Harte Bandagen.

Männerwelt. Limousinen, Chauffeure, Handlanger, Mächtige, Sonnenbrillen, Pistolen, Clans, Yakuzos und Choreographien der Macht.

So wie allein die Limousinen (aller Herren Länder) in diesem Film von Takeshi Kitano inszeniert werden, genau so, wie die Autoindustrie sie bewirbt: als Statussymbole, als Machtsymbole blitzblank sauberer Macht. Das Blut spritzt neben der Werbung.

So wenig für mich als Mitteleuropäer das Gespinst der verschiedenen Clans, ihrer Strukturen, ihrer Verbandelungen und Verfeindungen, der Gegensatz Japan-Korea durchschaubar ist, so glasklar kommen die Machtstrukturen rüber (Frauen kommen nicht vor in diesem Film, wo bleibt die Quote, haha) und da sie ihren Ausdruck und ihren Status und Wert in den Limousinen sehen, es gibt auch welche von Mercedes und BMW, so sehr sind die hier perfekt inszenierten Machtkämpfe übertragbar auf unsere Autoindsutrie, auch wenn sie sich wohl dagegen wehren würde, mit dem japanischen Clan- und Yakuzowesen verglichen zu werden.

Letztlich sind die Machtstrukuren straff, die Hierarchien knallhart und insofern auch vollkommen unglaubwürdig, dass die Abgastrickserein an den Spitzen der Konzerne nicht bekannt gewesen sein sollen. Man könnte dieses Gemälde von Macht im wirtschaftlich-politischen Berich direkt als Indiz nehmen, als Hinweis, dass eben die Chefs von allem wissen.

Takeshi Kitano, der das Buch geschrieben hat und die Regie führt, spielt selbst die Rolle eines Yakuzo, der etwas außerhalb des Clanwesens auf einer koreanischen Insel mit einem Kumpel fischt. Zur Abwechslung schießt er mal einen Aal im Wasser entzwei. Sonst behält er die Ruhe.

Dann muss er doch eingreifen in Japan, wo die Dinge nicht so laufen wie geplant. Beim einen Clan ist einer Chef geworden, der ein Quereinsteiger ist, einer von außen, der Devisenhändler war, einer, der nicht tätowiert ist – und der beseitigt werden muss.

Einfach geht es nicht. Einfach geht es ja auch nicht mit dem amerikanischen Präsidenten. Aber es geht auf Umwegen und mit vielen blutigen Zwischenfällen.

Einmal mäht Takeshi als Otomura mit einem Regenschirm und dem schießenden Kumpel eine halbe Generalversammlung des Hanabashi-Clans nieder. Oder er hat noch kurz was zu erledigen. Meist steht er eher fassungslos mit leicht gesenktem Kopf da, alle Antennen offen und der Griff zur Pistole ist nicht weit.

Die deutsche Synchro dürfte prinzipiell zur Stimmung passen, hat sich vielleicht etwas zu sehr auf die Masche dieser bedrohlich-kehligen Stimmführung fixiert. Das verhilft aber dem Film mit zu einem konsequenten Stil, der vor allem Symbol sein will für menschlich-männliche Machtstrukturen, die gnadenlos durchgesetzt werden. Insofern ein allgemein gültiges Abbild, das als Folie selbst, allerdings mit gehörig differenzierenden Nuancen, auf die deutsche, auf die bayerische Politik angewandt werden könnte.

Und die Rolle von Takeshi erhält? (Klar: die Kanzlerin; wobei ihre Raute einmal von einem Yakuzo verwandt wird).

Wie Machtapparate reibungslos zu funktionieren versuchen. Undemokratisch selbstverständlich.

Hinterlassen Sie einen Kommentar