Inzwischen bedeutet es, einen Film von Agnès Jaoui (auch hier hat ihr Lebensgefährte Jean-Pierre Bacri am Drehbuch mitgeschrieben), zu schauen, so etwas wie das Privileg, von ihr eingeladen zu werden, um an Schilderungen aus ihrem bewegten Leben im Milieu bekannter Künstler teilnehmen zu dürfen, so persönlich jedenfalls wirken die Filme.
Wobei Geschichten Geschichten sind und das Leben das Leben. Sie ist nicht nur die Weltverbesserin, wie sie sich im Film darstellt, hinter der Kamera ist sie nebst Drehbuch und Regie auch noch an der Produktion beteiligt und dürfte inzwischen eine recht erfolgreiche Geschäftsfrau im Filmbusiness sein.
Das ändert nichts am Charme und der Glaubwürdigkeit der Geschichten. Hier ist sie als Hélène bei ihrer Schwester Nathalie (Léa Drucker) zur Einweihung von deren Landpalais mit Park „einen Steinwurf“ von Paris entfernt eingeladen.
Allein an der Beschreibung dieser Strecke zeigen sich gesellschaftliche Gräben und Differenzen. Hélène hat mit ihrem Freund Vincent (Eric Viellard), der ihr vor lauter Gutmütigkeit garantiert nicht die Show stiehlt, eineinhalb Stunden gebraucht für die Strecke. Während ihr Ex Castro (Jean-Pierre Bacri) mit seinem Fahrer Manu (Kévin Azais) in der Nobelkarrosse es in einer halben Stunde geschafft haben.
Beim Einparken ist Hélène so ungeschickt, dass sie die Nobelkarrosse anschrammt. Das wiederum führt zu einer weiteren kleinen Detailgeschichte, die Jaoui gleich als Rähmchen nimmt für diesen Ausschnittsblick in ihre besondere Gesellschaftsschicht, in der man sich gerne über das Personal aufregt, da man solches hat.
Personal, das sind Samantha (Sarah Suco), die mehr an Selfies mit den prominenten Gästen denn am Servieren interessiert ist oder die Buchhalterin, die aus der tollen Karaoke-Idee ein Fiasco zaubert.
Die Gastgeberin ist ihre Schwester und eine erfolgreiche TV-Produzentin. Sie produziert auch die Sendung, in der Castro moderiert und wird ihn mit dem Rauswurf konfrontieren; aber der Geschichtenerzählerin Jaoui wird bestimmt eine Gegenaktion einfallen, die just mit seinen Altersproblemen zu tun hat und damit, das ist ein weiteres Highlight, die Begegnung mit beider Tochter Nina (Nina Meurisse), die ein ganz offensichtich autobiographisches Buch über das prominente Familienleben geschrieben hat. Vater ärgert sich über das Kapitel mit der Perücke.
Es liegt auch eine Drohung über dem Fest, das ist der Nachbar mit der Flinte. Andererseits gehören zum Fest Tanz, Gesang und Kulinarisches sowie der herzergreifend komische Versuch des Osteuropäers Pavel (Miglen Mirtchev), eine Rede auf seine Geliebte, die Gastgeberin Nathalie zu halten. Ein Regenguss sorgt für weitere Dynamik in dem generell eher ländlich-gemütlichen denn städtisch-hektischen Jaoui-Streifen.