Die defekte Katze

Gut gemeint, gut gemeint, kulturelle Gräben aufzeigen und gleichzeitig zuschütten.
Die erstarrte Familienkultur aus Persien und die fortschrittliche in Deutschland. Wir wissen, dass das schwierig ist und wir bekommen das in diesem Film von Susan Gordanshekan auf Farsi und Deutsch vorgezeigt und aufgezeigt, so dass jeder Fernsehredakteur (und es sind ihrer einige daran beteiligt, dass Zwangsgebührengeld hier einmal mehr ohne Aussicht auf Kinoerfolg verbrannt wird) es verstehen kann und jede Kirchenmaus auch.

Mein Problem mit dieser Art von Film ist seine Projekthaftigkeit, die deutlich die Filmbegeisterung und Filmaffinität übersteigt. Es soll auf die Probleme hingewiesen werden eines Iraners, der in Deutschland bereits Arzt ist und mit nur wenig Akzent ein angenehm weiches Deutsch spricht: Klan (Hadi Khanjanpour). Er ist in gutem Alter und in guter Position an einem Krankenhaus. Er soll nach dem Willen seiner Eltern eine Frau aus dem Iran heiraten, obwohl er selber längst nicht mehr flüssig Farsi spricht.

Es geht also um das Thema der arrangierten Ehe, das hier wenig begeisternd und mit merkwürdigem Ernst vorgekaut wird und womit gezeigt werden soll, dass das nicht so richtig funktionieren kann, oder erst nach einem Besuch auf dem Oktoberfest, das hier als Rummel bezeichnet wird, und nachdem ein blau angestrichener VW-Bus des BR durchs Bild geflitzt ist.

Aber das scheint eh nur proforma über die deprimierende Handlung drüber gestreut, um zu einem Ende zu kommen nach 93 Minuten, damit die Ware auch noch am Fernsehen im Spätprogramm versendet werden kann.

Mit seiner Frau Mina (Pegah Ferydoni) habe ich insofern Mühe, als bei der Figur die Intelligenz, mit der sie ihr Leben bewältigt, nicht richtig klar wird, ob sie schlau ist, listig, kalkulierend, durchschauend, wie weit sie handlungsfähig ist; sie spielt das in einer Art dusseliger Opferrolle.

Es scheint auch, dass die Regisseurin keine gute Beobachterin ist. Sie sollte mal in München auf den Straßen schauen, wenn junge arabische Touristinnen erstmals ohne Kopftuch durch die Stadt flanieren und shoppen gehen; man sieht ihnen die Röte im Gesicht an, diese Mischung aus Scham und emanzipativem Stolz. Dies passiert so selten wie Regen in der Wüste – aber es ist schon vorgekommen.

Wenn man in einem Film so einen Moment – hier geht es darum, dass Mina das erste Mal ins Schwimmbad geht – bringen will, was ja sehr kostbar wäre, dann sollte er auch überzeugend gearbeitet sein.

Hier wird lediglich nicht klar, ob sie sich bedröppelt fühlt oder ob sie nicht so intelligent ist. So sind öffentliche Gelder sinnlos vertan. Und wer will schon unerfüllten Liebeskrampf in Bettszenen verklemmter Teilnehmer schauen? Auch das müsste entweder stilisiert, eventuell mit komödiantischem Einschlag, nichts ist so tragisch, dass es nicht auch was Komisches hätte, präsentiert werden oder dann über Erzählungen oder anders.

Die Regisseurin aber zeigt mit großem Bemühen Details, die nicht der Rede wert sind, lässt Sätze sprechen, die nicht themenfördernd wirken: „Ich muss rein“, „ich muss jetzt los, sonst komm ich zu spät“, oder: „ich muss mich jetzt auf die Arbeit hier konzentrieren“.

Ganz unplausibel ist auch, dass sie eine Bomberjacke kauft und vor allem wie sie offenbar kein Gefühl dazu entwickelt. Wie bei dieser Art Film generell auf plausible Handlungen und Vorgänge verzichtet wird, der These, die vorgetragen werden soll, zuliebe; ein schweres Manko.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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