Crazy Rich – Crazy Rich Asians

Der Originaltitel lautet „Crazy Rich Asians“, also „Verrückt reiche Asiaten“.

Warum der Verleih im deutschen Titel die Asiaten weglässt, ist schwer nachvollziehbar. Haben sie Angst, dass gleich auffliegt, dass es sich bei diesem Film von Jon M. Chu (Die Unfassbaren 2) nach dem Drehbuch von Peter Chiarelli nach dem Roman von Kevin Kwan um eine Liebes- und Reichenromanze handelt, die in Asien noch einfacher erzählt werden kann, damit sie beim großen Publikum ankommt?

Denn es handelt sich tatsächlich um eine Groschengeschichte, wie sie bei uns allenfalls noch in der Regenbogenpresse publiziert werden dürfte, die Sehnsucht nach royalen Homestories befriedigend. Dazu haben wir „unser“ britisches Königshaus.

Diese Träumerromanze wird rasant, gekonnt und mit hocheffizientem Filmindustrieaufwand erzählt und mit perfekt lächelnden, aus einem enormen Pool möglicher Darsteller ausgewählten Schauspielern dargestellt, die dem einfachen Strickmuster der Geschichte bestens Genüge tun.

Rachel Chu (Constance Wu) ist chinesischen Ursprungs, wächst aber mit ihrer Mutter in New York auf. Die Mutter erzählt ihr, der Vater sei gestorben. Sie ist strebsam, studiert Ökonomie und unterrichtet diese bald, auch Spieletheorie. Dabei lernt sie Nick Young (der fabelhaft aussehende und Umgangsformen beherrschende Henry Golding) kennen. Sie verlieben sich.

Er muss zu einer Hochzeit nach Singapur fliegen und fragt sie, ob sie mitkommt. Dabei entdeckt sie, da geht es ihr ein bisschen wie Aschenbrödel, dass er aus einer der reichsten Dynastien Asiens stammt.

Deshalb fliegen sie erste Klasse mit eigenen Kajüten. Damit fängt die Schilderung des Luxus an, dem der Film gerne und breit Raum widmet. Der Zuschauer darf sehnsüchtig gucken.

Der Unterschied zwischen Alt- und Superreich und Neureich wird anhand der Familie einer Studienfreundin von Rachel erklärt: die wissen kaum wie sich benehmen in ihrem im Gegensatz zu den Youngs, doch kleinlichen Protz. Die Möchtegernreichen kriegen ihr filmisches Fett ab. Die Altreichen-Damen pflegen dagegen ihren Bibelkreis und vermengen diesen mit Klatsch.

Selbstverständlich ist Youngs Familie mit der Liebe ihres Sohnes nicht einverstanden. Nicht standesgemäß, in New York aufgewachsen, nicht dazugehörig. Solche Geschichten wollen wie nebenbei zeigen, wie schwer es auch die Reichen haben und welche Probleme, aber sie wollen glücklich enden, sonst wär es ja kein Hochzeitsfilm, wenn nicht irgendwann doch noch der devote Wunsch inklusive Offerierens eines sündteuren, exquisiten Ringes käme und der Satz: marry me!.

Der Film ist zu sehen auch als Rauchzeichen am Horizont für ein aufwachendes China, denn ihm vorgestellt wird ein Wort Napoleons „China ist ein schlafender Löwe, laßt ihn schlafen! Wenn er aufwacht, verrückt er die Welt!“ – zur Erläuterung des Wortes „Crazy“ im Titel?

Als Kontrastprogramm empfiehlt stefe Metal Politics Taiwan.

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