Lebenslinien Rudolph Moshammer – Was vom Traum geblieben ist (BR, Freitag, 17. September 2018, 22.00 Uhr)

Keine noch so durchschnittliche Fernsehware kann Glanz und Faszinosum des Rudolph Moshammer beeinträchtigen.

Auch nicht diese „Lebenslinien-Ausschlacht“-Lebenslinien von Stefanie Illinger unter der redaktionellen Obhut von Christian Baudissin.

Es sollte möglichst wenig Kosten. Spardruck wegen immer schwerer zu legitimierender Zwangsgebühren führt zu diesem lieblosen Kuddelmuddel und Zusammengestöpsele aus einer Lebenslinien-Produktion des BR von 2001, aus Archivmaterialien und aus Statementabsonderungen von Menschen, die mit ihm zu tun hatten oder von solchen – und das scheint der Hauptzweck dieser Sendung: Werbung für ein weiteres BR-Produkt -, die in einem BR-Film Moshammer und sein Ambiente darstellen.

Wobei diese Ausschnitte aus dem hiermit beworbenen TV-Spiefilm eher Stirnrunzeln verursachen, wenn man sieht, was für ein groteskes Paar dieser Modezar mit seiner zwei Köpfe kleineren Mutter doch war und dann wird diese mit einem gremienkompatiblen Subventionsstar besetzt, da möchte man sich gleich in den Haaren raufen. Szenenausschnitte, die vermuten lassen, dass der Filmmoshammer auf ein TV-Durchschnittsformat geschrumpft wurde (der TV-Film kommt dann doch anders, siehe Review vom nächsten Mittwochabend).

Immerhin kommt in den Originalzitaten das unendlich große Herz von Moshammer zum Ausdruck. Und vor allem die dunkle Motivationsseite, eine mindestens, für seinen Ehrgeiz nach Prunk und Berühmtheit, der Niedergang zuhause von feinen Verhältnissen zu weniger feinen bis zu den Alkoholexzessen des Vaters und dem heimlichen Auszug von Rudolph und seiner Mutter aus der Wohnung; denn die Polizei konnte nichts machen.

Hier macht es sich der BR ziemlich einfach, ein Moshammer wäre mit solcher Zusammenschusterei nie und nimmer zufrieden zustellen, er, der Perfektionist.

Das macht der Film immerhin klar: die Marke fehlt in München. Aber vielleicht ist das auch symptomatisch, dass München inzwischen einen Wachstumsschub hinlegt, der alle hergebrachte Identität zu sprengen droht. Denn irgendwie war dieser selbsternannte Modezar auch rührend provinziell. Und ebenso provinziell das Naserümpfen einer gewissen Münchner Society. Aber das große Herz, das kann Moshammer keiner absprechen; da könnten sich alle ein Stück abschneiden davon – und es bliebe noch genügend übrig.

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