Being Mario Götze – Eine deutsche Fußballgeschichte

Der Ball bleibt rund.

Dieser Film von Aljoscha Pause von DAZN richtet sich primär an den Fußballfan. Er bekommt darin 2 ¼ Stunden Mario-Götze satt.

Es gibt eine Menge bekanntes Fernsehfootage aus Spielen mit wichtigen Toren, um die Spiele herum und von Interviews. Es gibt Statements von Sportfunktionären, dem Bundestrainer, von anderen Fußballern und von Fußballjournalisten.

Es gibt einen familiären Strang, Bruder und Vater stehen Pause Rede und Antwort. Es wird im Familienarchiv gekramt und es kommt Super-8-Material vom kleinen Mario zum Vorschein, der sich zwischen den Größeren durchkämpfen muss, kaum dass er gehen kann.

Es gibt einen inszenierten Besuch von Götze und seiner Ehefrau im WM-Museum. Man sieht ihn mit ihr im offenen Mercedes-Cabrio durch Dubai brausen. Wie so ein Film über einen Fußballer unvermeidlich zu einer enormen Häufung von ins Bild drängenden Product-Placements führt, was die Freude der Fußballfans sicher nicht mindern dürfte.

Auch für den Nichtfußball-Fan dürfte Götzes Entwicklung (mit besonderer Berücksichtigung der psychologischen Komponente) von Interesse sein, die einen wichtigen Strang in der Dokumentation ausmacht, die gerne hin und her springt in Götzes Karriere.

Es wird sehr klar geschildert sein absolut ungewöhnliches Talent, wie er wie mit einem Radar Räume wahrnehme und wie er auch Spielentwicklungen voraussehen kann (Antizipationsfähigkeit) und so Lücken für Pässe und Torschüsse findet, die wohl keiner sonst finden würde; eine Ausnahmebegabung.

Es kommt sein Entdecker und Förderer Jürgen Klopp ausführlich zu Wort. Der hat dem genialen aber ebenso sensiblen Talent in Dortmund ein erstklassiges Entwicklungsbiotop geboten, sehr früh. So dass er sehr früh in die Nationalmannschaft kam bis zu dem berühmten Siegestor in der WM 2014.

Damit legte sich die Last des Erfolges auf ihn, schob Sorglosigkeit und Verspieltheit der Jugend hinweg. Dagegen stand das Bedürfnis, sich weiterzuentwickeln. Der Wechsel nach Bayern. Und die damit verbundenen Härten, die Verachtung seiner angestammten Fans.

Der Film ist ein Stück weit auch Aufarbeitung von Vorkommnissen. Beispielsweise dieser Wechsel, vor allem der Zeitpunkt seiner Bekanntgabe oder die Nichtaufnahme in den Kader für die WM in Russland dieses Jahr. Wie beschissen es der Nationalmannschaft dort ergangen ist, da hört der Film klugerweise vorher auf. Und der Betrachter kann sich sein Teil denken und hoffen, dass Götze diesen Reifungsprozess vom Naturtalent zum beherrschten Professional über Krisen, Shitstorms, Krankheit, den harten Weg der Selbstbewusstwerdung erfolgreich zu Ende bringt.

Ein Verbindung zum ebenfalls heute startenden Schweizer Spielfilm Mario, der von einem schwulen Fußballer handelt, ist mir nicht bekannt.

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