Viel Fernsehsenf

von koproduzierenden Redakteuren und Filmförderern dürfte in das Drehbuch von Eran Riklis (Zaytoun, Lemon Tree, Die syrische Braut) nach der Erzählung „The Link“ von Shulamith Hareven eingeflossen sein, so dass von der Handschrift Riklis, die in seinen Vorgängerfilmen doch spürbar war und für ihn vereinnahmte, nichts, aber auch rein gar nichts mehr übrig geblieben ist.

Vielmehr der Eindruck, hier sind alle darauf bedacht mit vermutlich genügend Geld, nichts falsch zu machen. Der Film kommt einem vor, als ob er dauernd auf der Bremse stünde, er wirkt ungelenk. Wodurch nichts Richtiges zustande gekommen ist.

Dass Spionage- und Geheimdienstthriller, um einen solchen handelt es sich hier, oft etwas undurchsichtig sind, das mag noch angehen. Aber hier fehlt alles, um für eine der beiden Agentinnen oder Doppelagentinnen Empathie zu ergreifen, weil der Film neutral bleiben möchte in dem zähen Nahostkonflikt, um nicht als PR-Veranstaltung für die eine oder andere Seite wahrgenommen zu werden. Wodurch gar keine Haltung mehr ablesbar ist.

Die beiden Protagonistinnen sind sicherlich hübsche Frauen und ordentliche Darstellerinnen. Naomi (Neta Riskin), die israelische Mossad-Agentin, die nach einem zweijährigen Berufsunterbruch für einen kleinen Job nach Hamburg beordert wird und Mona (Gosfhifteh Farahani), die Doppelagentin aus dem Libanon, die bei der Hisbollah angeheuert hat und parallel beim Mossad.

Mona hat sich im Rahmen eines Schutzprogrammes in Hamburg einer Gesichtsoperation unterzogen. Bis sie mit neuem Gesicht und neuer Identität nach Kanada gehen kann, soll sie in einer wie aus dem Fernsehstudio-Fundus möblierten Wohnung in altbürgerlichem Hamburger Haus mit Lotterlift von Naomi bewacht und beschützt werden. Denn die Hisbollah ist der abtrünnigen Mona auf den Fersen.

Früh macht der Film deutlich, dass es in diesen Kreisen keine Wahrheit und keine Ehrlichkeit gibt. Insofern wirkt die Annäherung der beiden Frauen über frauliche Probleme unglaubwürdig. Naomi spritzt sich, anfangs meint man sie habe Zucker, regelmäßig etwas subkutan in den Bauch; nach langer Ungewissheit erst klärt der Film den Zuschauer auf: mit diesen Spritzen soll sie sich auf eine künstliche Befruchtung vorbereiten, da das offenbar auf natürlichem Wege bei ihr nicht möglich ist.

Mona musste in der Eile der als Eingangsszene informativ gedrehten, überhasteten Abreise aus Beirut mit einem Gummimotorboot ihren 8-jährigen Zais zurücklassen.

Erschwerend kommt eine ungünstige Kamera hinzu, die keine klare Stellung bezieht und auch mit der Rahmensetzung schwimmt, das wiederum trägt das Problem auf den holprigen Schnitt weiter, wodurch der Film von einem organischen Flow weit entfernt ist; dann verzichtet er auch noch auf gut fundierte establishing Shots.

Vermutlich aus Koproduktions- und Filmfördergründen mussten zudem Szenen in Berlin und Köln gedreht werden.

Den vorangestellten, poetischen Satz von Khalil Gibran über die Einsamkeit und das Leben als einsamer Insel im Ozean, kann der Film nicht mal theoretisch illustrieren, da er sich für die Einsamkeit seiner Protagonistinnen nicht interessiert. Im Presseheft dupliziert der Regisseur diese Intention noch: „Nichts ist sicher. Niemand ist in Sicherheit. Niemand ist immun. Jeder sucht nach einem Schutzraum, nach einer Zuflucht.“

Den haben die dreinredenden Redakteure vermeintlich in ihren öffentlich-rechtlichen Redaktionsstuben gefunden und beziehen daraus die Legitimation, einen Thriller ungenießbar zu machen, ihn auf Nummer sicher aufzumotzen – das ist das wahre Desaster an der Redakteurseinsamkeit.

Und im Fernsehen gibt es nur Terrornachrichten.

Touristisch antörnend: die Ajaltoun Monastery im Libanon.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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