Archiv für 4. Oktober 2018

Zwei aufregende Filme, ein Musikfilm und zwei deutsche Filme. Migration erzeugt Grauzonen – aus Rumänien. Klettern an glatter Wand – aus den USA. Abiturstoffkino und Zwangsheiratskino je aus Deutschland. Und last Minute auf den Schirm gekommen: ein 3D-Symbionten-Marvel-Produkt aus den USA. Auf DVD vereinnahmen die Briten mit Gefühl, die Spanier mit unerschöpflicher Tanzenergie, die Amis mit dem Teeniespiel um den richtigen Partner und die Franzosen mit einer Vatersuche in Kanada. Im TV stellt der BR eine halbe Sendestunde für eine wandelnden Litfaßsäule bereit.

Kino
LEMONADE
Grauzonengeflüster und in weiter Ferne die Green Card.

DURCH DIE WAND
Geschichten, die die Extremkletterei schrieb – schier unglaublich.

WERK OHNE AUTOR
Ein Oskarpreisträger reüssiert nicht in Hollywood, kehrt zurück nach Deutschland und legt (trotzig?) sein prätentiöses Glaubensbekenntnis an die Kunst ab.

A STAR IST BORN
Aschenputtel und die Moral vom Alkohol, der kein Freund ist.

DIE DEFEKTE KATZE
Persisch-deutsches Zwangsheiratsmovie.

VENOM
Das Außerirdische im Menschen verleiht ihm dehnbare Kraken-Saugnäpfe.

DVD
TANZ INS LEBEN
Perfekte britische Altersromanze ohne Angst vor Gefühlen.

MEIN LEBEN – EIN TANZ
Großartiges Biopic über die Tänzerin La Chana.

LETZTENDLICH SIND WIR DEM UNIVERSUM EGAL
Qual der Partnerwahl in der Freiheit der City.

DIE KANADISCHE REISE
Vatersuche muss nicht unbedingt gleich Vatersuche sein.

TV
KREUZER TRIFFT… MAGDALENA NEUNER
Werbemogelpackung von Möbelpoliturmoderatorin.

Comments Kein Kommentar »

Der Förderer und sein Schützling.

Dieser Film des Schauspielers Bradley Cooper (beim Drehbuch haben ihm mehrere Autoren und Geschichtenerfinder zur Seite gestanden) fängt mit einer kurzen, aber in ausführlichen Details geschilderten Variante der Aschenputtelgeschichte an; effizient und tränenrührend.

Großkunst trifft Kleinkunst. Jackson Maine (Bradley Cooper spielt auch noch die Hauptrolle, und noch eine schwierige dazu!) ist Sänger und Gitarrist bei einer Band, die riesige Arenen füllt. Das ist der eine Erzählstrang. Der verbindet sich bald schon mit dem anderen.

Hier arbeitet Ally (Lady Gaga) in einer Großküche und muss sich blöd anmachen lassen. Einmal die Woche tritt sie auf einer Kleinkunstbühne als Sängerin auf – sie ist eine Abwechslung zur Travestie-Show.

Jackson ist einsam. Sein Freund, der immer ein falscher Freund ist, ist der Alkohol. Jackson lässt sich von seinem Fahrer nach dem Konzert wahllos in der Stadt herumkutschieren, bis er zufällig das Lokal entdeckt, indem Ally auftritt. Er erlebt ihr Lied. Entdeckt in ihr ein Spielzeug.

Sie wurde bislang an größeren Träumen gehindert, wegen ihrer zu großen Nase. Jetzt geht es blitzschnell – das wird in hochprofessionell langsamer Manier erzählt, wie er sie in der Garderobe besucht, wie er fasziniert ist von ihr, sich um jedes Detail von ihr, ihrer Frisur, ihren künstlichen Augenbrauen interessiert; also da hat der Film eine ganz interessante Mischung aus Geschwindigkeit und Langsamkeit gefunden.

Jackson fackelt nicht lange. Er möchte sie schon am nächsten Abend bei seinem Konzert dabei haben. Eins, zwei drei, kaum Zwischenschritte, schon sitzt sie mit ihrem lustigen Jobkollegen Ramon (Anthony Ramos) im Privatjet und bevor wir uns angeschnallt haben, steht sie vor einer unübersehbaren Menschenmenge auf der Bühne – und kommt an beim Publikum. Damit ist der Titel des Filmes bereits erfüllt – und der Film hat noch nicht einen Viertel seiner Laufzeit hinter sich.

