Während der Kinofilm „Wackersdorf“ (ab 20. September im Kino) deutlich macht, welch dramatisches Potential die Figur des Landrates Schuirer bietet und welch wichtigen Einfluss das auf demokratische Vorgänge hat, bietet Claus Strigel unter den redaktionellen Auspizien von Christian Baudissin eine TV-weichgekochte Seitenflanke und wirft ein Licht auf die Vorgänge in Wackersdorf mit einem Porträt von Irmgard Gietl, der Widerstandssockenstrickerin. Die Kinematographie liesse es immerhin zu, diese Lebenslinien als Beiprogramm von „Wackersdorf“ auch im Kino zu zeigen.

Vor allem der Anfang kondensiert diese denkende Frau aus Maxhütte auf die Gegensätze von Armut, Überlebenskampf, Überlebensphilosophie, Ordentlichkeit, Angepasstheit und Widerstand, das Alleinsein mit dem Stricken und die Erzählungen über das Zustandekommen und den Erfolg des Widerstandes.

Aber der BR kann es wieder einmal nicht lassen, die Dreiviertelstunde auch noch mit einer nicht themenrelavanten Werbung für den Strickwaren-Online-Handel der Tochter von Irmgard Gietl anzureichern.

Die Gespräche mit dem ehemaligen Landrat Schuirer und mit dem Gründer der Bürgerinitiative haben etwas von Klassentreffen-Atmosphäre.

Die Einspieler aus der Widerstandszeit machen deutlich, dass schon damals in der bayerischen Staatsregierung von Franz Josef Strauß ein abgehobener, realitätsferner Geist herrschte, wie eine Rede von ihm deutlich macht, in der er die Menschen des Widerstandes widerlich denunziert. Nicht anders scheint es seinem heutigen Epigonen auf dem Ministerpräsidentensessel zu ergehen, wenn er vom latenten Rassismus im Lande ausgeht und den benutzt, um seinen Vorgänger, der jetzt in Berlin Innenminister ist, aufzuwiegeln. Aber Strauß ist ja auch Vorbild für diesen Übergangsministerpräsidenten aus Franken.

Der Besuch mit Frau Gietl am Drehset des Filmes „Wackersdorf“ geht über TV-Weichkocherei nicht hinaus, so schön die das Marterl nachgebaut haben. Die Begegnung mit der Schauspielerin, die die Gietl-Figur spielt, zeigt, dass es sich dabei um einen Castingmissgriff handelt, würde man dieser doch das Stricken nicht im Ansatz zutrauen und im Kinofilm kommt sie derb schreihalsig rüber, was Frau Gietl keineswegs ist, das macht das Porträt sehr deutlich; es fehlen der Darstellerin genau diese philosophischen Zwischentöne und die Skepsis, die Irmgard während des Strickens deutlich macht.

Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen, ein 15 oder 20 Minuten-Feature hätte die Substanz des Porträts wirkungsvoller gebracht.

„Mir ist mein Leben mein Stricken
oder mein Stricken ist mein Leben ich bin fürs Leben gern alloans.

Im Stricken ist alles drin, Hass und Liebe, Hoffnung und Verzweiflung,
alles, was ich schon erlebt habe.“

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