Wie wirken Antidepressiva auf die Fische?

Diese Frage beleuchtet einen winzigen Aspekt aus dieser großen, ruhigen Dokumentation über die Ostsee und deren Anrainer von Volker Koepp (In Sarmatien), der mit Barbara Frankenstein auch das Drehbuch geschrieben hat, und die Uwe Mann oft aus der Perspektive eines Caspar David Friedrich großartig und gemäldehaft fotografiert. Das wird explizit in einer Szene mit einem Berufsfotografen an einer versteckten Stelle mit Findlingen im Meer in der Nähe von Greifswald.

Volker Koepp stammt aus dieser wunderbaren Ecke Europas. Er hat sich in seinen Filmen immer mit dieser Region befasst. Er ist kein Mäuschen- oder Ineinanderverzopfdokumentarist. Er fasst den Begriff deutlich weiter. Bei ihm gehören profunde Kenntnis des Gegenstandes genauso dazu wie das Interesse mehr und Neues zu erfahren, das Gespräch mit den Menschen auf Augenhöhe zu suchen und zu finden und auch immer wieder seine Biographie ins Spiel zu bringen.

Koepp beleuchtet mit seinen Interviewpartnern Aspekte der Natur und des Meeres (die Titelfrage zu dieser Review stammt von einem Meeresbiologen, der besorgt ist über die Zunahme der Todeszonen in der Ostsee und der von der Schwierigkeit erzählt, Einträge ins Meer auf ihre Herkunft hin zu bestimmen, ob menschengemacht oder natürlich).

Es geht um das denkerische Potential, hier ist Emmanuel Kant aus Königsberg hervorragend. Aber auch um den bildnerischen Bereich, eben Caspar David Friedrich, den dichterischen mit einem Zitat von Tomas Tranströmer, das dem Film vorangestellt ist „Unendlich hoch stehen die Wolken. An den Wurzeln des Himmelsbaums wühlt das Meer, zerstreut und wie auf etwas lauschend“.

Die Ostsee als wachsender Industrieraum: Windparks, Flüssiggasterminal, Frachtschiffe, Fähren, Kreuzschifffahrt, der Tourismus und seine Hotelburgen. Aber auch den militärischen Bereich streift Koepp. Ein schwedischer Oberst im Ruhestand spricht über ein gesteigertes, ungutes Gefühl im Baltikum, das Russland wieder vermehrt als Bedrohung wahrnimmt. Die Meinung teilen andere, aber nicht alle.

Koepp hat den direkten Draht zu Fischern, kleinen Fischern, die hoffen, dass die Robben ihnen nicht den Fang wegfressen, oder die einen deutlichen Rückgang verschiedener Fischarten feststellen.

Zwischen den Interviews gibt es einmalige Aufnahmen vom Meer, vom Horizont, von den Wolken, von Strand und Dünen, von den verschiedensten Licht- und Wetterstimmungen. Es bleibt genügend Zeit, den geistigen Input zu verdauen. Für die Interviews stehen die Protagonisten vor der Kamera; Koepp stellt ab und an Fragen. So entsteht ein persönliches, vielschichtiges Bild dieses Gebietes, dieses einmaligen Kultur-, Natur- und Industrieraumes, geprägt von einer tiefen, liebenden wie besorgten Zuneigung, „staunend ergriffen“.

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