Der Rest ist der auseinanderdriftende Weg zwischen ihrem künstlerischen Aufstieg und seinem alkoholbedingten Abstieg.

Gleichzeitig, das hält die Beziehung aufrecht, ist sie ihrer Liebe treu. Das führt zu ein paar Konfliktchen. Diese werden mit vielen Musik- und Gesangsnummern weich abgefedert. Schwierig ist der Film nicht. Er bleibt auf dieser Ebene, sie hat Erfolg, er ertränkt sich im Alkohol.

Zwischendrin habe ich gedacht, vielleicht ist dieser Film nicht anspruchsvoll genug für unser Publikum, das doch gewohnt ist, etwas mehr in die Tiefe zu gehen, etwas mehr über die Charaktere von solchen hervorragenden Künstlern zu erfahren, wie beispielsweise in Maria by Callas oder Amy Winehouse oder Whitney Houston – Can I Be Me oder Amy oder auch, und ebenfalls deutlich vielschichtiger und nahrhafter Mamma Mia – Here we go again.

Comments Kein Kommentar »

Grauzonen.

Wie hinter vorgehaltener Hand, so diskret und spannend, erzählt Ioana Uricaru, die mit Tatiana Ionascu auch das Drehbuch geschrieben hat, die Geschichte von Mara (Malina Manovici) aus Rumänien, die in den USA ein Leben in einer Grauzone führt – eine Geschichte, die kurz vor Ende noch eine schier unglaubliche Wendung nimmt, die aber gewiss nicht verraten werden soll.

Wobei sich ökonomische und menschliche Gründe und Abgründe verquirlen wie im richtigen Leben.

Die wirtschaftliche Lage in Rumänien ist schlecht. Mara lebt dort mit ihrem Sohn Dragos (Milan Hurduc). Sie ist nicht verheiratet. Der Sohn hat den Namen des Vaters. Auch Maras Mutter lebt dort.

Mit einem Halbjahresvisum ist Mara in die USA gekommen, hat dort als Krankenschwester gearbeitet – wobei offenbar schon dieses Visum und die Arbeit im Grauzonenbereich liegen. Sie hat den Dialysepatienten Daniel (Dylan Smith) kennen- und lieben gelernt. Er sei von einem Baum gefallen. Kurz vor Ablauf des Visums heiratet sie ihn. Sie hat keine Green Card, darf also offiziell nicht arbeiten.

Den Hauptteil des Filmes nimmt die Geschichte um die Green Card und den Beamten ein, der die ausstellen oder verweigern kann, Moji (Steve Bacic). Auch dieser Beamte erweist sich als erstaunlich anfällig für den Grauzonen-Bereich. Deswegen sucht Mara Rat bei einem Anwalt mit Migrationshintergrund. Der hat seinen Idealismus längst abgelegt. Ist aber neugierig, Mara zu helfen.

Maras Charaktereigenschaft der Aufrichtigkeit, die zwar manchmal Probleme hat, die Wahrheit zu sagen, speziell, wenn es um behördliche Befragungen zum Intimleben mit ihrem Gatten-Patienten geht, erweist sich als eine treibende Kraft, die Licht in diese Grauzonen bringt und Prozesse beschleunigt, aber auch ziemlich heftig werden lässt. Wodurch wiederum neue Tatbestände zu verhandeln wären.

Wobei Mara selbst im ständigen Konflikt steht, für ihren bald nachgereisten Sohn und sich ein gutes Leben zu ermöglichen unter den beschränkten finanziellen Möglichkeiten, der aber Tricksereien und alles Korrupte fremd sind.

Im Grunde genommen ist sie einfach nur irritiert und angewidert von der Welt, wie sie sich ihr in diesen diversen Grauschleiern bietet. Und aus der sie nicht heraus kann. Das ist vielleicht der Grund dafür, dass sie eine Pistole versteckt hat.

Ioana Uricaru erzählt die Geschichte so, als sei sie am Rande des Anstandes, als sei es etwas Ungehöriges, über das sie berichtet. Das verleiht dem Film seinen besonderen Reiz, den Grauzonenreiz, wirft aber auch ein trübes Licht auf Amerika.

