Draußen

Mit der Pinzette präsentieren Tama Tobias-Macht und Johanna Sunder-Plassmann eine Handvoll Obdachloser, als handle es sich um seltene Insekten und Trophäen, die sie gefunden haben, die sie nun stolz aufspießen und sich freuen wie kleine Kinder.

Alles ist inszeniert, alles präpariert, nichts hinterfragt.

Mit so einem Außenseiterthema sind leicht Fernseh- und Filmfördergelder locker zu machen, ob die Filmprojekte was taugen oder nicht, ob sie einen Beitrag zum Thema Obdachlosigkeit (und wie solche in unserer Gesellschaft überhaupt möglich ist) leisten oder sich nur ästhetischen Mehrwert davon versprechen, ob sie uns ansprechen oder nicht.

Saubere Obdachlosigkeit. Zum Dreh sind die Klamotten firsch gewaschen, wird der Schlaf- und Wohnplatz ordentlich arrangiert und mit Fußballschals dekoriert.

Später versteigen sich die beiden vorgeblichen Dokumentaristinnen noch zu Auslegeordnungen im Sinne von Stilleben als bedeutungsvollen ästhetischen Values mit der Absicht der Assoziation von Kunstwerken.

Die beiden Dokumentaristinnen sind fasziniert vom Dekorativen der Obdachlosigkeit dieser Männer mit abenteuerlichen, teils kriminellen Viten, über die sie gerne und stolz erzählen. Es sind reflektierte Männer. So wie sie gezeigt werden, wohnen sie in beneidenswerten Parklandschaften (auch wenn Feuchtigkeit ein Problem ist) oder gar im Wald wie einsten Robinson. Romantik der Obdachlosigkeit.

Die Dokumentaristinnen heben die Protagonisten auf den Altar ihrer dokumentaristischen Selbstüberhöhung und Selbstzüberschätzung und opfern sie dort mitleidslos, den Zuschauer jeglicher Chance auf Empathie beraubend.

Sie üben sich ungeschickt und ohne künstlerischen Mehrwert in dieser unsäglichen TV-modischen Verzopferei der verschiedenen Geschichten oder Porträts, was das Einlassen des Zuschauer auf die einzelnen Schickale noch erschwert.

Sie glauben, keine establishing Shots oder storyfördernde Beobachtungsstandpunkte nötig zu haben. Das zu Dokumentierende ist für sie reine Bildbastelmasse, Details werden bedeutungsvoll und dick herausgestellt und der gefoppte Zwangsgebührenzahler darf blechen – einmal mehr.

Im Kino werden nicht einmal die Kinomäuse einen Blick für so einen Adventskalender übrig haben.

Am schönsten ist der subtile Hinweis des verschmitzten Kasachen und Exknastis, dass er die Kriminalität im Kino gelernt habe. Hier ist in dieser Hinsicht höchstens zu lernen, wie man auf billige Weise und ohne Denkanstrengung an Zwangsgebührengelder kommt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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