„Ist das eine Mutter?“

„Die legt sich doch in den Straßengraben und dann ist sie tot.“ So spricht der Zuhälter Wickmayer (Wim Opbrouck) zu Cobain (Bas Keizer), seinem 15-jährigen Mitarbeiter, über dessen Mutter Mia (Naomi Velissariou). Sie ist schwanger, in Geldnöten und ein Junkie.

Es herrscht eine widersprüchliche Spannung zwischen Mutter und Sohn. Der Sohn, der in einer Pflegefamilie untergebracht ist, möchte zu seiner Mutter. Sie will nicht. Er findet Unterschlupf bei Wickmayer, hilft mit, wo er gebraucht wird.

Nebenbei lernt er mit einer von Wickmayers Prostituierten den Sex kennen. Mutter taucht bei Wickmayer auf. Der spricht nur negativ über sie, verjagt sie. Cobain bekommt Mitleid mit seiner Mutter. Er fängt an, sich sich um die Hochschwangere zu kümmern.

Das sind die existentiellen Grundparamater: Mann, Frau, Kind, Mutter, Sohn. Hier wird der halbwüchsige Sohn, der sich schon rasiert, aber es ist nicht klar, ob es wirklich etwas zu Rasieren gibt, zum Beschützer seiner Mutter.

Grundlegende Verwandlung eines Menschen. Die erzählt Nanouk Leopold nach dem Drehbuch von Stienette Bosklopper unaufgeregt und extensiv, sie lässt die Dinge passieren, ab und an unterfüttert sie sie mit einem konturierenden Elektrosound.

Der Film folgt dem jungen Mann, der erst so wild entschlossen und ernst guckt wie ein junger Boxer, der losgelöst ist von der familären Bindung und noch keinen Ersatz hat. Wie ein umherstreifender junger Wolf. Dann doch bei seiner Mutter hängen bleibt, aber nicht mehr als Sohn sondern als Mutterkümmerer, als Betreuer, als Pfleger.

Am Schluss sitzt Cobain am Rande des Fußballfeldes, auf dem er kickt (dabei taut seine Miene auch auf), nachdenklich, weltverloren und vielleicht nach dem heftigen Erlebnis mit seiner Mutter (er wird noch zum ungewöhnlichen Geburtshelfer werden!, hart, hart) auch Welt gefunden habend in die Ferne, seine Gesichtszüge haben sich nach den Erlebnissen in diesem Film verändert, sind realer geworden, beschriebener.

Sicher suhlt sich der Film sowohl leicht romantisierend im Bild orientierungsloser Jugend als auch in der wohligen Aura des Namens Cobain. Denn der Junge behauptet, wenn er darauf angesprochen wird, er sei der Sohn des berühmten Musikers Kurt Cobain, der sich selbst umgebracht hat. Über ihn gibt es auch mindestens einen Film: Cobain – Montage of Heck.

Ein Film mit ähnlichem Thema ist der ebenfalls eindrückliche Die beste aller Welten.

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