Gundermann

Ein delikates Thema

behandelt Andreas Dresen nach dem Drehbuch von Laila Stieler höchst behutsam.

Es geht um Vertrauen und Verrat und wie umgehen damit, wenn der Vertrauensbruch an den Tag kommt. Es geht um den Rockmusiker Gerhard Gundermann, ein Star in der DDR. Er hat an die Ideale des Sozialismus geglaubt, selbst als Baggerführer in Hoyerswerda im Kohletagbau Schichtdienst geleistet (die Kamera von Andreas Höfer bringt die daraus resultierenden Bilder schönstens zur Geltung).

Als Hobby hat er mit seiner Band gesungen, ist aufgetreten damit. Ihn spielt Alexander Scheer, ein angenehm unschauspielerischer Schauspieler, der gerade auch die geistige Aufmüpfigkeit, die sich aus der Orientierung am Ideal und der immer krasseren Abweichung in der Praxis ergab, prima nachvollziehbar macht.

Wobei die Regie von Dresen, der früher gerne mit seinen Ensembles – und lustvoll dazu – improvisiert hat, zu einer stärkeren Ernsthaftigkeit gefunden hat, was sich in der Glaubwürdigkeit von Figuren und Atmosphäre niederschlägt.

Es scheint nicht, dass Dresen eine Original-DDR nachspielen möchte, vielmehr evoziert er überzeugend die Stimmung, die von diesem ursprünglichen Idealismus geprägt war.

Die Erzählung des Filmes, die sich viel Zeit lässt – als ob sie ganz vorsichtig mit dem extrem schwierigen Thema umgehen möchte – splittet sich in zwei Stränge: Geschichten aus der DDR, von der Band, von Auseinandersetzungen mit den Parteifunktionären, vom Arbeitsplatz in der Kohlegrube, vom Ansinnen der Stasi, ihn als Spitzel zu gewinnen mit der Verlockung der Reisemöglichkeit. Alles dreht sich um den Zusammenhalt der Band und gleichzeitig darum, dass Gundermann der Stasi Berichte geliefert hat.

Die kommen im zweiten Strang in den frühen 90ern nach der Wende zum Tragen. Da erfährt er, dass er als IM Grigori geführt wurde. Es hat das verdrängt. Er ist sich keiner Schuld bewusst. Er versichert sich, dass keines seiner Opfer einen Schaden erlitten habe.

Hier kommt der Film dann vielleicht plötzlich zu schnell und doch allzu versöhnlerisch zum Schluss, dass Gundermann sich mit seiner Stasi-Zeit auseinandergesetzt habe, dass er halt so gehandelt hat, dass aber letztlich die Band mit ihm weiterspielen will.

Für mich ist das der ernsthafteste Film von Andreas Dresden, auch der thematisch differenzierteste und derjenige, in dem in keiner Weise mehr diese Gruppenlustigkeit der Improvisation als Nebeneffekt zu spüren ist.

Dresen kreist hochkonzentriert um dieses Thema eines Vertrauensbruches, bei dem sich Gundermann offenbar nichts gedacht hat – wobei offenbleibt, ob die Dinge, die er gesagt hat, stimmten, oder ober er seine Bandmitglieder gut dastehen lassen wollte. Hier bleiben Blindstellen im Film.

Wobei Grundmann – und das spricht für ihn – ja kein Anpasser war, er scheute die Auseinandersetzung mit den Funktionären nicht. Insofern bekommt das Thema auch so eine Einschränkung.

Durch die Vorsicht seiner Herangehensweise an ein allgmeingültiges, ethisches Thema, verbraucht Dresen allerdings viel Erzählzeit, bevor das Thema überhaupt virulent wird und auch die Songs bräuchte ich nicht in voller Länge, da ist mir zuviel der Klampfennostalgie – das dürfte den Fans geschuldet sein.

Eine grandiose Szene legt Volker (Milan Peschel), einer der von ihm verratenen Freunde, mit einer Gundermannpuppe und dem Hamlet-Monolog von Shakespeare hin. Die ist bidllich und als Kunstwerk bestechend. Aber just sie scheint mir inhaltlich nicht zielführend zu sein. Ist sie als Rufrettungsmaßnahme für Gundermann gedacht?

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