Porträt des Filmemachers als eines alten Mannes.
Er wird nicht aufgeben, er wird für immer leben, das Künstlertum wird überleben.
Als junger Mann hat der Regisseur Toby (Adam Driver) in Schwarz-Weiß ganz seriös einen Don Quixote – Film in Spanien gedreht. Er wollte Wahrhaftigkeit und hat Leute aus dem Dorf besetzt. Für den Don Quixote überredete er den Schuster (Jonathan Pryce). Der Schuster als Künstler oder Schuster bleib bei deinen Leisten oder Hans Sachs, der Schuhmacher und Spruchdichter; naheliegende Assoziationen. Angelica (Joana Ribeiro), ist die Tochter des Kneipiers.
Den Film hat Toby längst vergessen. Er ist ein Erfolgsregisseur geworden dank Werbung für Wodka; er spürt die Faust des Produzenten (Stellan Skarsgard) im Nacken, vor Augen die verführerischen Schönheiten des Films und die Frau des Produzenten, Jaqui (Olga Kurylenko) ist auch nicht ohne; den Kopf hat er gefüllt mit den Bildern von allerlei Ikonographien des Films, der spanischen Renaissance, der Don Quixote Geschichte und am Horizont drehen sich Windräder in einer langen Reihe.
Toby soll einen Werbespot mit dem Quixote-Motiv drehen. Er leidet unter Leere. Eine Kopie seines Studentenfilmes wird ihm zugespielt. Er braust mit dem Motorrad vom Set weg durch die spanische Landschaft an den Drehort seines Studentenfilmes „Los Suenos“ (Die Träume).
Nichts ist, wie es war. Don Quixote hat sich auf die Vermarktung seiner Vergangenheit spezialisiert; in einem abgerissenen Unterschlupf tritt er gegen Eintrittsgeld in einem Dunkelraum in seiner Uniform auf und sagt seine ersten Sätze, mit denen Terry Gilliam, der mit Tony Grisoni auch das Drehbuch geschrieben hat, den Film eröffnet. Schön klassisch. Quixotes Frau, ein altes Weiblein, besorgt die Technik mit Anwerfen einen Motors für die Lichtmaschine.
Die Sache endet unglücklich, aber Quixote erkennt allmählich seinen früheren Regisseur, der ihn erst nach oben gebracht und dessen Ruhm er so schäbig nun auswertet. Die Bude fackelt ab, es gibt ein Intermezzo mit der Polizei. Die beiden brennen durch.
Regisseur Toby wird immer mehr zu Sancho Panza, das ist der mit den Klamottengags, mit den „rustikalen“ Streichen, von denen es zur Genüge im Film gibt (gleich zu Beginn verhängt sich Quixote im Windmühlenflügel und die Technik kann das nicht sofort beheben), bis zuletzt wird das ausgereizt, wenn er einer Erscheinung von drei Riesen, die aussehen wie Sumokämpfer, begegnet und gegen sie kämpft.
Jetzt sind die beiden auf dem Weg, sich ins irre Bilderuniversum im Regiekopf zu begeben und sich dort zu den mannigfachsten Abenteuern zu verirren.
Die aufwändigsten Settings sind ein spanischer Königshof, ein Maskenball und der Werbekunde Alexei (Jordi Moila) als spanischer König (der Kunde ist der König, der Satz gilt).
Auch die Folklore und die religiöse Folklore ist spendabel mit ihren Sujets von der Selbstauspeitschungsprozession bis zum Gebrauchsgegenstandsmonument, das abgebrannt wird bis zur wahnwitzigen Fahrt zum Mond.
In all dem schwelgt Gilliam zügellos bis an die Grenze vom Mummenschanz und mit klarer Priorität des Bildwerkes vor dem Sinnwerk. Gilliam tobt sich spanisch aus, bis ihm die Szenerien über den Kopf wachsen zur fröhlichen, iberischen Scherzkekserei.
Dazu visionäre Szenen in wilden Mülldeponien, wüstenhaften Landschaften, Muslimas mit Schnurrbart und unter Terrorverdacht, Anzugsmänner mit Knopf im Ohr und statt von der Muse wird der Regisseur vom Schaf geküsst.
Es scheint, dass dem Regisseur seine Figuren und Bilder sich verselbständigen. Sie geraten in einen irren Bildersog von unwiderstehlicher Kraft, nachdem der Film anfangs mit seiner Exposition nicht besonders originell und merklich geknarzt und geharzt hat. Da war der Regisseur ja auch noch nicht von der Muse (oder vom Schaf) geküsst.
Jetzt haut sie ihm seine eigenen Kreationen um die Ohren.
Sancho Panza und Don Quixote als zwei Beschreibungen von Grundelementen des Künstlers und seines Verhältnisses zu Luftschlössern, was diesen „großartigen Tag für Abenteuer“ ermöglicht – und mit hinterlistiger Ironie unterlegt.
Quixote kämpft gegen die Schimären der Bilder in seinem Kopf. Und als Sancho Panza liefert er die derben Gags. Das Derbe gehört zur Kunst wie der Misthaufen zum Bauernhof oder der Müll zur Zivlisation.