Comments Kein Kommentar »

Von den Vorteilen der Langsamkeit und des Spätentwicklertums.
Eine irre Geschichte. (Wer sich überraschen lassen will, der darf nicht weiterlesen, sollte sich gleich eine Kinokarte besorgen). Denn Überraschungen hält dieser Kletterfilm zur Genüge bereit.

Für so ein Drehbuch würde kein Autor, und schon gar nicht in Deutschland, eine Finanzierung bekommen. Da es sich aber um eine Dokumentation handelt, nämlich von Josh Lowell und Peter Mortimer, ist es eine Geschichte, die das Leben schrieb. Und das sind nicht unbedingt die schlechtesten.

Tommy Caldwell ist ein merkwürdig langsamer, retardierter Junge. Erst mit zwei Jahren lernt er gehen. Niemand traut ihm etwas zu. (Gut, das könnte noch Klischee für eine Romantic Comedy oder eine Heldengeschichte abgeben).

Tommys Vater ist ein Kraftprotz, Bodybuilder, ein verrückter Kerl. Die Familie wohnt am Yosemite Nationalpark. Tommy saugt das Klettern und Kraxeln mit der Muttermilch auf. Der Film kann dabei auf Archivmaterial aus der Familie zurückgreifen.

Mit 16 macht er eher zufällig bei einem Kletterwettbwerb mit und gewinnt, bezwingt eine Wand, die vorher noch keiner bezwungen hat. Von dem Tag an ist er ein Star.

Erste hochdramatische Wendung: mit einer Kletterexpedition nach Kirgistan gerät er mit seiner Freundin und zwei weiteren Expeditionsmitgliedern in Geiselhaft von Aufständischen. Sie werden praktisch aus einer Steilwand herausgeschossen. Nach Tagen des Hungerns schafft Tommy die Befreiung der Gruppe, weil er den einzig verbliebenen Bewacher bei einem Aufstieg eine Wand hinunterstößt.

Ab hier muss er mit den Komflikt leben, einen Menschen umgebracht zu haben. Das schweißt zwar seine Liebe zu Beth zusammen, legt aber auch schon den Riss an.

Nächster Schicksalsschlag. Beth, seine Lebens- und Kletterkameradin, verlässt ihn nach 8 Jahren der Ehe.

Weiterer dramatischer Twist: an der Sägemaschine schneidet er sich einen halben Finger ab. Klettern ist nicht mehr möglich, lautet die einhellige Meinung der Experten.

All diese Aussichtliosgikeit weckt in ihm offenbar ungeahnte Kräfte, er muss sich beweisen. Er will die von der Morgensonne bestrichene Dawn Wall vom El Capitan auf einer neuen Route bezwingen.

Hierzu tritt eine neue Figur ins Spiel, denn er braucht einen Begleiter. Kevin meldet sich, der in sonnigen Weinbergen aufgewachsen ist. Er kennt nur das Bouldern in Kletterhallen. Das ist eine weitere Hypothek, die nicht einlösbar scheint.

Tommy und Kevin bereiten sich jahrelang und minutiös für ihre neue, noch nie begangene Route vor. Und als ob das nicht schon Wahnsinn genug wäre, ergibt sich mitten im Aufstieg beim traversalen Pitch 15 das Problem, dass Kevin das nicht meistern zu können scheint.

Womit Tommy in den Gewissenkonflikt gerät, die Sache allein durchzuziehen dem Rekord zuliebe, oder Mitmenschlichkeit mit Kevin zu zeigen.

Aus Archiv- und Newsmaterialien, aus dem aufwändig mit Drohnen, GoPros und in der Wand postierten Kameramännern gefilmten Rekordaufstieg und aus nachgedrehten Interviews montieren Lowell und Mortimer einen spannenden Streifen, der es mit jedem Actionthriller aufnimmt.

Es ist innert einem Jahr der dritte Film, der Ibuprofen erwähnt. Wie schon in Zwischen zwei Leben – The Mountain between us und No Way out – Gegen die Flammen, beides Katastrophenfilme. Dabei waren kürzlich kritische Stimmen zu dem Schmerzmittel zu vernehmen.

