Halloween

Halloween ist ein kultureller Neophyt. Und breitet sich bei uns immer mehr aus. Primär dürfte es sich um das Geschäft damit handeln. Und der christlichen Kultur sind wir eh überdrüßig, die hat soviel Unglück angerichtet.

In diesem Film von David Gordon Green, der mit Danny McBride + 3 auch das Drehbuch geschrieben ist, muss der Titel herhalten, um das Publikum abgruseln zu lassen. Kein allzu großer Ernst hinter der Chose.

Nach den Purge-Filmen ist das Gruselgaudi von gestern, garantiert nicht schockierend, aber der Film kann sich dann doch nicht richtig für die Abgrusel-Variante entscheiden, für die Ablachvriante, das versucht er mit ein paar zwischenenschlichen Jokes.

Verbindlichkeit versucht der Film von David Gordon Green (Die Wahlkämpferin – our Brand is Crisis, Stronger) zu erzielen mit einer schnittig-schmißigen Montage, vor allem aber mit der Horror-Musik und mit vielen visuellen Knalleffekten.

Die Psychopathen sind los. Sie sollen in eine andere Unterkunft überführt werden. Bei einem Unfall kommt der Bus von der Straße ab, die Irren sind befreit.

Der Film konzentriert sich auf den pathologischen Mörder Michael, der seit 40 Jahren einsitzt; in der Zeit hat er Heerscharen von Psychiatern verschlißen, klug sind sie nicht aus ihm geworden und eine Besserung haben sie nicht feststellen können.

Er ist somit eine Zeitbombe in der düsteren Halloween-Gegend, in der der Film spielt, und in welcher in der angenehm kurzen Spielzeit ungefähr jede Figur, mit der man sich gerade angefreundet hat, abgestochen oder abgemurkst wird. Das hat System, da kann man sich schnell drauf einstellen.

Einzig die Oma Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) ist wehrhaft. Sei 40 Jahren hat sie sich in ihrem Waldhaus auf diesen Tag vorbereitet, hat das Haus präpariert, um ihre Familie zu rächen und ihre eigene Brut, Tochter Karen (Judy Greer) und ihre Enkelin Allyson (Andi Matichak) zu schützen.

Ok, eine so wehrhafte Oma, wollen wir dann doch nicht killen lassen, ein Hauch Resthumanität oder Glaube an die Menschlichkeit, die sich vom Bösen befreien kann, wollen wir selbst an Halloween noch stehen lassen. Schließlich spielt der Film in einer Liga, die lange vor den Purge-Filmen noch Schrecken verbreiten konnten. So ändern sich die Zeiten, so kann auch Brutalität sich abnutzen, wenn sie kontextlos aus reiner Abmurksfreude verkauft wird. Und sowieso ist die reale Welt inzwischen voll mit Psychopathen, wenn man nur an diverse Präsidenten und Staatsspitzen denkt.

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