Kalt gekocht,

um im Kino heiß verschlungen zu werden. Diese perfekte Fotoromanze von Mike Newell (Große Erwartungen) nach dem Drehbuch von Kevin Hood, Thomas Bezucha, Don Roos nach dem Roman von Annie Barrows und Mary Ann Schaffer hat alles, was zu einer Romanze gehört und – das wird im Abspann noch ironisiert – ganz ohne Psychologie: eine junge, bildhübsche Frau, Juliet (Lily James), die schon erfolgreich Bücher veröffentlicht hat und für die Times schreibt; In Liebesdingen scheint sie nicht versaut; sie wird angehimmelt vom Amerikaner Mark (Glen Powell), reich und der unter Liebe versteht, einen Heiratsantrag mit einem protzigen Diamantring zu machen und der Geliebten pausenlos Blumen zu schicken, ein wahrer Luxus kurz nach dem Krieg im London von 1946, wo ein frisch gestrichenes Haus auffällt wie die erste Schwalbe im Frühling.

Und ein wohlgesonnener Verleger und Herausgeber, Sidney (Matthew Goode), dessen Geliebte wohl besser George oder Tom heißen sollten. Außerdem kommen typische Zimmerwirtinnen vor und eine Kanalinsel von herber Schönheit (Guernsey) mit einem Lesekreis mit dem skurrilen Namen The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society, wobei vor allem der Kartoffelschalen-Auflauf im Namen aufhorchen lässt; vor dem Degustieren des entsprechenden (Kriegs)Gerichtes wird eher gewarnt.

Es gibt den guten Deutschen, der bei der Geburt eines Kalbes hilft. Es gibt die mutige Elizabeth McKenna (Jessica Brown Findlay), die einen deutschen Besatzer mit dessen Knüppel niederhaut und Isola (Katherine Parkinson), die nie im Leben eine leidenschaftliche Beziehung hatte, aber die Herzlichkeit selber ist.

Ein Club aus lauter Einzel-, also Singlefiguren und der Naturbursch, der frisch genug ist, in jeder Schäferromanze den Schäfer zu spielen, Dawsey Adams (Michiel Huisman). Er hält Schweine und bei ihm wächst ein kleines Mädchen ohne Eltern, Kit, auf. Er ist frei. Er schafft aus literarischem Interesse den Kontakt zur Großstadt-Autorin. Die möchte über den Lesezirkel in der Times schreiben. Sie rechnet nicht damit, dass das auf so einer Insel nicht unbedingt gerne gesehen wird.

So nimmt sie Fährte auf und will stattdessen über den Krieg schreiben, der Geheimnisse hinterlassen hat; die in schnellen Rückblenden zwischengeschnitten werden, chronikhaft und dem Halbnahformat dieses Fotoromanze-Stils angepasst.

Die Recherche zieht sich, sie lässt Juliet immer wieder Dawsey begegnen (und der Zuschauer checkt wohl schneller als die beiden selbst, welche Schwingungen durch die gegenseitige Präsenz erzeugt werden), der Verlobte in London ist verunsichert, er platzt in die Insel-Rercherche-Idylle hinein, verschafft der Handlung neue Dramatik, die immer wieder angereichert wird mit literarischen Querverweisen zu Shakespeare und vor allem den Geschwistern Bronté Inbegriff von Autorinnen von Liebesromanzen, die zum Kanon von Literaturverfilmungen gehören, zu den klassischen Stoffen. Aus dem Lesekreis kommt von Amelia Maugery (Penelope Wilton) allerdings auch der Hinweis auf das Geschwätz (Gossip) – zweifelsfrei als einer Quelle für Literatur genauso wie für bestens unterhaltendes Kino.

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