Ausgehend von Judith Herzbergs „De Nietsfabrik“ und nach einer Originalidee von Jorge Silva Melo entwickelten Joao Mtos, Tiago Hespanha, Luisa Homen, Leonor Noivo und der Regisseur Pedro Pinho das Drehbuch.

Der Film ist „gewidmet allen Arbeitern von FATELEV, die zwischen 1975 und 2016 …levaram a cabo una experencia impar de auto-gestao da antiga fabrica de elevadores da OTIS portugesa – eine einzigartige Produktion der alten Aufzüge in Eigenregie/Selbstverwaltung durchführten“.

Der Film kreist um diese Vorgänge von Arbeiterselbstverwaltung als Antwort auf den vorgesehenen Kahlschlag ihrer Liftfirma als Folge des Turbokaptialismus.

Er fängt mit Szenen an, wie die Firma in der Nähe von Lissabon geschlossen werden soll. Arbeiter bemerken, dass nachts LKWs das Gelände verlassen. Ein dubioser Vorgang. Sie stellen die Fahrer zur Rede. Einer entkommt. Der andere will seine Ladung nicht zeigen. Die Arbeiter erzwingen das und entdecken, dass Arbeitsroboter aus der Firma entfernt werden sollen.

Am nächsten Morgen kommt die Chefin der Firma mit einer neuen Personalchefin und einem neuen Produktionsleiter an ihrer Seite. Sie erzählt von der Globalisierung, von steigenden Kosten und sinkender Nachfrage, sie lächelt pausenlos freundlich, sie erwähnt die Konkurrenz aus China. Kurz, durch die Blume heißt das, die Fabrik soll geschlossen, die Arbeiter gegen Abfindung entlassen werden.

Damit die sich nicht solidarisieren, bestellt die neue Personalchefin die Arbeiter zu Einzelgesprächen. Die Abfindungsangebote variieren. Es ist ein komplizierter Prozess, bis einige der Arbeiter sich entschließen, weiter zur Arbeit zu gehen, die Fabrik zu übernehmen.

Der Film widmet sich davon ausgehend höchst engagiert dem Thema, wie eine gute Arbeitswelt aussehen könnte, wie ein guter Kapitalismus, was für eine Linke es dazu bräuchte und ob sie nicht, auch wenn sie die Fabrik in Selbstverwaltung betreibe, nicht doch auch den Gesetzen des Kapitalismus ausgeliefert sei, dem Marktfetischismus unterworfen.

Es spielt ein Kapitalismusforscher mit, dem das Experiment gelegen käme. Es werden Vergleiche zu anderen Ländern gezogen, Argentinien, Griechenland.

Der Film ist selbst wie ein Wahrheitssucher, der seinen Gegenstand von allen Seiten zu beleuchten versucht, wobei es ihm weniger auf cineastisch-stilistische Brillanz ankommt. Seine Handschrift ist die eines Forschers.

Er vergisst nicht, dass Sinnlichkeit und Liebe und Natur ebenso zum Leben gehören wie Diskussion über Arbeit und Kapital, über Gewalt, Selbstverwaltung.

Die Freude der Arbeiter in ihren blauen Arbeitsmänteln kennt keine Grenzen, weil ein Anruf aus Argentinien kommt mit einer garantierten Bestellung von 3000 Schwenkmodulen. Da laufen die Arbeiter tanzlich und gesanglich zu Höchstform auf.

Es wird aber auch die Überlegung bewaffneten Widerstandes evaluiert. Waffen gäbe es noch in einem Versteck.

Der Film findet spielend seinen Bogen über die drei Stunden, ist besetzt mit überzeugenden Typen, gewährt Erholung in der Natur, erfordert Konzentration bei den ökonomisch-humanistischen Diskussionen und ist auf alle Fälle ein Anregung für Menschen, die sich mit der Welt und deren vorherrschenden ökonomisch-politischen Verhältnissen nicht zufrieden geben wollen.

Und was hat das Thema mit der Begehrtheit dänischer Samenbanken bei Engländerinnen zu tun?

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