Christopher Robin

Trotz der massiv zackigen Regie von Marc Forster (World War Z), bleibt unübersehbar, dass es sich bei diesem Film nach dem Drehbuch von Alex Ross Perry, Tom McCarthy + 4 um ein Disney-Süßwaren-Derivat handelt.

Das wird besonders deutlich beim Vergleich mit Goodbye Christopher Robin, der erst kürzlich ins Kino kam.

Dieser Film hat die Hintergrund- und tragische Entstehungsgeschichte der Figuren von Winni Puh und Christopher Robin unterm besonderen Aspekt der Kriegstraumatisierung des Autors und des Kinderstartums eindrücklich erzählt.

Während es bei dem vorliegenden, in seiner Weise erstklassig gemachten, Hollywood-Industrieprodukt um die Ausschlachtung dieser Figur geht, um eine unterhaltsame Versüßung.

Es geht um Christopher Robin, den Sohn des Erfinders von Winnie Puuh. Aber hier interessieren nicht der Weltruhm und die katastrophalen Folgen für den Buben. Hier wird nach irre schnellem Durchblättern des Erzählbuches die Geschichte ganz schöngebogen nachskizziert.

Christopher ist erwachsen geworden. Er hat den Krieg überlebt. Er arbeitet in der Firma Winslow. Bei der kriselts. Christopher soll über das Wochenende Kürzungsvorschläge unterbreiten.

Die Besprechung mit dem Chef und die zuhörenden Mitarbeiter hat Forster satirisch überhöht inszeniert.

Christophers Familie ist enttäuscht, dass er wieder keine Zeit haben wird am Wochenende für seine Frau und sein Töchterchen. Aber statt seine Vorschläge auszuarbeiten, verirrt er sich im Wald bei Winnie Puuh und seinen anderen Stofftieren.

Das versteht Hollywood unterhaltsam zu inszenieren, wie Warenhäuser ihre Weinhachts- oder Osterdekorationen mit Spielwaren hochprofessionell und unwiderstehlich gestalten. Und die englischen Originalsprecher sind eh eine Wonne.

Im Kern geht es um Puuhs Weisheitssatz „Man sagt, nichts ist unmöglich, aber ich tue jeden Tag nichts.“ – und dass das eine kreative Lebenseinstellung ist. Wobei das Disneynichts ein quirliges voller Gags ist und die menschliche Geschichte eine schöne Rührgeschichte wird, die die tragische Dimension der Biographie dahinter erfolgreich übertüncht.

Wer die Erzählökonomie von „Goodbye Christopher Robin“ noch präsent hat, wird sich hier allerdings über eine gewisse Wurstigkeit wundern, die wiederum mit zackig inszeniert Gags kompensiert wird; zum Beispiel die Grammoaction. Es geht um mit großer Filmkelle angerührte Effekte inklusive gekonnt eingebundener Rühreffekte. Die Effekte machen den Film.

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