Comments Kein Kommentar »

Gut gemeint, gut gemeint, kulturelle Gräben aufzeigen und gleichzeitig zuschütten.
Die erstarrte Familienkultur aus Persien und die fortschrittliche in Deutschland. Wir wissen, dass das schwierig ist und wir bekommen das in diesem Film von Susan Gordanshekan auf Farsi und Deutsch vorgezeigt und aufgezeigt, so dass jeder Fernsehredakteur (und es sind ihrer einige daran beteiligt, dass Zwangsgebührengeld hier einmal mehr ohne Aussicht auf Kinoerfolg verbrannt wird) es verstehen kann und jede Kirchenmaus auch.

Mein Problem mit dieser Art von Film ist seine Projekthaftigkeit, die deutlich die Filmbegeisterung und Filmaffinität übersteigt. Es soll auf die Probleme hingewiesen werden eines Iraners, der in Deutschland bereits Arzt ist und mit nur wenig Akzent ein angenehm weiches Deutsch spricht: Klan (Hadi Khanjanpour). Er ist in gutem Alter und in guter Position an einem Krankenhaus. Er soll nach dem Willen seiner Eltern eine Frau aus dem Iran heiraten, obwohl er selber längst nicht mehr flüssig Farsi spricht.

Es geht also um das Thema der arrangierten Ehe, das hier wenig begeisternd und mit merkwürdigem Ernst vorgekaut wird und womit gezeigt werden soll, dass das nicht so richtig funktionieren kann, oder erst nach einem Besuch auf dem Oktoberfest, das hier als Rummel bezeichnet wird, und nachdem ein blau angestrichener VW-Bus des BR durchs Bild geflitzt ist.

Aber das scheint eh nur proforma über die deprimierende Handlung drüber gestreut, um zu einem Ende zu kommen nach 93 Minuten, damit die Ware auch noch am Fernsehen im Spätprogramm versendet werden kann.

Mit seiner Frau Mina (Pegah Ferydoni) habe ich insofern Mühe, als bei der Figur die Intelligenz, mit der sie ihr Leben bewältigt, nicht richtig klar wird, ob sie schlau ist, listig, kalkulierend, durchschauend, wie weit sie handlungsfähig ist; sie spielt das in einer Art dusseliger Opferrolle.

Es scheint auch, dass die Regisseurin keine gute Beobachterin ist. Sie sollte mal in München auf den Straßen schauen, wenn junge arabische Touristinnen erstmals ohne Kopftuch durch die Stadt flanieren und shoppen gehen; man sieht ihnen die Röte im Gesicht an, diese Mischung aus Scham und emanzipativem Stolz. Dies passiert so selten wie Regen in der Wüste – aber es ist schon vorgekommen.

Wenn man in einem Film so einen Moment – hier geht es darum, dass Mina das erste Mal ins Schwimmbad geht – bringen will, was ja sehr kostbar wäre, dann sollte er auch überzeugend gearbeitet sein.

Hier wird lediglich nicht klar, ob sie sich bedröppelt fühlt oder ob sie nicht so intelligent ist. So sind öffentliche Gelder sinnlos vertan. Und wer will schon unerfüllten Liebeskrampf in Bettszenen verklemmter Teilnehmer schauen? Auch das müsste entweder stilisiert, eventuell mit komödiantischem Einschlag, nichts ist so tragisch, dass es nicht auch was Komisches hätte, präsentiert werden oder dann über Erzählungen oder anders.

Die Regisseurin aber zeigt mit großem Bemühen Details, die nicht der Rede wert sind, lässt Sätze sprechen, die nicht themenfördernd wirken: „Ich muss rein“, „ich muss jetzt los, sonst komm ich zu spät“, oder: „ich muss mich jetzt auf die Arbeit hier konzentrieren“.

Ganz unplausibel ist auch, dass sie eine Bomberjacke kauft und vor allem wie sie offenbar kein Gefühl dazu entwickelt. Wie bei dieser Art Film generell auf plausible Handlungen und Vorgänge verzichtet wird, der These, die vorgetragen werden soll, zuliebe; ein schweres Manko.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Comments Kein Kommentar »

Absehbar anrührende, weil gekonnt gemachte britische Sozioromanze. Zwei Schwestern entfremden sich, weil die eine in eine höher Klasse hineinheiratet. Die Charakterlosigkeit ihre Mannes bringt sie zurück zur Schwester. Der Tanz erledigt den Rest, dass sie sich wieder verstehen und dass das verlassene Schwesterherz ein neues Glück findet. Siehe die Review von stefe.

Comments Kein Kommentar »