mit etwa 80 Millionen Einwohnern immerhin 800′ 000 Menschen. Vielen davon kann dieser unaufgeregte, sehr persönliche Film Support, Tipps, moralische Unterstützung geben, denn ein Kampf ist es immer. Andererseits kann er auch ein erhellendes Beiprogramm zu „The Kings Speech“ sein.

Text mit Nettostottern lesen, also ohne kompensatorische Lösungen und dann nacherzählen.
Nettostottern, da muss man ganz schön mutig sein, stottern ohne Drumherum. Abflauen von Stotterereignissen.

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