Via Negationis.

In diesem kleinen, feinen 2-Personen-Konversationsstück von Victor Levin tauschen Winona Rider als Lindsay und Keanu Reeves als Frank an einem rauschenden, mehrtägigen Hochzeitsfest Argumente aus, die gegen eine Beziehung und gegen die Ehe im Besonderen sprechen.

Sie ventilieren geistvoll und gebildet Positionen des Narzissmus. Dazu schleudert sie die Hochzeitsplanung von Keith und Anne mit schicksalshafter Macht, sie, die überzeugten Singles, zusammen.

Das fängt schon mit einem süperben Hickhack am Flughafen von Mokulele Air an, von wo aus sie in die großartige Schönheit der kalifornischen Berglandschaft von San Luis Obispo in einer Maschine fliegen, die eher an eine Seifenkiste erinnert. Auch da setzt der Zufall sie nebeneinander, ganz hinten im engen Rumpf.

Mit wunderbar zurückhaltender Komik und mit diskreter Verhaltenheit inszeniert Victor Levin. Wie Frank sich am Flughafen an Lindsay vorbeidrängt, so als ob er das nicht bewusst macht. Und wie sie ihm in die Parade fährt. Die Szene zeigt bereits, worauf es Levin ankommt: ganz auf die Dialoge, ihn interessieren keine Kameraschnörkel, kein Leben drumherum. Am Flughafen stehen die anderen Passagiere mehr wie abgestellte Pappkameraden rum und müssen sich nicht, Aufmerksamkeit abziehend, mit dem Mimen von Wartesituation abmühen. Das ist durchaus dem Text dienlich, der sich abgründig und nicht nur freundlich dem Thema der Beziehungskisten widmet.

Action wird höchst sparsam eingesetzt. Auf dem Rückflug verschüttet Frank bei einem Rumpler im Flugzeug Rotwein auf seiner Hose. Wobei er eh bereits dabei ist, sich über den Schraubverschluss der Weinflasche auszulassen.

Für die Trauungszeremonie, die sinnigerweise eine Sonnuntergangszeremonie über einem Weinberg sein soll, wird er Lindsay auf Armen die 30 Meter hinauftragen, weil sie das mit ihren Schuhen nicht selber bewältigen kann. Symbolik Weinberg, Symbolik Sonnenuntergang.

Während im üblichen Hochzeitsfilm die Gesellschaft zur Komparserie reduziert wird, um den Glanz auf das Hochzeitspaar zu werfen, wird hier die Hochzeitsgesellschaft lediglich als Staffage-Bild eingesetzt, ganz diskret, mehr als ein Objekt, das die beiden eingefleischten Singles gemeinsam betrachten, belästern und bemeckern.

Die Szene gehört ganz den beiden unfreiwilligen Diskutanten, denen in langen Einstellungen, in den sie meist nebeneinader sitzen, die Bühne bereitet wird. Und wenn sie mit ihren Argumenten sich gegen Beziehung aussprechen, so setzen sie just durch die Intensität der Dikussion – ganz contre coeur und Wort – mittels des gemeinsamen Betrachtens der Hochzeit, ein mächtiges Votum für Beziehung.

Ihre Gebildetheit schlägt sich nieder im Streit über die Aussprache von „Pasa Robles“ und die Abneigung gegen Hochzeit in deren Charakterisierung als Schlachtbank. Ist die Liebe Wunder oder Debakel? Aber auch: die Bequemlichkeit der Beziehungslosigkeit. Die Musik zupft leicht an Saiten, schlägt Akkorde an zum Weitersummen.

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