Archiv für 5. Oktober 2018

Gesichter.

Gut gecastete Gesichter können einen Film ohne Umstände schnell auf Touren bringen.

Der Protagonist Sean Falco (Robert Sheehan) ist ein junger Künstlertyp, große, unverdorbene Augen, die die Welt vorurteilsfrei und auf ihren fotografischen Wert hin betrachten, die eher bleiche Haut, die schwarzen, erotischen Kraushaare, prototypisch.

Sein bald schon Antagonist ist Cale Erendreich (David Tennant) mit hagerem Gesicht, spitzer dünner Nase, großen, kalt musternden Augen, sein schwarzes, glattes Haar trägt er als hitlerhaften Scheitel über die Stirn, und ab und an setzt er bewusst die Sonnenbrille auf. Bei diesem Gesicht wird nicht eine der Taten überraschen, die er hinter der großkotzig reichen Fassade begeht.

Sean gerät ins Visier von Cale über seinen Job als „Valet“, Einparker vor „Ninos Grill“, einem Schicki-Micki-Lokal in Oregon. Den Job teilt er sich mit Derek (Carlito Olivero). Der ist glatzköpfig, mehr Boxergesicht. Der macht glaubwürdig, dass er und Sean die Einparknummer zu Besuchen in den Häusern der Gäste nutzen, um sich umzusehen und begehrenswerte Dinge mitlaufen zu lassen, denn die Bewohner sind ja nicht zu Hause und der Valet-Kollege vor dem Edellokal hat die Gäste im Auge.

Der Maserati von Cale ist eine Verführung der besonderen Art. Da muss einiges zu holen sein. Sean übernimmt diesmal die Fahrt. Er gerät in Dinge hinein, die einige Nummern zu groß sind für ihn und Derek.

Aber es gibt ja noch Olivia Fuller (Tracey Heggins) vom FBI. Dieses Gesicht ist gepflegt, angenehm kurze Frisur. Sie schaut ernsthaft, weil sie ihren Job ernst nimmt, insofern auch unter Verzicht auf Anteilnahme und lässt somit den Hilfesuchenden zappeln.

Das Casting ist nur eines von mehreren Mitteln, die Dean Devlin fast liebhaberhaft einsetzt, um dem Film vom ersten Momentan, nebst der Geschichten, die die Gesichter erzählen, einen ungewöhnlich unterhaltsamen Kitzel zu verpassen. Devlin hat die Regie nach dem Drehbuch von Brandon Boyce geführt.

Und da es unklug wäre, dem Publikum zuzumuten, dass nach Ende des Filmes womöglich ein Massenmörder frei herumläuft, so gibt es gewisse Rezept, wie die Geschichte zu Ende gebracht wird. Das kann schnell schablonenhaft werden, wenn sich ein Filmemacher gerade zum Ende hin nicht nochmal besonders am Riemen reißt. Um der Schablone zu entkommen, inszeniert Devlin den Count-Down mit schalkhaftem Humor, der im Untertext erzählt, he, wir wissen ja alle, wie so etwas abläuft und drum bau ich Extra-Twists ein, um Euch mit einem lässigen Kommentar zu erheitern.

Applaus des Publikums nach der Vorführung am Fantasy-Filmfest in München. Kein Wunder, aus jeder Szene, aus jeder Wendung der Handlung ist abzulesen, welch irren Spaß es den Machern gemacht hat, diese Geschichte als eine ganz besondere zu erzählen.

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