Ein wichtiger Film,
der auf jeden Fall in Bayern einschlagen dürfte mit dem großartigen Johannes Zeiler als Protagonist Landrat Hans Schuierer von Schwandorf, der ungewollt zum Helden für die Demokratie wird.
Wie es dazu kam, das schildert dieser Film von Oliver Haffner (Ein Geschenk der Götter), der mit Gernot Krää auch das Drehbuch verfasst hat.
Haffner geht sehr genau, sehr skrupulös und anfangs sehr bedächtig vor, um die Entwicklung des beliebten Landrates zur Symbolfigur für den Widerstand gegen das Projekt der Atomwiederaufbereitunsanlage WAA und gleichzeitig zum Hassobjekt der bayerischen Staatsregierung nachzuzeichnen.
Dabei wird klar, dass es sich, da es um Demokratie und um den Schutz der Menschen vor unalkulierbar risikobehafteten Technologien geht, um einen großen und universellen Kinostoff handelt.
Hier wird er regional behandelt und es bekommt dem Film gut, dass der überwiegende Teil der Darsteller bayerisch spricht (nicht so wie im Frankentatort, wo das Fränkische das Exotische bleibt).
Haffner fängt 1981 mit einer Bürgerversammlung an, die klar macht, wieso die Idee eines industriellen Großprojektes hier auf fruchtbaren Boden fallen könnte. Es ist noch die Zeit des Kalten Krieges (das findet allerdings im Film keinerlei Erwähnung). Schwandorf liegt im Zonenrandgebiet, ist strukturschwach und von Abwanderung bedroht. Der Landrat verspricht den Anwesenden, alles in seiner Macht stehende zu tun, um dem zu begegnen.
Dann streckt die bayerische Staatsregierung die Fühler aus wegen des Baus der WAA. Wobei sowohl Staatsregierung als auch das Drehbuch mit dem Mittel der Vergeheimnissung arbeiten, so dass das Erzähltempo noch langsamer wirkt, was zu Lasten konkerter Vorgänge und Handlungsauslöser geht.
Dass die Gegend behaglich ist, das zeigen Landschaftsaufnahmen oder der Blick der „roten Radler“, ältere Herren mit dem Bürgermeister voran, die in roten Trikots eine Anhöhe hinanstrampeln, um hinunterzuschauen.
Bald taucht Fabian Hinrichs als Karlheinz Billinger auf als Vertreter von DWK, der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen. Er berichtet von der Risikolosigkeit des Unternehmens. Warum aber ein hundert Meter hoher Kamin nötig sei, um die Abluft mit radioaktiven Restbestandteilen zu verteilen, das kann er nicht beantworten.
Es folgt Sigi Zimmerschied, der seinen bayerischen Minister doch recht kabarettistisch anlegt und von der Gefahrlosigkeit der Wiederaufarbeitung schwärmt. Wie denn auch bauerntheaterhafte Elemente Einzug finden. Auch in der Dialogbearbeitung mit Scherzen, die aus dem Umfeld des Komödienstadls entstammen könnten. Wenn Schuierer sich von seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Bössenecker (Peter Jordan) trennen muss, weil der versetzt wird, kommentiert er das mit, gerade jetzt, wo er sich an ihn gewöhnt habe.
Oder sich Sache mit dem Schnaps, den Bössenecker ihm kredeznt, das sind typische Bauerntheaterelemente geenau so wie die Weißwurstwitze – überall und beliebig verwendbar.
Wie Schuierer anfängt, zum Thema sich kundig zu machen, weil er stutzig wird, zB wegen dem Kamin, wird er immer skeptischer, weigert sich schließlich, die nötige Unterschrift unter das Bauvorhaben zu setzen. Worauf die bayerische Staatsregierung flugs das entsprechende Gesetz ändert – es gelte übrigens heute noch, ist im Abspann zu lesen.
Das war der Anlass für den Seitenwechsel. Als Bürger schließt er sich dem Protest an. Der nimmt zeitweilig enorme Ausmaße an, weil die in München das überhaupt nicht kapieren, weil die völlig abgehoben leben, vergreifen sie sich massiv in den polizeilichen Mitteln – noch ganz ohne das neue PAG des aktuellen Ministerpräsidenten. Das führt zu unschönen Gewaltszenen, zur Ausweitung des Protestes, der sich zur nationalen Aktion ausweitet. In diesem Zusammenhang wird Originaldokumaterial in den Film eingespeist.
Dass er prima mit den Schauspielern arbeitet, hat Haffner schon in seinem Vorgängerfilm „Ein Geschenk der Götter“ gezeigt. Nach dem gemächlichen Anfang entwickelt der Film einen Sog entsprechend der Ereignisse und dann sind die zwei Stunden plötzlich um. Noch kein Meisterwerk, aber ernst zu nehmende Filmemacherei.