Und der Haifisch, der hat Zähne,

doch der Film über ihn leider nicht. Denn ihn hat Joachim Lang gemacht, der mehr Wissenschaftler denn Filmmensch ist.

Wer fleissig Indizien sammelt, kann in dem Konglomerat aus verschiedenen Ansinnen des Autors und Regisseurs, die teils auch noch fernsehaffin ineinanderverzopft sind, erkennen, dass es darum geht, die Geschichte der Verfilmung der Dreigroschenoper zu erzählen, die Brecht bereits für die Bühne geschrieben und aufgeführt hatte.

Diese „Erzählung“ passiert höchst kunstgewerblich in einem Ineinanderverschnitt von Proben, Szenenausschnitten, Hinter-der-Bühne-Gesprächen. Wobei Lang Wert darauf legte, möglichst viele Quellentexte original zu verwenden nebst zeitgeschichtlichem Archivmaterial.

Das führt zu einer gewissen Gestelztheit der Dialoge, die geradezu handlungshemmend wirkt und den Konsum des Filmes vergleichbar macht mit der Lektüre eines wissenschaftlichen Textes, in den noch sämtliche, teils ausführlichen, Fußnoten eingearbeitet werden. Das mag für Menschen mit wissenschaftlichem und historischem Interesse dieses Brechtstückes und der nie zustandegekommenen Verfilmung aufregend sein, für den Zuschauer, der eine spannende Geschichte serviert bekommen möchte, in der es gleichwohl Historisches mit aktueller Ausstrahlung zu sehen gibt, wirkt das wie ein schwer verdaulicher Kloß.

Diesen Effekt erhöht noch die unruhige Kamera, die vor allem statisch dozierendes Theater abfilmt – vielleicht ein bewusster Effekt der Verfremdung in Anlehnung an Brecht und gleichzeitig eine Desintepretation der Brechtschen Methode des epischen Theaters.

Der Film wurde mit einem Großaufgebot deutscher Subventionsstars besetzt. Lars Eidinger versucht den Brecht mit der Zigarrenpose zu retten und mit ordentlicher Sprecherei, ja nie privatistisch, so wie die Originalstimme gegen Schluss doch einen differenzierteren Menschen vermuten lässt. Tobias Moretti spielt den Mackie Messer theatralisch stabil.

Dass die Songs, die berühmten, bekannten, nicht so wirkungsvoll rüber kommen, liegt zum einen oft an den Stimmen, vielleicht auch am Tonmanagement des Filmes, aber auch daran, dass diese noch unterschnitten sind – Brecht im Quadrat antikonsumentenfreundlich. Auch an Kostümen und altmodischem Studiolicht wurde viel Aufwand gegtrieben.

Die FBW, die Deutsche Film– und Medienbewertung Wiesbaden, war sehr angetan von dem Film. Sie hat ihm das Prädikat „Besonders wertvoll“ verliehen. Sie begründet es damit, dass es sich um ein „außergewöhnliches filmisches Erlebnis“ handle. Sie findet auch, dass „durch geschickte dramaturgische Wendungen .. die Verbindung des literaturhistorischen Stoffes mit aktuellen gesellschaftlichen Konflikten gelinge“ – das wird meiner Meinung nach mit einer Überblendung in die Heutezeit dick und plump aufs Auge gedrückt, garantiert kein filmisches Highlight und ohne jeden Erkenntniswert.

Der FBW gefällt, dass der Film Brechts Theaterkunst huldige, indem er sie meisterhaft auf die filmische Ebene übertrage. „Meisterhaft“ erscheint mir doch eine sehr gewagte Etikettierung. Die FBW findet, dass Lang „mit Esprit und Lust“ inszeniere – da wäre ich dankbar für einen Hinweis auf die Stellen, an denen das sich äußert. Weiter meint die FBW, dass sich das auch „in der großen Spielfreude des Ensembles“ widerspiegle, wobei die FBW, zumindest wie ihr Text im Presseheft widergegeben wird, widerspiegeln als wiederspiegeln schreibt – da spiegelt sich nicht allzuviel Sprachkompetenz der FBW wider!

Der harte Schnitt, die Probleme der Perzeption von endlosen Reihen von Nahaufnahmen, die dem Filmemacher offenbar nicht bewusst sind, sind auch der FBW nicht aufgefallen, nicht die Rhythmusprobleme, das Zerfaseln der Erzählung, die wie verlangsamtes Theater daherkommt, noch, dass die Regie den Chor nicht führen kann (eine Elementardefinition von Regie), noch die notleidende Montage – oder dass der Film der alten Kunst des In-Marmor-Meisselns näher steht als der modernen Bildherstellung mit Pixeln, noch sind ihr die eher bescheidenen, wenig lust- noch witzvollen und vor allem oft überflüssigen Tanzillustrationsbeilagen aufgefallen, noch dass die Songs nicht gerade ohrwurmhaft rüberkommen (aber die Jenny, Britta Hammelstein, die singt gut!).

Dagegen waren die FBW-Juroren hin und weg von der „berückenden Mischung aus Süffisanz und Eloquenz“, mit der Eidinger den Bert Brecht darstellt. Die Begründung für die Prädikatisierung des Filmes durch die FBW zeigt, dass man jedem Bilderwust auf der Leinwand Gutes abgewinnen kann, auch wenn er richtig genussfeindlich und kaum geistanregend zusammengestellt wurde. Diese Begründung stellt jedenfalls der FBW, hier die Jurymitglieder kein Glanzzeugnis aus.

Brecht zu sehr beim Wort genommen, das Publikum solle sich nicht in den Stoff einfühlen – episches Kino? In diesem Sinne gezielt abtörnend.

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