Lemonade

Grauzonen.

Wie hinter vorgehaltener Hand, so diskret und spannend, erzählt Ioana Uricaru, die mit Tatiana Ionascu auch das Drehbuch geschrieben hat, die Geschichte von Mara (Malina Manovici) aus Rumänien, die in den USA ein Leben in einer Grauzone führt – eine Geschichte, die kurz vor Ende noch eine schier unglaubliche Wendung nimmt, die aber gewiss nicht verraten werden soll.

Wobei sich ökonomische und menschliche Gründe und Abgründe verquirlen wie im richtigen Leben.

Die wirtschaftliche Lage in Rumänien ist schlecht. Mara lebt dort mit ihrem Sohn Dragos (Milan Hurduc). Sie ist nicht verheiratet. Der Sohn hat den Namen des Vaters. Auch Maras Mutter lebt dort.

Mit einem Halbjahresvisum ist Mara in die USA gekommen, hat dort als Krankenschwester gearbeitet – wobei offenbar schon dieses Visum und die Arbeit im Grauzonenbereich liegen. Sie hat den Dialysepatienten Daniel (Dylan Smith) kennen- und lieben gelernt. Er sei von einem Baum gefallen. Kurz vor Ablauf des Visums heiratet sie ihn. Sie hat keine Green Card, darf also offiziell nicht arbeiten.

Den Hauptteil des Filmes nimmt die Geschichte um die Green Card und den Beamten ein, der die ausstellen oder verweigern kann, Moji (Steve Bacic). Auch dieser Beamte erweist sich als erstaunlich anfällig für den Grauzonen-Bereich. Deswegen sucht Mara Rat bei einem Anwalt mit Migrationshintergrund. Der hat seinen Idealismus längst abgelegt. Ist aber neugierig, Mara zu helfen.

Maras Charaktereigenschaft der Aufrichtigkeit, die zwar manchmal Probleme hat, die Wahrheit zu sagen, speziell, wenn es um behördliche Befragungen zum Intimleben mit ihrem Gatten-Patienten geht, erweist sich als eine treibende Kraft, die Licht in diese Grauzonen bringt und Prozesse beschleunigt, aber auch ziemlich heftig werden lässt. Wodurch wiederum neue Tatbestände zu verhandeln wären.

Wobei Mara selbst im ständigen Konflikt steht, für ihren bald nachgereisten Sohn und sich ein gutes Leben zu ermöglichen unter den beschränkten finanziellen Möglichkeiten, der aber Tricksereien und alles Korrupte fremd sind.

Im Grunde genommen ist sie einfach nur irritiert und angewidert von der Welt, wie sie sich ihr in diesen diversen Grauschleiern bietet. Und aus der sie nicht heraus kann. Das ist vielleicht der Grund dafür, dass sie eine Pistole versteckt hat.

Ioana Uricaru erzählt die Geschichte so, als sei sie am Rande des Anstandes, als sei es etwas Ungehöriges, über das sie berichtet. Das verleiht dem Film seinen besonderen Reiz, den Grauzonenreiz, wirft aber auch ein trübes Licht auf Amerika.

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